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Schauplatz Astana

NEW BUSINESS Export - NB EXPORT 2/2016
Österreich präsentiert sich unkonventionell: Der Pavillon thematisiert das Energiepotenzial des Menschen in spielerischer Form. © BWM/Julia Landsiedl+/Gerhard Bauer

Rund 100 Länder und internationale Organisationen sind bei der nächsten Weltausstellung 2017 in Kasachstan präsent.

Österreich wird beim wichtigsten Wirtschaftspartner in Zentralasien mit einem Pavillon vertreten sein, der von BWM Architekten realisiert wird.

Kasachstan ist nicht nur der neuntgrößte Staat der Erde, sondern auch besonders reich an Bodenschätzen. Für Österreich sind die Erdölvorkommen besonders wichtig (Gesamtproduktion 2015: 79,5 Millionen Tonnen): Das Land ist aktuell unser wichtigster Öllieferant. Der bilaterale Außenhandel hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, die österreichischen Exporte beliefen sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 220 Millionen Euro.
„Wir wollen die Weltausstellung als Plattform nützen, um das Know-how der österreichischen Wirtschaft zu präsentieren. Das Generalthema ‚Future Energy‘ passt ausgezeichnet zu den Kompetenzen unserer Exporteure rund um die Themen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Infrastruktur“, sagt Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Derzeit sind österreichische Unternehmen vor allem in den Bereichen Pharmazeutika und Maschinen/Anlagen sowie mit hochqualitativen Fertigwaren erfolgreich, größter heimischer Investor ist die OMV. Die Teilnahme an der Expo Astana soll Österreichs weltweite Vorreiterrolle in den Bereichen erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Umwelttechnologie und Nachhaltigkeit eindrucksvoll präsentieren. Darüber hinaus sollen die kulturelle Identität Österreichs im Herzen Europas, Österreichs Rolle als Brückenbauer sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft vor einer Öffentlichkeit präsentiert werden, die über das Land bis dato nur wenig Kenntnisse hat. „Insgesamt sind 50 heimische Betriebe mit Niederlassungen im Land vertreten. Sie nutzen ihre Präsenz zum Teil auch, um den gesamten zentralasiatischen Raum zu bearbeiten. Die Perspektiven sind grundsätzlich günstig: Die Weltbank zählt Kasachstan zu den Top-Ten-Reformländern weltweit“, erläutert Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

Konzepte für nachhaltige Energie von morgen
Wesentliche Initiativen plant die kasachische Regierung etwa am Energiesektor: Bis 2020 sollen mehr als 100 neue Windkraft-, Solar- und Photovoltaikkraftwerke entstehen. Kasachstan möchte damit den Anteil erneuerbarer Energien deutlich steigern – bis 2050 soll er 50 Prozent der gesamten Stromproduktion erreichen. Mit den Initiativen im Zuge dieser Green-Economy-Strategie wird Neuland betreten, es besteht daher großer Bedarf an Know-how bei der Planung und Realisierung von Projekten und ebenso an Ausrüstung und Anlagen.
Mit dem Leitthema „Future Energy“ kann hier auch die Weltausstellung wichtigen Input geben. Konkret stehen gemäß dem Expo-Motto drei Themen im Vordergrund: „Reducing CO2 Emissions, Living Energy Efficiency, Energy for all“. Insgesamt werden rund drei Millionen Besucher erwartet, davon werden voraussichtlich 85 Prozent aus Kasachstan selbst kommen. WKÖ-­Vizepräsident Richard Schenz wurde für die Expo als österreichischer Regierungsbeauftragter bestellt. Er erklärt: „Wir präsentieren uns bei der Weltausstellung in Kasachstan einer Öffentlichkeit, die über unser Land nur wenig Kenntnisse hat. Daher wollen wir unseren Auftritt nutzen, um uns als starker Wirtschaftspartner mit hoher Innova­tionskraft und technologischer Kompetenz zu positio­nieren.“

