Ardo schließt 2027 Tiefkühlgemüse-Werk in Groß-Enzersdorf © APA - Austria Presse Agentur

Mit der Ankündigung von Ardo Austria Frost GmbH, sein Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich 2027 zu schließen, steht das größte industrielle Tiefkühlgemüsewerk in Österreich vor dem Aus. Die Landes- und Bundespolitik sah einen "schweren Schlag" für die Beschäftigten und Hunderte Landwirte. Der Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ortete ein "Alarmsignal für den gesamten heimischen Lebensmittelstandort". Ardo wird die Anlagen an andere Standorte verlagern.

Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die geplante Schließung "trifft den Gemüsebau im Marchfeld mit voller Wucht", erklärte die Landwirtschaftskammer Niederösterreich am Freitag in einer Aussendung. Die über Jahrzehnte aufgebaute heimische Tiefkühlproduktion samt Know-how, Infrastruktur und Absatzmöglichkeiten sei gefährdet. Die gesamte Wertschöpfungskette im Marchfeld stehe vor einem tiefgreifenden Einschnitt. "Was hier auf dem Spiel steht, ist die Zukunft der heimischen Gemüseproduktion", erklärte Karl Auer, Obmann des NÖ Gemüsebauverbandes (NGV).

Anlagen werden verlagert, Übernahme des Werks "nicht möglich"

Rund vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Marchfeld werden von Landwirten genutzt, die im Auftrag der Ardo Austria Frost über die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) produzieren. 2025 verarbeitete das Unternehmen laut eigenen Angaben die Erzeugnisse von rund 270 Bauern. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer hat die ETG 500 Mitgliedsbetriebe, die überwiegend im Marchfeld auf rund 3.300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung produzieren - etwa Grünerbsen, Gemüsesoja, Buschbohnen, Spinat, Karotten, Kohlgemüse, Speisekürbis und Kräuter. 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Wert von rund 18,5 Mio. Euro an Ardo geliefert.

"Für die Modernisierung des Werks wären mehr als 100 Millionen Euro erforderlich. Dies lässt sich angesichts eines kleinen österreichischen Marktes nicht auf wettbewerbsfähige Weise rechtfertigen", teilte das Unternehmen am Freitag auf Anfrage mit. Seit der Übernahme von Austria Frost 2009 seien Millionen u.a. in neue Produktionslinien investiert worden, wurde festgehalten. Die belgische Gruppe will künftig den österreichischen Markt aus den anderen Werken in Europa beliefern. Um die benötigten Mengen zur Verfügung stellen zu können, werden Anlagen in andere bestehende Standorte verlagert. "Eine Fortführung des Werks durch einen anderen Eigentümer ist daher nicht möglich", hieß es nach der am Donnerstag angekündigten Schließung.

Klarheit für Betriebe gefordert

Die angekündigte Schließung "ist für die Beschäftigten und rund 500 Bauernfamilien in Niederösterreich ein schwerer Schlag. Sie haben über Jahre verlässlich produziert und ihre Arbeit auf die Zusammenarbeit mit Ardo ausgerichtet", teilten Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sowie Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (alle ÖVP) am Freitag mit. "Ardo trägt Verantwortung - für die Beschäftigten ebenso wie für die bäuerlichen Partnerbetriebe", wurde betont: "Wir stehen für Gespräche bereit."

"Viele Betriebe haben im Vertrauen auf diese Zusammenarbeit erheblich investiert - in spezialisierte Erntemaschinen, modernste Technik und die Weiterentwicklung ihrer Gemüseproduktion", forderte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, rasch Klarheit. "Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Produktion und Wertschöpfung in Österreich erhalten bleiben."

Versorgung "gesichert"

"Die Versorgung mit Tiefkühlgemüse ist aus heutiger Sicht gesichert. Es ist davon auszugehen, dass etwaige fehlende Mengen aus heimischer Produktion im Bedarfsfall substituiert werden", hieß es vom Landwirtschaftsministerium auf Anfrage. Gespräche seien im Laufen.

Iglo arbeitet derzeit an "Lösungen, die es uns ermöglichen, weiterhin Gemüse aus dem Marchfeld zu beziehen", wurde mitgeteilt. Auf die Produktverfügbarkeit gebe es keine Auswirkungen, wurde festgehalten. Die Handelskette Spar ließ bisher einige Eigenmarken dort produzieren, vor allem im Bio-Bereich. Die Sortimentsmanager seien dabei, Ersatz zu finden, "teilweise ist das schon gelungen", teilte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann auf Anfrage mit. Ziel sei, "alles, was bisher im Marchfeld produziert wurde, auch weiterhin von dort zu beziehen". Der Diskonter Hofer bedauert das angekündigte Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf. Die Zusammenarbeit mit österreichischen Produzenten und die Stärkung der heimischen Landwirtschaft habe "einen hohen Stellenwert". "Daher werden wir die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und gemeinsam mit unseren Partnern mögliche Optionen besprechen", hieß es von Hofer.

Markenartikelindustrie warnt vor Folgen von Billigpreis-Wettlauf

"Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks - er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird", teilte Günter Thumser, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Markenartikelindustrie, in einer Aussendung mit. Gewarnt wurde vor einer weiteren Zunahme der Importabhängigkeit bei Gütern des täglichen Bedarfs, sollte sich diese Entwicklung fortsetzen. Weiters sprach sich Thumser gegen das - auch auf Initiative Österreichs - diskutierte Verbot territorialer Lieferbeschränkungen aus.

Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Dabei soll die Gemüseproduktion voraussichtlich bis Dezember 2026 fortgeführt werden, ab August 2027 soll der Fokus von einem neuen Standort in der Region von Wien aus auf den Vertrieb gelegt werden. SPÖ-Landesparteichef Landesrat Sven Hergovich sprach sich wie die Gewerkschaft PRO-GE für die Prüfung einer Arbeitsstiftung aus. Das Land sei gefragt, "gemeinsam mit dem AMS, den Sozialpartnern und den vorhandenen Arbeitsmarktinstrumenten müssen frühzeitig Qualifizierungs-, Vermittlungs- und Unterstützungsmaßnahmen vorbereitet werden", verlangte Hergovich.