Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA HOLDING AG im Porträt

NEW BUSINESS - NR. 7, SEPTEMBER 2015
Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA HOLDING AG © TÜV AUSTRIA/Stephan Doleschal

Innovation: Triebfeder neuer Chancen.

Dass die Zeiten konjunkturell angespannt seien, stimme schon. Aber dass man als Unternehmen einfach „durchtauchen“ müsse, freilich nicht. Ganz im Gegenteil. Für Stefan Haas, seit zweieinhalb Jahren Chef der TÜV AUSTRIA Gruppe, bieten gerade schwierige Zeiten immer wieder Möglichkeiten und Chancen. „Wir konzentrieren uns auf neue Geschäftsfelder und neue Märk­te, suchen interessante Nischen.“ Mit Erfolg. Das Unternehmen mit Sitz in Wien agiert mittlerweile weltweit, mit Niederlassungen in mehr als 30 Ländern. Knapp 300 unterschiedliche Services sind es, die 1.300 Mitarbeiter durchführen.
„Die hohe Qualität unserer Angebote, Verlässlichkeit und persönliches Engagement – all das trägt zum wirtschaftlichen Erfolg unserer Unternehmensgruppe bei“, so Haas. Die Strategie, neben dem Heimmarkt Österreich, im Ausland den Fokus auf Nischen mit guten wirtschaftlichen Prognosen zu legen, habe sich bewährt. „Der TÜV AUSTRIA hat eine Größe, die es nicht notwendig macht, auf allen Märkten und in allen Bereichen präsent zu sein. Als mittelgroßer Player im internationalen Vergleich können wir uns aussuchen, wo wir aktiv sein wollen.“

Ertragskraft nachhaltig steigern
Pakistan – hier ist das Unternehmen im Bereich Öl, Gas, Industrie und Zertifizierungen tätig – entwickle sich beispielsweise sehr gut, so Haas. Ebenso zeigten die Engagements in der Türkei, in Sri Lanka, Bangladesch oder auch in Indien Wirkung. Auch mit der Entwicklung im europäischen Ausland, vor allem in Italien, Spanien, Deutschland sowie im zentral- und osteuropäischen Raum, verzeichne die TÜV AUSTRIA Gruppe kontinuierlich Zuwächse.
Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beim TÜV gab Stefan Haas als Zielvorgabe, dass das Unternehmen auch unter erschwerten Bedingungen die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Ertragskraft nachhaltig steigern müsse. „Damit wir nicht nur unbeschadet, sondern auch gestärkt aus dieser Phase herauskommen.“
Der Sektor rund um die IT-Sicherheit – der TÜV AUSTRIA ist hier seit gut drei Jahren tätig – habe sich als Geschäftsfeld mit dem größten Wachstum entwickelt. Die Expertisen des TÜV AUSTRIA setzen hier weniger auf die Technik, sondern vielmehr auf den Faktor Mensch. Stefan Haas: „Cybersicherheit beginnt immer damit, dass man sich der möglichen Gefahren bewusst ist, professionelle Beratung ist hier besonders wichtig. Risikoanalysen und Risikomanagement steigern Unternehmenswerte. Dazu ist es wichtig, Risikoaspekte nicht nur für einzelne Unternehmensfunk­tionen und Prozesse zu beachten, sondern die Risikobewertung in der Strategie zu verankern, in der Planung zu berücksichtigen, in allen relevanten Prozessen umzusetzen. Nur das gewährleistet die optimale Nutzung der Chancen am Markt.“

Qualitätsanbieter technischer Dienstleistungen
Die TÜV AUSTRIA Gruppe ist Qualitätsanbieter von zahlreichen technischen Dienstleistungen, etwa im Bereich der unabhängigen Aufzugsprüfung, der Inspektion von Kessel- und Industrieanlagen, aber auch im Bereich Barrierefreiheit in Lokalen und Geschäften. Wesentlicher Erfolgsfaktor für den TÜV AUSTRIA-Chef – er bündelt gerade die Kompetenzverteilungen im Unternehmen neu, um die Schlagkraft des Konzerns weiter zu verstärken – ist Innovation. Kreativität, Mut zu Neuem, der wichtige Blick über den sogenannten eigenen Tellerrand hinaus – all das fördert Stefan Haas bei seinen Mitarbeitern. „Innovation ist eine wesentliche Triebfeder, um kontinuierlich am Ball zu bleiben.“
Haas weiß, wie wichtig Innovation für ein Unternehmen selbst, aber auch für die persönliche Motivation und Begeis­terungsfähigkeit unter den Mitarbeitern ist. Unmittelbar nach Absolvierung seines Maschinenbaustudiums an der TU Wien (Haas promovierte mit Auszeichnung) verbrachte er mehrere Jahre als Projektmanager der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, lehrte als Assis­tent an der TU Thermodynamik und entwickelte bei Knorr Bremse eine Wirbelstrombremse, die ihm nicht nur den Innovationspreis des Landes Nieder­österreich einbrachte, sondern auch den begehrten European Railway Award.
Haas initiierte heuer in der TÜV AUSTRIA Gruppe eine eigene Innovationsplattform, fördert den technischen Nachwuchs in Österreich und hilft mit, bereits im Kindesalter für Technik und Sicherheit zu begeistern.