Solartechnik aus Österreich für die Sphäre im Zentrum
Die Expo findet von 10. Juni bis 10. September 2017 in der neuen Hauptstadt Astana statt. Acht Kilometer südlich des Zentrums entsteht ein 25 Hektar großes Ausstellungs­areal. Dominiert wird das Expo-Gelände von einer 100 Meter hohen Kugel. Die verglaste Stahlkonstruktion ist zugleich der Landespavillon Kasachstans. Das Unternehmen Ertex Solar aus Amstetten realisiert für diese Sphäre insgesamt 380 individuell angefertigte Solarelemente – mit diesen Paneelen wird das gesamte Hauptgebäude energieautark beleuchtet. Im Zuge der Expo wird auch ein eigener Energy-Best-Practice-Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich ebenfalls mehrere Unternehmen aus Österreich beteiligen. Eine internationale Jury wird Projekte auswählen, die im kommenden Jahr auf einer Best-Pratice-Area ausgestellt werden.

Smart Grid von BWM: Energieprinzi­pien spielerisch erlebbar machen
Der Österreich-Pavillon selbst wird sich mit ebenso kreativen wie ungewöhnlichen Ideen präsentieren. Im Zuge eines zweistufigen EU-weiten Gestaltungswettbewerbs entschied sich eine fünfköpfige Expertenjury für den Vorschlag des Wiener Architekturbüros BWM und der Szenografin Julia Landsiedl. Dazu Jury-Vorsitzende Lilli Hollein: „Schon bei der Expo in Mailand war Österreichs Beitrag durch seinen eigenständigen Ansatz und das räumliche Gesamterlebnis erfolgreich. Die Jury hat nun erneut für ein Projekt votiert, das zur vorgegebenen Thematik einen sehr individuellen Zugang entwickelt.“
Das Projekt von BWM Architekten und Partner mit Julia Landsiedl präsentiert sich als große, spielerische Maschine, deren Rädchen und Riemen einzelne Installationen zum Energiethema sind. „Diese große Gesamtinszenierung ,low tech meets high tech‘ involviert Besucher in unterschiedlichen Formaten, vermittelt sehr eindrücklich Innovation, Technologie und Kunst und stellt den Österreich-Bezug auf künstlerische und stimmige Weise her.“
BWM Architekten und Partner realisieren seit 2004 Bauten im urbanen Raum, Unternehmensarchitektur und Kulturprojekte. Für die Expo 2017 konzipiert das interdisziplinäre und multinationale Team nun eine dichte, zweigeschoßige Gerüststruktur. Sie bildet die räumlich-visuelle Übersetzung eines Energienetzwerks. Nach dem Motto „Mit Hirn, Herz und Muskelkraft“ wird dieses Smart Grid von mehreren Stationen partizipativ mit Energie versorgt. „Die Besucher produzieren und konsumieren zugleich Energie und tragen sichtbar zum Gesamterlebnis bei. Ob energiegeladen oder ausgepowert – die Besucher verlassen jedenfalls bewegt den Pavillon“, sagt Johann Moser von BWM Architekten. Das weiß beschichtete Baugerüst ergibt dabei in Kombination mit den Stationen in aktivierendem Rot-Orange einen visuell spannenden Kontrapunkt. Szenografin Julia Landsiedl erläutert zum Ausstellungskonzept: „Unsere Installationen wollen die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen bewusst machen und so die Basis für einen respektvollen Umgang mit Energie legen. Im Sinne einer Multiautorenschaft wollen wir dabei möglichst viele Protagonisten der österreichischen ­Kreativszene involvieren.“ (BO)

INFO-BOX
Heimische Unternehmen präsentieren sich in Astana

Der Österreich-Beitrag wird mit einem Gesamtbudget von 4,8 Millionen Euro realisiert, das zu 75 Prozent vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und zu 25 Prozent von der Wirtschaftskammer Österreich getragen wird. Österreichische Unternehmen können den heimischen Pavillon für eigene Kunden- und Präsentationsevents nutzen. Begleitend sind vonseiten der Wirtschafts­kammer Veranstaltungen geplant, bei denen die heimische Wirtschaft ihre Leistungsangebote präsentieren und Interessenten ansprechen kann.
www.expoaustria.at