Mehr Menschen auf Arbeitssuche © APA - Austria Presse Agentur

Weiter keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt - die Erwerbslosigkeit steigt seit über drei Jahren. Ende Juni waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) 368.948 Menschen arbeitslos oder in Schulung gemeldet - um 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Sozialministerium am Mittwoch bekanntgab. Besonders stark war der Zuwachs bei den Frauen. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich den Angaben zufolge um 2,4 Prozent auf 295.457 Personen. Zusätzlich waren mit 73.491 Personen um 3,1 Prozent weniger Personen in Schulungen.

Mehr Wirtschaftswachstum nötig

"Wir haben jetzt 39 Monate ansteigende Arbeitslosigkeit und eigentlich warten wir seit 39 Monaten darauf, dass es in einem halben Jahr besser wird - so auch jetzt sind die Prognosen so, dass wir 2027 sinkende Arbeitslosigkeit haben sollten", sagte AMS-Chef Johannes Kopf im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF. "So wie wir alle schon sehnsüchtig auf eine Abkühlung warten, warten wir in gewisser Weise auch sehnsüchtig auf mehr Wirtschaftswachstum." Das Wesentliche sei letztlich, dass der Konsum wieder steige.

"Wir sind auch abhängig von der internationalen Konjunktur - wenn die Leute mehr Geld ausgeben für Energie, dann haben sie weniger um einzukaufen", erklärte Kopf. "Da sind halt Dinge passiert, die das Wachstum verlangsamt haben", sagte er und verwies auf den "schrecklichen Iran-Krieg", der Ende Februar begonnen hat. "Jetzt haben wir Wachstum und Hinweise, dass es besser läuft - etwa beim Zugang offener Stellen oder bei der Männer-Arbeitslosigkeit -, aber es reicht noch nicht für eine wirkliche Trendwende."

Die Arbeitsmarktlage sei "auch Ende Juni weiterhin herausfordernd", hielt das von der SPÖ geführte Ministerium am Mittwoch fest. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betreffe alle Altersgruppen - außer die Jugendlichen. Bei den Jüngeren stagniere die Zahl der Arbeitssuchenden. Der Zuwachs an Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmenden gegenüber dem Vorjahr habe sich über die vergangenen Monate "annähernd stabil" entwickelt.

Starker Anstieg bei den Frauen

Bei den Frauen ging die Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg von 5,9 Prozent auf 139.381 Personen besonders deutlich nach oben, bei den Männern hingegen war sie um 0,5 Prozent rückläufig auf 156.076. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei den Schulungen - mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 40.246 Personen bei den Frauen und einem Minus von 9,3 Prozent auf 33.245 bei den Männern.

Massiv von zunehmender Arbeitslosigkeit betroffen sind Personen mit Behinderung, wo es einen Anstieg um 14,2 Prozent auf 19.147 Menschen gab, sowie Akademikerinnen und Akademiker mit einem Zuwachs von 11,5 Prozent auf 42.145 Personen.

Nach Branchen betrachtet entfiel der größte Zuwachs mit 11,8 Prozent auf das Gesundheits- und Sozialwesen, wo es nun 14.804 Arbeitssuchende gibt. Dahinter folgte der vom Jobabbau besonders gebeutelte Handel mit 55.192 Arbeitslosen - das war ein Anstieg von 4,4 Prozent. Spürbar erholt zeigten sich indessen die Branchen Bau mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 2,1 Prozent auf 19.985 Personen und Arbeitskräfteüberlassung mit einem Minus von 3,8 Prozent auf 27.878.

Nur in Wien rückläufig

Am stärksten erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in den Bundesländern Niederösterreich (plus 4,8 Prozent), Steiermark (plus 3,9 Prozent) und Tirol (plus 3,4 Prozent). Auf hohem Niveau rückläufig (minus 1 Prozent auf 154.412 Personen) war sie lediglich in Wien.

Bei den Arbeitsuchenden mit ausländischer Staatsbürgerschaft nahm die Arbeitslosigkeit laut Sozialministerium nur leicht um 0,4 Prozent auf 116.973 Personen zu. Bei den Inländerinnen und Inländern war der Anstieg mit 3,7 Prozent auf 178.484 Personen wesentlich stärker.

Bereits 35 Prozent Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Arbeitssuchenden ist den Angaben zufolge "schon über viele Monate ansteigend". Dadurch wachse auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen (mit Status arbeitslos und mindestens einem Jahr AMS-Vormerkung) um 12,7 Prozent auf 104.188 Menschen - ihr Anteil an allen arbeitslos vorgemerkten Personen liege bereits bei 35 Prozent.

Die beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen verringerten sich den Angaben zufolge im Jahresabstand um 4,5 Prozent auf 80.570. Der Zugang an offenen Stellen beim Arbeitsmarktservice sei im Juni mit einem Plus von 8,5 Prozent oder 3.397 "jedoch bereits gegenüber dem Vorjahr etwas ansteigend".

Für die FPÖ sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen die "verheerende Bilanz einer völlig verfehlten Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik". Der weitere Anstieg der Arbeitslosigkeit sei "das Ergebnis schwarz-rot-pinker Ignoranz und des totalen Versagens", so Klubobmannstellvertreterin und Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch. Kopf sieht das naturgemäß anders: Gerade im Bereich der Arbeitsmarktpolitik spare die Regierung, die jetzt sparen müsse, nicht. "Angekündigt ist, dass die Mittel für die Arbeitsmarktpolitik zumindest gleichbleiben", sagte er mit Blick auf das neue Doppelbudget.

Für die Beschäftigten und Arbeitssuchenden seien Investitionen in die Arbeitsmarktförderung und in die berufliche Aus- und Weiterbildung besonders wichtig, betonte SPÖ-Sozialsprecher in einer Aussendung.