Die mit Mitternacht in Kraft tretende Quarantäne in Kuchl im Salzburger Tennengau trifft viele Betriebe im Ort schwer. In der Gemeinde gibt es eine Reihe produzierender Unternehmen. Der Großteil der Mitarbeiter pendelt aber von auswärts ein. Die Wirtschaftskammer forderte daher am Freitag eine differenzierte Vorgehensweise. Zudem brauche es eine zügige Lösung für die Frage der Entschädigungen.

Alleine beim Maschinenbauer UNTHA - das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Zerkleinerungsmaschinen - dürften 160 Einpendler in den kommenden beiden Wochen ausfallen. "Das sind 70 Prozent der Mitarbeiter", sagte Geschäftsführer Alois Kitzberger im APA-Gespräch. "Wir können die Produktion zwar aufrechterhalten, sind aber pessimistisch, dass wir die Gehaltsfortzahlung für die betroffenen Dienstnehmer entschädigt bekommen."

Der Matratzenhersteller Elastica hat seine Produktionstätigkeit vorübergehend eingestellt. Auch die Firma Kässbohrer Austria, die Pistengeräte der Marke "Pistenbully" vertreibt und serviciert, leidet unter den Beschränkungen. Das Gros der 25 Mitarbeiter lebt nicht in der Gemeinde. "Die Quarantäne trifft uns in der Hauptsaison, wo wir viele Neugeräte ausliefern und Gebrauchtfahrzeuge reparieren", sagte Geschäftsführer Peter Soukal zur APA. "Wir können das Problem zwar lösen, indem wir uns auswärtig Werkstätten suchen, wo wir die Geräte hinbringen. Aber der Aufwand dafür ist hoch."

Gegenüber dem ORF Salzburg klagte heute auch die Betreiberin eines Autohauses samt Reifenhotel. Sie sitze derzeit auf 800 Garnituren Rädern, die bis zur Winterreifenpflicht am 1. November montiert werden müssten. Nur ein Teil der Kunden kämen dabei aus der Gemeinde. Kleinere Geschäfte in Kuchl fürchten offenbar das Ausbleiben der Kunden aus dem Umland. "Ich habe Angst, dass die sich Alternativen suchen und langfristig ausweichen", sagte eine Unternehmerin zur APA.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, Peter Buchmüller, forderte am Freitag vom Gesetzgeber dringend eine Lösung für die Frage der Entschädigung ein. "Derzeit bekommen Betriebe die Entgeltfortzahlung nur refundiert, wenn Einzelpersonen in Quarantäne gestellt werden. Ungeklärt ist die Frage der Entschädigung, wenn ganze Orte unter Quarantäne gestellt werden."

Buchmüller will auch die Möglichkeit der Frei-Testung von Mitarbeitern. Damit wäre der Verbleib der "freigetesteten" Personen im Betrieb möglich. Die Unternehmen könnten ihre Verträge, Lieferungen, Services und Produktionen aufrechterhalten. Auf jeden Fall sollte man den Betrieben in Quarantäne-Orten ermöglichen, ihre Mitarbeiter aus anderen Orten weiter zu beschäftigen und ihren Aufträgen nachzukommen. Auch sollten Betriebe außerhalb der jeweiligen Quarantänezone mit gesunden Mitarbeitern aus Quarantäne-Orten weiterarbeiten dürfen.

Auch die Produktionsgewerkschaft PRO-GE forderte heute vernünftige Konzepte. "Die Verfügungen der Landesregierung haben deutlich gezeigt, dass so einschneidende Maßnahmen nicht zu Ende gedacht wurden", kritisierte Landesgeschäftsführer Daniel Mühlberger.

(APA)