Festo-Österreich-Chef Ostermann appelliert an die Industrie © APA - Austria Presse Agentur

Österreichs Industriebetriebe sind einer Erhebung zufolge nicht ausreichend auf neue Technologien und damit verbundene Veränderungen vorbereitet. Gleichzeitig herrsche unter den heimischen Unternehmen noch große Zufriedenheit mit der Auftragslage und dem Wirtschaftsstandort. Das geht aus einer Umfrage des Anbieters von Automatisierungstechnik Festo unter 200 heimischen Betrieben hervor.

"Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht alarmierend: Den Unternehmen geht es gut, die Auftragslage ist stabil, man will wachsen. Aber neue Technologien und die damit verbundenen Veränderungen im Unternehmensalltag sind oft noch Fremdworte", fasst Festo-Österreich-Chef Rainer Ostermann das Ergebnis der Befragung zusammen.

47 Prozent der Befragten sehen zwar in den nächsten drei bis fünf Jahren Einsparpotenziale durch den Einsatz neuer Technologien. Allerdings sei das Bewusstsein für neue Technologien und deren Nutzen gering. So gaben 56 Prozent der befragten Unternehmen an, sie denken nicht, dass kollaborierende Roboter in Zukunft für Unternehmen sehr oder eher relevant sein werden. 63 Prozent interessieren sich nicht für Big Data oder künstliche Intelligenz.

Bei knapp einem Viertel der Unternehmen kam es durch die Digitalisierung laut Umfrage aber bereits zu offensichtlichen Veränderungen von Funktionen bzw. Funktions- oder Berufsbezeichnungen. Zwei Drittel der Betriebe gaben an, dass sich der Qualifizierungsbedarf durch die neuen Technologien erhöhte habe. "Stark betroffen" bzw. "betroffen" seien vor allem die Bereiche Installation/Inbetriebnahme (73 Prozent), Wartung/Instandhaltung (77 Prozent) sowie Forschung/Entwicklung (68 Prozent).

Heimische Betriebe müssten sich auf neue Berufsbilder, Veränderungen von Prozessen und Strukturen einstellen, um in der sich kontinuierlich verändernden Industriebranche international wettbewerbsfähig zu bleiben, betont Ostermann. Es mangle an Fachkräften und Wissen um neue Technologien. "Die Praxis und die Theorie, wie sie auch im Regierungsprogramm festgehalten ist, passen nicht zusammen", so Ostermann. Die Politik habe erkannt, dass bei Innovation und Digitalisierung großer Handlungsbedarf bestehe; die Industrie sei noch weit entfernt von diesen Zielen. Diese Lücke müsse geschlossen werden.

Die Industrie müsse dringende Hausaufgaben endlich auch erledigen, um den Anschluss an den internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren, so Ostermann weiter. "Nur 'ready' sein recht nicht." Während hierzulande noch über Robotik oder künstliche Intelligenz nachgedacht werde, befänden sich Märkte wie die USA oder China schon lange in der Umsetzungsphase.

Auch die heimischen Klein- und Mittelunternehmen haben bei der Digitalisierung weiterhin Aufholbedarf. Der Datenschutz stellt derzeit die größte Herausforderung für die digitale Transformation dar. Das hat eine von der Wirtschaftskammer in Auftrag gegebene und bereits zum zweiten Mal durchgeführte Studie unter 1.100 KMU ergeben. Beim Digitalisierungsindex (Skala von 0 bis 100), der den Digitalisierungsgrad eines Betriebes misst, erreichten mehr als die Hälfte der Unternehmen lediglich einen Wert von unter 30 Punkten. Kein einziger der befragten Betriebe hat die 60-Punkte-Marke überschritten. Der Durchschnitt lag bei 27 Punkten.

Der Großteil der befragten KMU aus sieben Branchen wird als "Digitaler Neuling" klassifiziert, erläuterte Sarah Gillessen, Studienleiterin von Arthur D. Little bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Ein gutes Drittel wird als "digital bewusst" eingeordnet. Nur 3 Prozent sind "digital orientiert". Laut Studie sind die Branchen "Bank und Versicherung", sowie "Information und Consulting" am stärksten digitalisiert. Vor allem in der Sparte "Gewerbe und Handwerk" gibt es noch Aufholbedarf.

Als größte aktuelle Herausforderung nannten heimische Betriebe das Thema Datenschutz. Die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist seit Ende Mai in Kraft. Während 2017 die DSGVO in der Befragung noch kein Thema war, hatte heuer die Sicherung von Daten für 40 Prozent der Unternehmen Priorität. Die DSGVO sorgt nach wie vor für Unsicherheit: 43 Prozent der Betriebe benötigen in diesem Bereich Beratung und erwarten eine Verbesserung des Rechtsrahmens.