Kein Rückzug aus Russland geplant © APA - Austria Presse Agentur
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé verliert die Kontrolle über einen Teil seines Russland-Geschäfts. Der russische Präsident Wladimir Putin hat zwei Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende russische Verwaltung gestellt. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Dekret der russischen Regierung hervor.
Konkret geht es um Nestlé Russia und Nestlé Kuban. Die von Nestlé-Gesellschaften in der Schweiz und Deutschland gehaltenen Anteile werden neu von der russischen Firma L.E.V. Management verwaltet. Nestlé bleibt zwar Eigentümer, kann aber vorerst nicht mehr selbst über die Beteiligungen bestimmen.
Kreml-Sprecher: "Unfreundliche Länder"
Der Kreml hat die Zwangsverwaltung des Russland-Geschäfts von Nestlé und weiteren europäischen Unternehmen mit deren Herkunft aus sogenannten "unfreundlichen Ländern" begründet. Diese Staaten unterstützten die Ukraine militärisch, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag.
"Natürlich war einer der Faktoren, die bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden, die Tatsache, dass es sich um unfreundliche Länder handelt", sagte Peskow. Diese Länder seien "so aktiv wie möglich an militärischen Handlungen gegen unser Land beteiligt" und hätten sich an Angriffen der Ukraine auf zivile und wirtschaftliche Infrastruktur Russlands beteiligt, sagte der Kremlsprecher weiter.
Neben dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé sind auch die russische Tochter des französischen Einzelhändlers Auchan und die ehemalige Russland-Einheit der Baumarktkette Leroy Merlin von der Maßnahme betroffen.
Kein Rückzug aus Russland geplant
Bereits im August hatte das russische Unternehmen KS Logistika Putin aufgefordert, fünf russische Nestlé-Gesellschaften unter Fremdverwaltung zu stellen. Nestlé erklärte damals, von staatlichen Stellen nicht kontaktiert worden zu sein. Ein Rückzug aus Russland sei kein Thema.
Nestlé erwirtschaftet in Russland rund 2 Prozent des Konzernumsatzes. Das Unternehmen betreibt sechs Produktionsstandorte in Russland und stellt dort unter anderem Kaffee, Süßwaren, Babynahrung und Tierfutter her. Nestlé hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 entschieden, sein Geschäft in Russland trotz Kritik nicht vollständig einzustellen. Der Konzern begründete dies damals damit, dass man als Lebensmittelhersteller auch in Konfliktregionen die Bevölkerung weiterhin mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen wolle.
Russland verschärfte in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingung für ausländische Unternehmen. Unter anderem schuf das Regime Instrumente, um mehr Einfluss auf Firmen nehmen zu können.