Bei der FMA gibt es im November einen Wechsel im Vorstand © APA - Austria Presse Agentur

In Anbetracht der vielfältigen wirtschaftlichen Krisen warnt der scheidende Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl, vor zu starker Deregulierung der Finanzbranche. "Bei Deregulierung müssen wir wirklich aufpassen", sagte Ettl am Dienstag bei der 18. FMA-Aufsichtskonferenz in Wien. "Es bauen sich viele Themen am Finanzmarkt auf. Jetzt Schutzdämme einzureißen wäre das falsche Zeichen", so der FMA-Vorstand.

Stabilität im Finanzsektor und die ausreichende Kapitalisierung der Finanzinstitute - eine grundlegende Säule in der Regulierung des Sektors - seien wichtige Voraussetzungen dafür, dass auch der Kreditmarkt weiter reibungslos funktioniere, so Ettl.

Dennoch habe sich die Risikolandschaft verändert - beispielsweise haben sich Cyberangriffe oder Klimakatastrophen als neue Risiken herauskristallisiert - und dem müsse auch Rechnung getragen werden. Nach der Finanzkrise 2008/2009 sei Resilienz des Finanzsystems durch mehr Kapital, mehr Puffer, mehr Liquidität aufgebaut worden. "Heute bedeutet Resilienz etwas mehr", sage Ettl. Neue Risiken wie Cyberangriffe könne man "wahrscheinlich nicht mit Kapital bekämpfen".

Ettl wechselt im Herbst als Exekutivdirektor zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und wird mit 1. November von Oliver Schütz abgelöst. Schütz ist derzeit Leiter des Bereichs Bankenabwicklung in der FMA.

"Krise ist das neue Normal"

"Die Krise ist das neue Normal", sagte auch FMA-Vorständin Mariana Kühnel. Das Umfeld werde immer schwieriger und sei von hoher Volatilität geprägt. "Wir wissen eigentlich nicht mehr, was das wirkliche Basisszenario ist, von dem wir ausgehen können". Umso wichtiger sei es Resilienz aufzubauen.

Vor diesem Hintergrund überarbeitet auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) derzeit ihr Regelwerk für Banken. EBA-Generalsekretär François-Louis Michaud sieht durchaus Bedarf für Anpassungen. In den vergangenen 15 Jahren hätten die EU-Regulatoren zwar ein starkes Regelwerk geschaffen und die europäische Finanzbranche habe die Krisen der vergangenen Jahre ohne gröbere Schäden überstanden, aber "nun müssen wir sicherstellen, dass es auf die bestmögliche Art funktioniert", sagte Michaud am Montagnachmittag im Vorfeld der Konferenz im Gespräch mit Journalisten. Die bisherige Stärke der Branche - auch im Hinblick auf mögliche neue Risiken sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Banken im internationalen Feld - dürfe in Zukunft nicht zu einem Hindernis werden.

Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) wies in einer Rede indessen auf die hohen Berichtspflichten im Bankensektor hin und sprach sich für Vereinfachungen aus. Diese müssten allerdings immer im Einklang mit der Finanzmarktstabilität stehen. Österreich zeichne sich aber durch einen "unheimlich erfolgreichen und starken Finanzsektor" aus.

Eibinger-Miedl zuversichtlich für Umsetzung des Zukunftsdepots

Damit sich mehr Menschen in Österreich am Finanzmarkt beteiligen, arbeitet die Regierung unter anderem an einem "Zukunftsdepot" für Kinder und Jugendliche. Sie sei zuversichtlich, dass die Verhandlungen in der Regierung dazu noch im Herbst abgeschlossen sein könnten. Dann könne es bereits ab dem kommenden Jahr ein Kapitalertragssteuer-befreites Anlageprodukt geben, um jungen Menschen ein Startkapital zu ermöglichen, so die Staatssekretärin.