Schneller, smarter, sicherer

NEW BUSINESS Export - NB EXPORT 2/2016
Das revolutionäre Potenzial der Drohnen schlummert vor allem im Software- und Equipmentbereich. © Pixabay

Sie liefern spektakuläre Bilder und sollen bald auch Pakete zustellen. Drohnen werden in naher Zukunft immer häufiger über unseren Köpfen kreisen.

In den USA entwickelt sich das Geschäft mit den Flugrobotern derzeit zum Milliardenbusiness.

Die Interdrone Expo & Conference 2016 in Las Vegas vermittelte eine deutliche Aufbruchstimmung der Drohnenindustrie, insbesondere durch die Öffnung des amerikanischen Luftraums für kleine Drohnen durch die US-Flugbehörde (FAA).
Drohnen, sogenannte Unmanned Aircraft Systems (UAS), sind die Zukunft der Luftfahrt und werden sich zum Milliardengeschäft entwickeln. Das Drohnenbusiness in den USA soll sich in den nächsten zehn Jahren auf 82 Milliarden US-Dollar hochschrauben. Die Association for Unmanned Vehicle Systems International geht in den kommenden drei Jahren in den USA von der Schaffung von 70.000 Jobs und einem wirtschaftlichen Effekt von 13,6 Milliarden US-Dollar aus.
„Seit Kurzem hat Amazon ein Entwicklungszentrum in Österreich und setzt bei Sense-and-Avoid-Technologien auf das ausgezeichnete Know-how der TU Graz“, sagte Paul Misener, Vizepräsident für Global Innovation Policy bei Amazon, in seiner Eröffnungsrede. Die weltgrößte ­internetbasierte Versandfirma möchte ihren Kunden als Einkaufsalter­native ein Drohnenzustellsystem anbieten. Bis zu 2,2 Kilogramm schwere Pakete sollen in Zukunft mit kleinen Drohnen innerhalb von 30 Minuten zugestellt werden.
Mit dieser hochkomplexen Technologie trainieren die Grazer UAS-Spezialisten die Drohnen, smart zu werden, um selbstständig Hindernisse erkennen, rechtzeitig ausweichen sowie sicher landen und starten zu können. Unter den weltweiten Amazon-Entwicklungszentren ist Graz bei dieser Technologieentwicklung federführend.

Effektive Absturzsicherung
Markus Manninger von der TU Graz und Andreas Ploier von der Karl-Franzens-Universität haben zur Vermeidung unsanfter Landemanöver eine innovative Lösung entwickelt: einen Fallschirm, der sich im Notfall automatisch öffnet. Das unbemannte Fluggerät sinkt langsam zu Boden, damit wird das Risiko für Material sowie Menschen deutlich minimiert. Der Erfindergeist der beiden Grazer wurde kürzlich von der europäischen Weltraumagentur ESA ausgezeichnet.
Es sind bis zu 35 Kilogramm, die wie der buchstäbliche Stein vom Himmel fallen können. Kostspielige Technik im Wert von 50.000 Euro und mehr zerschellt am Boden, Menschen sind enormer Gefährdung ausgesetzt. Die Wucht eines Aufpralls demonstrierte ein Zwischenfall beim Slalomklassiker in Madonna di Campiglio im vergangenen Dezember. Eine Drohne stürzte ungebremst knapp hinter Skistar Marcel Hirscher auf die Piste. Die Erfindung von Markus Manninger und Andreas Ploier könnte in Fällen wie diesen das Schlimmste verhindern. Die beiden Grazer haben ein Rettungssystem entwickelt, das auf gängigen Drohnen angebracht werden kann. „Sensoren messen das Flugverhalten. Ist dieses plötzlich außer der Norm, kommt das Fluggerät zum Beispiel ins Trudeln, wird automatisch der Fallschirm hinausgeschleudert und geöffnet“, schildert Manninger, der Telematik an der TU Graz studiert. „Unser System unterscheidet sich von bekannten Varianten, bei denen der Fallschirm nur manuell und damit stark zeitverzögert – und lediglich in Sicht­weite – ausgelöst wird“, ergänzt Andreas Ploier, der als Student der Betriebswirtschaft an der Uni Graz vor allem für die unternehmerische Seite des Projekts zuständig ist.

