Höchster Stand seit 1946 © APA - Austria Presse Agentur

Die Corona-Krise hat zu einem beispiellosen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich geführt. Per Ende März waren rund 563.000 Personen ohne Job, ein Plus von knapp 53 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition schnellte um 4,7 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent nach oben. AMS-Chef Johannes Kopf erwartet bis zum Ende des Shutdowns noch mehr Arbeitslose.

Der bisherige Rekord seit 1946 bei der März-Arbeitslosigkeit datiert aus dem Jahr 2016 mit rund 439.000 Betroffenen. Die temporären Betriebsschließungen zur Viruseindämmung seit 16. März haben den dreijährigen Aufwärtstrend am heimischen Arbeitsmarkt beendet. Seit dem Frühjahr 2017 sanken die Arbeitslosenzahlen, davor stiegen sie fünf Jahre. Ohne Virus wären die Konjunkturforscher für heuer nur von einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen ausgegangen.

Wirtschaftlich besonders stark betroffen vom Coronavirus sind die tourismusstarken Bundesländer Tirol und Salzburg und österreichweit die Branchen Gastronomie, Hotellerie, Bau und Verkehr. Die Zahl der Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmer stieg in Tirol per Ende März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 174 Prozent auf 45.147. In Salzburg gab es ein Plus von 112 Prozent auf 31.077. Am stärksten stiegen die Arbeitslosenzahlen im Bereich Beherbergung und Gastronomie (+145,1 Prozent, +60.784 Personen), am Bau (+94,8 Prozent, +28.191 Personen) und im Verkehr und Lagerwesen (+83,8 Prozent +13.728 Personen).

Der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, erwartet in den nächsten Wochen aufgrund des Shutdowns einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen. "Sehr viele Menschen fangen jetzt nicht mit der Arbeit an", sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Mittwoch im Ö1-Mittagsjournal. "Je schneller die Restriktionen gelockert werden, desto eher werden die Arbeitslosenzahlen sinken", so der AMS-Chef. Etwa in der Landwirtschaft und am Bau habe es im April neue Jobs gegeben, auch andere verfügbare offene Stellen könnten wegen der Pandemie derzeit nicht besetzt werden.

Die AMS-Schulungen wurden aufgrund des Coronavirus ab dem 16. März ausgesetzt, aus administrativen Gründen werden die Teilnehmer bis zum geplanten Ende des Schulungsangebots als Schulungsteilnehmer gezählt. Per Ende März waren es noch rund 58.200 Personen.

Für Wifo-Ökonomen Helmut Mahringer ist der coronavirusbedingte Arbeitslosenanstieg "eine beispiellose Situation". "Es könnte aber eine temporäre Ausnahmesituation sein, die nach relativer kurzer Zeit in eine normale Zeit übergeht", sagte Mahringer zur APA. Das Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) geht in Szenariorechnungen mit einem Ende des Shutdowns Ende April aus.

Gewerkschaft, SPÖ und FPÖ fordern eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian hat seine am Sonntag gestellte Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengelds angesichts der aktuellen Arbeitslosenzahlen konkretisiert. "Es wäre daher jetzt ein guter Zeitpunkt, um das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent Nettoersatzrate zu erhöhen", so der ÖGB-Präsident. Aktuell liegt die Nettoersatzrate bei 55 Prozent. "Das Arbeitslosengeld muss erhöht werden", schrieb auch die SPÖ-Chefin Pamela Rendi am Mittwochnachmittag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die SPÖ werde "dazu im Parlament einen Antrag einbringen". AMS-Chef Kopf und Wifo-Ökonom Mahringer sehen die Höhe des Arbeitslosengeldes als "politische Frage".

Die FPÖ drängt auch auf eine Lockerung der Maßnahmen. Es spreche auch nichts dagegen, zum Beispiel Baumärkte oder kleinere Geschäfte mit geringer Kundenfrequenz wieder zu öffnen, wenn ohnehin jeder eine Maske tragen müsse. Wenn man nichts unternehme, breche die Wirtschaft zusammen mit bis zu einer Million Arbeitslosen, so FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl.