AUA im Preiskampf mit Billigfluglinien © APA - Austria Presse Agentur

Nach sechs Jahren in der Gewinnzone rutscht die Austrian Airlines (AUA) heuer und 2020 voraussichtlich wieder in die roten Zahlen. Der harte Preiskampf mit den Billigfluglinien zwingt die österreichische Lufthansa-Tochter zu einem weiteren Sparpaket von 90 Mio. Euro jährlich. Bis Ende 2021 sollen 700 bis 800 Stellen gestrichen werden, das ist jeder zehnte Arbeitsplatz.

"Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billigflieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben", erklärte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech am Donnerstag in Wien.

Da das Marktumfeld immer schwieriger werde, müssten die Gesellschaften mit geringem Gewinn oder Verlust ihre Leistung verbessern, sagte der Finanzchef des deutschen AUA-Mutterkonzerns, Ulrik Svensson, in Frankfurt. Das trifft neben der AUA auch die belgische Tochter Brussels Airlines sowie die Frachtsparte Lufthansa Cargo. Die Austrian Airlines sei aber "mit Abstand dem schärfsten Wettbewerb ausgesetzt", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Bei der AUA waren vor und nach der Pressekonferenz auch die Mitarbeiter über den Sparkurs informiert worden. Bis Jahresende will der AUA-Vorstand die Pläne zum Stellenabbau ausarbeiten und dann mit dem Betriebsrat darüber sprechen. Das Bodenpersonal dürfte tendenziell stärker betroffen sein als Piloten und Flugbegleiter. Durch die jährliche Fluktuation von 200 bis 250 Mitarbeitern soll ein Teil des Stellenabbaus sozial verträglich gestaltet werden. Auf Zahlen zu Kündigungen wollte sich das Unternehmen nicht festlegen.

Die Gewerkschaft GPA-djp kündigte an, um jeden Arbeitsplatz kämpfen zu wollen. Es könne nicht sein, dass der Verdrängungswettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werde. Die Gewerkschaft vida erklärte, der Wettbewerbsdruck dürfe kein Freibrief für Personalabbau sein. Die Sparmaßnahmen hält man für übertrieben und verweist auf die Gewinne des Mutterkonzerns.

Die deutsche Lufthansa-Gruppe, zu der neben der AUA und Brussels auch Swiss und Eurowings gehören, erklärte, trotz des aktuellen Flugbegleiter-Streiks in Deutschland und des Preiskampfes im Europaverkehr insgesamt keine weiteren Abstriche bei ihrem Konzern-Gewinnziel zu machen. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) solle heuer wie geplant 2,0 bis 2,4 Mrd. Euro erreichen, teilte die Airline am Donnerstag mit. Spohr hatte das vorherige Gewinnziel im Juni gekappt. An der Frankfurter Börse kamen die Zahlen gut an. Die Aktie war im deutschen Leitindex DAX einsamer Spitzenreiter. Im wichtigen Sommerquartal stieg der Umsatz der Lufthansa im Jahresvergleich um zwei Prozent auf knapp 10,2 Mrd. Euro. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 1,15 Mrd. Euro sogar um vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor, da sich Geschäfte zur Preisabsicherung positiv auf das Ergebnis auswirkten.

Bei der AUA hingegen sieht die Bilanz nach neun Monaten mager aus. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) ist um 85 Prozent, von 110 auf 17 Mio. Euro, eingebrochen. Die Kerosinrechnung alleine ist den Angaben zufolge heuer bisher um 47 Mio. Euro höher ausgefallen. Ob sich heuer überhaupt schwarze Zahlen ausgehen, schätzt Hoensbroech als unwahrscheinlich ein. "Das vierte Quartal ist in unserer Branche immer ein Verlustquartal, wir müssen damit rechnen, dass wir unter die Null kommen." 2020 sei es nochmals deutlich schwieriger, so Hoensbroech.

Die AUA sieht sich im nächsten Jahr 35 Flugzeugen von Billigfluglinien wie Laudamotion, Wizz Air, EasyJet und Level gegenüber, nach heuer 24. In Wien seien dann nicht mehr 4,5 sondern 7 Millionen Billigflug-Sitzplätze im Markt. "Die österreichische Lösung habe sich als grüne Mogelpackung herausgestellt", sagte Hoensbroech in Anspielung auf Niki Laudas Weiterverkauf der Niki-Nachfolge-Airline Laudamotion an die irische Ryanair.

Durch den Verdrängungswettbewerb komme das AUA-Netzwerk unter Druck, warnte der Manager. Der Angriff auf das Europanetz gefährde das für die Langstrecke wichtige Zubringergeschäft. Die Frage, ob Wien ein Billigflughafen oder ein Langstrecken-Drehkreuz werde, sei auch für den Wirtschaftsstandort Österreich relevant, weshalb man hier mit dem Flughafen und der Politik reden wolle. Er kritisierte auch, dass die EU bei Sozialstandards "löchrig wie ein Schweizer Käse" sei und Billigflieger dies ausnützten. Dass ein Branchen-Kollektivvertrag, wie von der Gewerkschaft gefordert, die Lösung sei, hält Hoensbroech für fraglich.

AUA-Vertriebsvorstand Andreas Otto sagte, es bleibe nichts anderes übrig, als bei den Ticketpreisen mit runter zu gehen - "sonst bleibt der Sitz leer". Die Alternative wäre, Strecken aufzugeben, aber "dann rückt sofort jemand nach". Insbesondere die Attacke von Ryanair-Chef Michael O'Leary, die Flotte in Wien 2020 auf 19 Flieger aufzustocken, sorgt bei Otto für Kopfschütteln: "Was der in Wien veranstaltet, ist echt irre." Innerhalb des Lufthansa-Konzerns habe man entschieden, "keinen Millimeter weichen wir zurück". "Herr O'Leary irrt sich, wenn er glaubt, dass Lauda in fünf Jahren die AUA überholen kann", richtete Hoensbroech dem Iren aus.

Durch den Preiskampf ist jedoch auch die wegen des Flugzeugalters eigentlich anstehende Investition in die AUA-Langstreckenflotte auf unbestimmte Zeit vertagt. Durch die Verluste sei die Frage in den Hintergrund gerückt, hieß es am Donnerstag am Rande der AUA-Pressekonferenz zur APA. Für neue Langstreckenjets schreibt der Mutterkonzern Lufthansa eine Gewinnspanne von acht Prozent vor - es wären also Gewinne von mehr als 150 Mio. Euro nötig.