Körnermais ist besonders von der Dürre betroffen © APA - Austria Presse Agentur
Hagelversicherung-Chef Kurt Weinberger ortet eine klimawandelbedingte "historische Dürrekatastrophe" für die Bauern. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft liege bisher bei 1 Mrd. Euro, teilte der Agrar-Spezialversicherer mit. Die Hagelversicherung wird Schäden in Höhe von rund 400 Mio. Euro abdecken. Politisch wird nun um ein Hilfspaket für die Landwirte gerungen: Das Finanzministerium verweist auf mögliche finanzielle Umschichtungen innerhalb des Landwirtschaftsressorts.
Betroffen von der Dürre sind ganz Österreich und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber regional auch Getreide. Wenn die hohen Temperaturen bis Ende August anhalten und die Niederschläge ausbleiben, dann werde sich "das Schadenausmaß klar erhöhen", sagte der Hagelversicherung-Chef am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Zwischen 2017 und 2025 lagen die Dürreschäden in Österreich zwischen 30 und 230 Mio. Euro.
Höhere Dürreschäden wegen menschengemachten Klimawandels
80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind laut Hagelversicherung gegen Dürre versichert. "Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung", sagte der Hagelversicherung-Chef. "Wir zahlen rasch aus. Wir sind ein verlässlicher Partner", betonte Weinberger. Die Auszahlungen an die Bauern sind mit Rückversicherungen des Agrar-Spezialversicherers abgesichert. Man habe weltweit 36 Rückversicherungen. Der Hagelversicherung-Chef sprach sich gegen eine Dürre-Pflichtversicherung für alle Bauern aus, weil eine Pflichtversicherung "keine Begeisterung" auslöse.
Ausbleibende Niederschläge und mehrere Hitzewellen haben heuer in Österreich zu einer Rekord-Dürre geführt. In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im 10-jährigen Niederschlagsmittel (2016-2025). "Der menschengemachte Klimawandel führt zu einer Zunahme der Schäden", hielt Weinberger fest. "Wetterextreme werden heftiger und häufiger", sagte der Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Anders Levermann, bei der Pressekonferenz. Nächstes Jahr könnte es noch "schlimmer" werden, wegen des Klimaphänomens El Niño. Der Experte empfahl eine Energie- und Umweltpolitik "aus einem Guss". Man müsse "raus aus der ideologischen Ecke".
Den heimischen Bauern fehlen heuer Futtermittel, weil der Grünschnitt und die Sojaernte schlecht ausfällt. Manche Bauern müssen ihre Rinder bereits frühzeitig verkaufen, weil das Futter fehlt.
Berechnung der Schäden
Im Grünland beläuft sich der Ertragsausfall laut aktueller Schätzung der Hagelversicherung auf 45 Prozent, bei den anderen von der Dürre betroffenen Kulturen, etwa Mais, soll es ein Minus von 25 Prozent und bei Getreide von 14 Prozent geben. Insgesamt beträgt der Ausfall bisher rund 30 Prozent. In Jahren ohne Dürre beläuft sich der Produktionswert im Ackerbau und Grünland auf 3,2 Mrd. Euro. Auf Grundlage dieser Zahlen und Schadensmeldungen hat die Hagelversicherung den bisherigen Dürreschaden geschätzt.
Viele offene Fragen bei Bauern-Hilfspaket
Vergangene Woche hatte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) den Bauern neben Liquiditätsmaßnahmen auch "eine Kompensation der Schäden" versprochen. Das Dürre-Hilfspaket soll gemeinsam mit den Bundesländern und in Abstimmung mit dem Finanzministerium erarbeitet werden. Bei den Katastrophenfonds der Bundesländer sind Dürreschäden an landwirtschaftlichen Kulturen aber nicht anzuerkennen, soweit sie versicherbar gewesen sind. Die aktuelle Dürre-Schadenbilanz der Hagelversicherung ist laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) "eine zentrale Grundlage" für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder für das geplante Bauern-Hilfspaket. Am Montagnachmittag lädt Totschnig zu einem "Runden Tisch" zur "Trockenheit in der Landwirtschaft". Vor dem Termin sind Statements geplant, nach dem "Runden Tisch" sind vorerst keine Stellungnahmen angekündigt.
Das Finanzministerium zeigte sich auf APA-Nachfrage zurückhaltend. "Der Wunsch nach einer Unterstützung für die Bauern kommt von Seiten der ÖVP. Wir warten auf konkrete Vorschläge des zuständigen Ressorts (BMLUK), die wir dann prüfen können", hieß es aus dem Finanzministerium. Es komme "nur eine Unterstützung in Frage, die sich im Rahmen des Budgets" bewege. "Denkbar sind etwa finanzielle Umschichtungen innerhalb des zuständigen Landwirtschaftsressorts", so das Ministerium.
Lebensmittelversorgungssicherheit bedroht
Der Chef der Hagelversicherung sieht die Lebensmittelversorgung, etwa mit Getreide, Mais, Ölsaaten, in Österreich durch den Klimawandel und die Flächenversiegelung bedroht. In Österreich werde sehr viel wertvoller landwirtschaftlicher Boden verbaut, dies sei fahrlässig. Außerdem müssten sich Österreich und die EU an die selbstgesteckten Klimaziele halten, so Weinberger.