Weitere Einsatzgebiete für Skyability
Seit September unterstützt das im Jahr 2015 gegründete burgenländische Unternehmen Skyability mit seinen ­Flugrobotern das Unternehmen Rohrdorfer.
Skyability ist ein Full-Service-Anbieter von professionellen Dienstleistungen mit Flugrobotern. Dabei reicht das Anwendungsspektrum von der Zustandsdokumentation von Brücken, Industrieanlagen und Bauwerken bis hin zur thermografischen Untersuchung von Photovoltaikanlagen und Gebäuden.
Die bayerische Rohrdorfer-Gruppe ist ein überregional agierender Baustoffproduzent mit Werken in Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn. An mehr als 100 Standorten werden neben Zement auch Transportbeton, Betonwaren und Betonfertigteile hergestellt sowie Sand und Kies gewonnen. Die Flugroboter von Skyability werden bei Rohrdorfer vor allem in Steinbrüchen zur Vermessung eingesetzt. Die innovative Vorgehensweise liefert dabei aufschlussreiche Ergebnisse. Mit hochauflösenden Kameras ausgestattet, fliegen die Flug­roboter völlig autonom über die vorab von Skyability ­programmierten Bereiche und erzeugen ein 3D-Modell des überflogenen Gebiets.
„Der Mehrwert für den Kunden liegt auf der Hand: Aus dem generierten 3D-Modell leiten wir für unsere Kunden tagesaktuelle Orthofotos sowie eine hochaufgelöste Punktwolke des kompletten Steinbruchs ab. Anhand der Punktwolke berechnen wir anschließend die Mengen der einzelnen Halden bzw. die Differenz zum Vormonat“, erklärt Skyability-Geschäftsführer Philipp Knopf.
Der Einsatz der Drohnen hat für Rohrdorfer mehrere entscheidende Vorteile, wie Patrick Peter Klehr, Leiter des Rohstoffmanagements und verantwortlicher Markscheider der Rohrdorfer Sand und Kies GmbH, erklärt: „Die Inventur ist, neben dem enormen Zeitaufwand für unsere Mitarbeiter, auch mit gewissen Sicherheitsrisiken behaftet. Die Haldenbefliegung findet im schwierigen alpinen Gelände statt, der Flugroboter erreicht hierbei spielend jede beliebige Stelle. Durch die neue Technologie der Skyability-Drohnen sind wir effizienter und können uns auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren. Außerdem kann mittels dieser Methode und der höheren Auflösung der Punktwolke eine höhere Genauigkeit erzielt werden. Aufgrund der positiven Ergebnisse werden Skyability und Rohrdorfer auch zukünftig zusammenarbeiten.“
Neben Rohstoffbetrieben sind auch Deponien und Holzverarbeiter ein beliebter Einsatzort für die Flugroboter von Skyability. So wird das Erfolgs-Start-up auch in Zukunft mit seinen Drohnen Unternehmern in den verschiedensten Bereichen das Leben erleichtern. (BO)

INFO-BOX
Eine Reihe österreichischer Unternehmen ist bereits in der hochkompetitiven amerikanischen Drohnen­industrie erfolgreich

◆ Schiebel Aircraft GmbH kooperiert bei der Vermarktung in den USA mit Aerospace-Gigant Boeing und verstärkt sein Engagement im Bereich der Infrastrukturanwendungen. Der Minihubschrauber von Schiebel, der sogenannte Camcopter, kommt beispielsweise zum Einsatz bei der Überwachung von Häfen, Pipelines und Stromleitungen.
◆ Dynamic Perspective GmbH erhielt kürzlich die weltweit erste Zertifizierung für einen kommerziellen Luftfilm-Gyrocopter. Der ultraleichte Tragschrauber erlaubt zusammen mit dem fünfachsigen Gimbal kostengünstige Produktionen von Luftaufnahmen.
◆ Die Wiener Neustädter Firma Diamond Airborne Sensing GmbH rüstet das bemannte Überwachungs­flugzeug DA42 zum sogenannten Optionally Piloted Vehicle (OPV) um. Ein Flugzeug, das bemannt wie ­unbemannt geflogen werden kann.
◆ PIDSO Propagation Ideas & Solutions GmbH entwickelt das Tracking-Antennen-System gTAS für Flüge außerhalb der Sichtweite des Piloten, sogenannte Beyond-Visual-Line-of-Sight-Anwendungen. Das System zeichnet sich durch eine hohe Reichweite mit stabiler Datenverbindung aus und wird speziell für kleine, unbemannte Luftfahrzeuge eine bedeutende Rolle spielen.