Ministerinnen Köstinger und Aschbacher präsentierten die Zahlen © APA - Austria Presse Agentur

Über den Sommer ist die Arbeitslosigkeit am coronabedingt massiv beeinträchtigten Arbeitsmarkt gegenüber dem bisherigen Höhepunkt der Krise Mitte April weiter zurückgegangen. Aktuell sind beim Arbeitsmarktservice (AMS) 403.398 Jobsuchende gemeldet - um 560 weniger als vor einer Woche, aber um 75.000 mehr als vor einem Jahr, wie Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) bekanntgab. Zusätzlich sind 296.486 Menschen in Kurzarbeit - um 92.000 weniger als in der Vorwoche.

Von den derzeit über 400.000 Arbeitslosen nehmen 58.512 Menschen Schulungen in Anspruch. Die Daten präsentierten Aschbacher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ebenfalls ÖVP) in einer Pressekonferenz und verwiesen dabei auf eine "halbwegs solide Entwicklung" für Mitte September. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sei - "entgegen den Erwartungen der Experten" - noch nicht eingetreten.

"Seit Mitte April haben wir rund 185.000 wieder in Beschäftigung bringen können", berichtete Aschbacher. Doch: "Der Herbst beziehungsweise der Winter wird herausfordernd", betonte die Ministerin unter Verweis auf saisonale Effekte zusätzlich zur Coronakrise. "Wir befinden uns nach wie vor in einer Ausnahmesituation und in einer Weltwirtschaftskrise, die uns das Coronavirus beschert hat."

Am härtesten von der Arbeitslosigkeit betroffen seien nach wie vor der Tourismus, aber auch die Logistikbranche, die Kunst- und Unterhaltungsbranche sowie die Freizeitwirtschaft. "Speziell der Städte- und Kongresstourismus leiden", strich Köstinger hervor. Wien habe bei den Nächtigungen einen Rückgang von 86 Prozent verbucht. "Das ist schon sehr existenzbedrohend."

Zusätzlich regnet es angesichts steigender Covid-19-Infektionszahlen Reisewarnungen. "Das ist für uns eine schwierige Situation, daher haben wir aber auch die Corona-Maßnahmen wieder verschärft - mein Appell lautet, alles zu tun, damit sich die Infektionskurve wieder abflacht und damit wir es in den nächsten Wochen schaffen, dass die Reisewarnungen wieder aufgehoben werden", so die Ministerin.

Für das Gesamtjahr 2020 rechne das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für den Tourismus jetzt schon mit einem Einbruch bei den Nächtigungen von bis zu 30 Prozent gegenüber 2019. Dank der Kurzarbeit seien aber alleine im Tourismus fast 100.000 Jobs gesichert worden. "Die Kurzarbeit war das absolut wichtige und richtige Instrument", sagte Köstinger. "Die Kurzarbeit wird um weitere sechs Monate verlängert, das wird uns über den Winter bringen."

"Ab Oktober wird es möglich sein, die Anträge für die Phase 3 der Corona-Kurzarbeit zu stellen", erinnerte Aschbacher. Bei der Abrechnung bisher liegt das Ministerium bei über 4,7 Mrd. Euro - 97 Prozent der Anträge seien bearbeitet.

Am intensivsten beansprucht wird die Kurzarbeit der Ministerin zufolge im Bereich Warenherstellung - mit rund 140.000 Personen, was aber gegenüber dem Höchststand ein Minus von rund 100.000 bedeute. Im Tourismus seien derzeit rund 28.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

In der Krise stünden neben der Kurzarbeit der Neustartbonus und die Corona-Arbeitsstiftung als Instrumente zur Verfügung, um die Arbeitslosigkeit abzufedern. Speziell für die stark betroffenen Branchen soll in der neuen Phase der Kurzarbeit ab Oktober die Mindestarbeitszeit von 30 Prozent "unterschritten werden können, zum Beispiel wird für die Stadthotellerie vielleicht 10 Prozent notwendig sein", so Aschbacher.