Starkes gesellschaftliches Engagement
Mit der Vergabe von fünf Stipendien pro Jahr unterstützt das Unternehmen Studierende technisch-naturwissenschaftlicher Fächer bei der Entwicklung ihrer Diplomarbeiten und Dissertationen, mit dem TÜV AUSTRIA Wissenschaftspreis werden heuer bereits zum vierten Mal innovative Ideen von HTL- bzw. Universitätsabsolventen und Unternehmen vor den Vorhang geholt. Mit der Aktion „TÜV AUSTRIA Kids“ wurden bislang knapp 7.000 Kinder an Wiener Volksschulen mit dem Thema Technik und naturwissenschaftlichen Phänomenen vertraut gemacht. Vom TÜV AUSTRIA ausgebildete Trainer bauen mit ganzen Klassenverbänden und deren Lehrern in jeweils einer Doppelstunde Stromprüfgeräte aus Alltagsgegenständen. Ein Riesenerfolg, mit langen Anmeldelisten bis weit ins kommende Schuljahr.
Warum Stefan Haas all diese Aktivitäten wichtig sind? „Ganz einfach, wir haben als Unternehmen mit einer über 140-jährigen Geschichte auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir möchten unse­ren Teil dazu beitragen, unsere TÜV-Kernbereiche Sicherheit, Technik, Umwelt, Qualität und Nachhaltigkeit bei den Ingenieuren von morgen fest zu verankern, sie in ihren Überlegungen zu fördern beziehungsweise bereits im Volksschulalter Neugierde für Technik zu wecken. Das macht genauso viel Spaß wie unsere Geschäftsstrategie, uns auf Nischen und Märkte mit Potenzial zu konzentrieren. Beides hat sich bewährt, beides bringt Erfolg.“ (BO)

Vier Fragen an Stefan Haas.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?
Wir sind tagtäglich gefordert, uns weiterzuentwickeln, die Standards hochzuhalten, Innovationen zu unterstützen und mitzuhelfen, ein innovationsfreundliches Klima zu erzeugen. In Österreich und auf der ganzen Welt. Mit unserem Leistungsportfolio leisten wir unseren Beitrag dazu, dass sich Unternehmen und Konsumenten sicher fühlen können.

Für welche Werte stehen Sie persönlich im Unternehmen?
Eigenverantwortung, Engagement und Vertrauen.

Was sind Ihre Aussichten für die kommenden Jahre – sowohl persönlich als auch auf Ihr Leistungsportfolio gemünzt?
Ich wünsche mir eine wesentlich stärkere Zusammenarbeit zwischen der Industrie, privaten und universitären Forschungseinrichtungen. Je besser die Verzahnung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, desto mehr lässt sich letztlich an Forschungsquote zusammenbringen. Was wiederum für die Wirtschaft enorm wichtig ist. Österreich als rohstoffarmes Land kann nur durch technologisches Know-how, mit Spitzenforschung und innovativen Unternehmen am Weltmarkt erfolgreich bleiben.

Wie begegnen Sie den aktuellen, vergangenen und zukünftigen wirtschaftlichen Anforderungen, die auf das Unternehmen zukommen?
Indem wir uns unsere Engagements sehr gut überlegen. Uns geht es nicht um den schnellen Gewinn. Uns geht es um den Aufbau und Ausbau von tragfähigen und von Vertrauen geprägten Beziehungen zu unseren Kunden, die ihrerseits von unseren Expertisen, Prüfungen, Zertifizierungen, unserem Innovationspotenzial profitieren. Das macht uns als technischer Dienstleister vom Mitbewerb deutlich unterscheidbar. Wir müssen nicht überall dabei sein. Und wir investieren ganz massiv in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das lässt uns nicht nur den eigenen Horizont erweitern, sondern auch unsere Netzwerke ausbauen und neue Ziele ansteuern und erreichen.

ZUR PERSON
Karriereschritte im Überblick
Der 1965 in Wien geborene Stefan Haas studierte Maschinenbau an der TU Wien und promovierte 1994 mit Auszeichnung. Ab 1997 durchlief Haas mehrere Führungspositionen in der Knorr-Bremse GmbH. Seine Karriere umfasste anfänglich die technische Gesamtverantwortlichkeit für die Produktgruppen Magnetschienenbremse und Wirbelstrombremse. Im Jahr 2000 erhielt Haas den niederösterreichischen Innovationspreis für die elektrische Wirbelstrombremse beim ICE 3. 2006 wurde Haas Geschäftsführer der Knorr-Bremse und mit den Aufgabengebieten Entwicklung und Markteinführung der linearen Wirbelstrombremse in Hochgeschwindigkeitszügen betraut, bevor er 2011 zur Knorr-Bremse
Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH, in München, als Bereichsleiter für Innovation und Technologie wechselte. Seit 1. März 2013 ist Stefan Haas CEO der TÜV AUSTRIA Gruppe, eines der führenden Anbieter von technischen Dienstleistungen weltweit.