Großbritannien für deutsche Autobauer bedeutender Absatzmarkt © APA - Austria Presse Agentur

Im Brexit-Streit der EU mit Großbritannien warnt die Autoindustrie vor schwerwiegenden Folgen für die deutschen Hersteller, falls bis zum Ende der Übergangsphase kein Abkommen erreicht wird. "Wir brauchen ein zukunftsgerichtetes, faires und vor allem sicheres Regelwerk für die zukünftigen Beziehungen", erklärte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, am Donnerstag. Auch Österreich mit seiner Zulieferer-Industrie ist davon betroffen.

Auch nach dem Austritt aus der EU bleibe das Vereinigte Königreich "ein wichtiger Partner der deutschen Automobilindustrie, sei es als Lieferant, Produktionsstandort oder Absatzmarkt", sagte Müller. Großbritannien war zum 1. Februar aus der EU ausgetreten. Bis Ende des Jahres bleibt es aber noch im EU-Binnenmarkt und der Zollunion. Diese Übergangsphase wollten beide Seiten eigentlich nutzen, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Doch die Gespräche kommen seit Monaten kaum voran.

Dem VDA zufolge sind die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie mit über 100 Standorten in Großbritannien vertreten, darunter auch zahlreiche Zulieferer. In Österreich zählen die Autozulieferer in Richtung der deutschen Kfz-Konzerne zu den wichtigsten Branchen im Land. Unter Verweis auf eine Studie der Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) erklärte der Verband, dass ein No-Deal-Szenario bis zu 110 Mrd. Euro zusätzliche Kosten für die europäische Automobilindustrie bedeuten könnte.

Bereits jetzt sind die Exporte der deutschen Hersteller nach Großbritannien demnach von 810.000 Pkw im Jahr 2015 auf rund 590.000 Autos 2019 gesunken. Gleichwohl ist Großbritannien nach VDA-Angaben noch immer der größte Exportmarkt für die deutschen Automobilhersteller - und gerade für den zukünftigen Markt für batteriebetriebene Fahrzeuge sei das Vereinigte Königreich "wichtig und attraktiv".

Deshalb sollten die Verhandlungsführer "alles daransetzen, die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen", mahnte Müller. "Für beide Seiten steht zu viel auf dem Spiel", fügte die VDA-Präsidentin hinzu. "Ein Ende der Übergangsphase ohne Abkommen hätte schwerwiegende Folgen für die Automobilindustrie."