Der Handelseigenmarken-Vormarsch setzt den Lebensmittelherstellern zu © APA - Austria Presse Agentur

Die heimische Lebensmittelindustrie stöhnt unter den steigenden Aktionsangeboten der Supermarktketten. Dies sei eine "Abwärtsspirale" für Händler und Nahrungsmittelproduzenten, sagte die Fachverbandsgeschäftsführerin Katharina Koßdorff im APA-Gespräch. Durch die Rabattschlachten würde die Wertigkeit von Lebensmittel für die Konsumenten sinken und die Erlöse für die Produzenten schrumpfen.

Rund ein Viertel der Frischprodukte wird in Österreich im Angebot gekauft, bei Fleisch ist es ein Drittel. Bei Sekt liegt der Aktionsanteil laut Herstellerangaben bei 50 Prozent, bei Bier sogar zwischen 60 und 80 Prozent.

Auch der Vormarsch der Handelseigenmarken setzt den Lebensmittelherstellern zu. Der Eigenmarkenanteil liegt in den österreichischen Supermärkten zwischen 30 und 40 Prozent, bei Diskontern sogar bei bis zu 90 Prozent. Die Eigenmarken seien "ein Fluch und Segen" für die Lebensmittelproduzenten, so die Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Die Produktion von Eigenmarken für die Lebensmittelhändler würde die Auslastung der Hersteller sichern, aber traditionelle Marken würden aus dem Regal verdrängt und die von Marken inspirierte Lebensmittel-Rezepturen seien im Eigentum der Supermarktketten.

Der Export verhalf der österreichischen Lebensmittelindustrie im Jahr 2017 dennoch zu einem kleinen Erlösplus. Die abgesetzte Produktion ist laut Fachverband leicht um 1,4 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro gestiegen. Die Exporte schnellten im Vergleich zum Jahr davor um 8,5 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro hinauf, davon gingen Waren im Wert von 2,2 Mrd. Euro (+7,3 Prozent) nach Deutschland.

Zweitwichtigster Exportmarkt waren im Jahr 2017 die USA mit 878 Mio. Euro (+18,8 Prozent). Die Lebensmittelexporte nach Russland - im Jahr 2015 wegen Sanktionen und Rubelverfall um knapp 40 Prozent auf 71 Mio. Euro abgestürzt - beliefen sich 2017 bereits wieder auf 101 Mio. Euro (+3,5 Prozent).

Die wichtigsten Warengruppen im Export waren alkoholfreie Getränke (Energy-Drinks, Limonaden) mit 1,9 Mrd. Euro (+11,3 Prozent) und feine Backwaren mit 565 Mio. Euro (+5,9 Prozent). Die weltweite Expansion des Energy-Drink-Herstellers Red Bull hat die heimischen Getränkeexporte in den vergangenen Jahren kräftig gepusht.

Das Regierungsprogramm 2017-2022 von ÖVP und FPÖ sieht eine "verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln (Fleischprodukte, Milch, Eiprodukte, verarbeitete Produkte und Milchprodukte) nach dem Vorbilds Frankreichs zunächst auf nationaler, später auf EU-Ebene" vor. Weiters wollen ÖVP und FPÖ Kantinen zu einer "nationalen Kennzeichnung der Lebensmittelherkunft" verpflichten. Dies sei klassisches Golden Plating - eine Übererfüllung von EU-Verpflichtungen, kritisierte Koßdorff.

Dies würde zu einer Kostenexplosion für österreichische Nahrungsmittelhersteller führen und ein Wettbewerbsnachteil für heimische Hersteller bedeuten, wenn sie mit ausländischen Produzenten konkurrieren, die keine verpflichtende Herkunftskennzeichnung machen müssten.

Für die Fachverbands-Geschäftsführerin ist ein Ausbau des freiwilligen AMA-Gütesiegels und der geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.) sowie der geschützten geografische Angaben (g.g.A) zielführender als eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Bei den Ursprungsbezeichnungen habe "Österreich seine Hausaufgaben nicht gemacht".

Es seien bisher nur zehn österreichische Produkte geschützt worden und ins Europäische Register eingetragen worden, etwa das steirisches Kürbiskernöl, der Tiroler Speck, der Vorarlberger Bergkäse und der Mostviertler Birnmost. Zum Vergleich: Italien hat bereits rund 300 Lebensmittel und Agrarprodukte und Frankreich hat 250 Produkte schützen lassen.