Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent © APA - Austria Presse Agentur

Die schwache Konjunkturentwicklung lässt die Arbeitslosenzahlen seit Frühjahr 2023 steigen. Ende Mai waren über 378.000 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet - um 0,8 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie AMS und Sozialministerium bekannt gaben. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Jahresabstand um 0,1 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Wie in den Vormonaten gab es einen Arbeitslosenrückgang bei Männern und einen Anstieg bei Frauen.

Die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Mai laut erster Schätzung um 0,2 Prozent bzw. 6.000 Personen auf 3,967 Millionen, wie das AMS mitteilte. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten, sofort verfügbaren offenen Stellen sank gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent auf rund 79.000. Der ÖVP-Wirtschaftsbund erfasst in seinem Stellenmonitor alle Online-Jobportale und verzeichnete 167.000 offene Stellen in Österreich.

Langzeitarbeitslosigkeit steigt stark

Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13 Prozent bzw. knapp 12.000 Personen auf rund 103.000. Bei langzeitarbeitslosen Personen (mehr als 12 Monate) gab es ein Plus von rund einem Viertel auf rund 54.000. Die Zahl der Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmer (50 Jahre und älter) stieg um 3,4 Prozent auf 103.500.

Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) fordert von den Betrieben "ein Umdenken" bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: "Ältere Arbeitssuchende müssen vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Chance auf einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben haben", so Schumann in einer Aussendung. Die Arbeitsministerin will weiter "gezielte Investitionen in Arbeitsmarktangebote für Ältere" forcieren.

Arbeitslosigkeit bei Männern sinkt

Seit Februar sinkt die Zahl der arbeitslosen Männer inklusive Schulungen, bei Frauen steigt die Arbeitslosigkeit hingegen noch. "Während es bei Männern bereits einen Rückgang um 2,2 Prozent gab, kam es bei den Frauen zu einem Plus von 4,2 Prozent, denn Branchen mit höherem Frauenanteil (Handel und Gesundheit) sind vom Anstieg besonders betroffen", kommentierte AMS-Vorständin Draxl die Mai-Arbeitsmarktdaten. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer stieg im Gesundheits- und Sozialwesen um 11,9 Prozent, im Handel um 3,5 Prozent und in der Warenherstellung um 0,7 Prozent. Einen Arbeitslosenrückgang gab es in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie (-3,2 Prozent), Bau (-2,2 Prozent) sowie Verkehr und Lagerwesen (-0,8 Prozent).

Sie verwies außerdem auf eine Umfrage des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) zur unternehmerischen Konjunktureinschätzung, dass aufgrund des Iran-Krieges die Stimmung mehrheitlich skeptisch bleibe. "Entsprechend vorsichtig sind Unternehmen in der Folge auch in ihrer Personalpolitik", erklärte die AMS-Vorständin.

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit in NÖ und der Steiermark

Die höchste Zunahme von Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern verzeichnete Niederösterreich (+5 Prozent), gefolgt von Steiermark (4 Prozent), Burgenland (+3,6 Prozent) und Vorarlberg (+2,5 Prozent). Den stärksten Rückgang bei der Arbeitslosigkeit gab es in Kärnten (-1,9 Prozent), gefolgt von Tirol (-0,9 Prozent), Wien und Salzburg (jeweils -0,8 Prozent) sowie Oberösterreich (-0,2 Prozent).

Für FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch ist Arbeitsministerin Schumann angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen "weiterhin auffallend untätig". SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch pocht auf "aktive Arbeitsmarktpolitik", "um die Trendwende zu schaffen". Die Präsidentin der Arbeiterkammer (AK), Renate Anderl, fordert weiterhin eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber an den Kosten der Arbeitslosigkeit im Hinblick auf das "Zwischenparken" beim AMS. Die Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB), Helene Schuberth, warnt vor Einsparungen beim AMS im Rahmen der staatlichen Budgetkonsolidierung. Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, drängt auf ein höheres Reformtempo der Regierung, weil die Arbeitsmarktentwicklung "ein deutliches Warnsignal" sei.