Weniger Großaufträge für Militärfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe © APA - Austria Presse Agentur

Der Wegfall großer Rüstungsaufträge hat der deutschen Industrie im August einen unerwartet heftigen Auftragseinbruch eingebrockt. Das Neugeschäft schrumpfte um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit so stark wie seit Jahresbeginn nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet, nachdem es zuvor drei Anstiege in Folge gegeben hatte.

Die negative Entwicklung geht fast ausschließlich auf den starken Rückgang im Bereich Sonstiger Fahrzeugbau zurück, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören. Der Auftragseingang in diesem Bereich brach um 61,5 Prozent zum Vormonat ein. Im Juli hatte er sich wegen eines außergewöhnlich hohen Volumens an Großaufträgen im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau noch mehr als verdoppelt (revidiert plus 129,4 Prozent). Die deutsche Bundesregierung steckt derzeit Milliarden in die Modernisierung der Bundeswehr.

"Auch wenn das deutliche Minus vor allem auf ein geringes Volumen an Rüstungsaufträgen zurückzuführen ist, mag der Auftragseingang nicht so recht überzeugen", meinte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Es fehlt an einer neuen Investitionsdynamik, die auf einen dauerhaften Konjunkturaufschwung hindeuten würde."

"Die Perspektiven sind gut"

Am grundsätzlich positiven Bild ändert der schwache Monat nach den Worten des Ökonomen Michael Herzum vom Fondsanbieter Union Investment aber wenig. Die Auftragslage der deutschen Industrie habe sich seit Herbst 2025 deutlich verbessert. "Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und bieten der Industrie rechnerisch ein Polster von rund neun Monaten", sagte Herzum. Ob aus den vollen Auftragsbüchern tatsächlich mehr Wachstum entstehe, entscheide sich bei den Investitionen. Noch fehle den Unternehmen das Vertrauen, Produktion und Kapazitäten hochzufahren. "Die deutsche Industrie hat sich stabilisiert und die Perspektiven sind gut - ein Boom ist das aber noch nicht", sagte Herzum.

Der Einbruch hängt im August mit dem Ausbleiben von Großaufträgen zusammen: Werden diese ausgeklammert, dann hätte das Minus nur 0,1 Prozent betragen. Die Auslandsaufträge fielen um 5,4 Prozent geringer aus. Die Inlandsaufträge brachen sogar um 17,3 Prozent ein. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Juni bis August um 1,3 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor.

Stagniert haben im August die Einnahmen: Der inflationsbereinigte Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe verharrte auf dem Niveau des Vormonats. "Nach den bisher vorliegenden Zahlen dürfte die Industrie im dritten Quartal - anders als im ersten Halbjahr - das Wachstum der deutschen Wirtschaft eher gebremst haben", sagte dazu Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Das könne sich im gerade begonnenen vierten Quartal aber wieder ändern. "Denn vom Staat dürften wieder mehr Aufträge kommen, die sich auf Dauer auch positiv auf die Umsätze und die Produktion auswirken dürften." Hierfür spricht Experten zufolge auch die in den vergangenen Monaten deutlich verbesserte Stimmung bei den Unternehmen.

Regierung optimistisch

Die deutsche Regierung zeigt sich ebenfalls optimistisch. "Auch wenn die Neuaufträge in der Industrie im August schwach ausfielen und strukturelle Wettbewerbsprobleme fortbestehen, hat sich die Auftragslage, insbesondere in Branchen, die vom KI-Hochlauf und staatlichen Beschaffungen profitieren, zuletzt deutlich verbessert", betonte das Wirtschaftsministerium.

Die Regierung in Berlin folgt Insidern zufolge den Wirtschaftsforschungsinstituten und wird ihre Wachstumsprognosen deutlich anheben. Demnach wird nun mit einem Wachstum von 1,3 Prozent in diesem Jahr und 1,1 Prozent im nächsten Jahr gerechnet. Im Frühjahr hatte die Regierung für 2026 nur ein Wachstum von 0,5 Prozent vorausgesagt, für 2027 von 0,9 Prozent. Die Herbstprognose soll am Donnerstag veröffentlicht werden.