Handel: Ernteausfälle durch die Dürre könnten Preise erhöhen © APA - Austria Presse Agentur

Mit 1. Juli ist die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent gesenkt worden, nun zog der Lebensmittelhandel eine erste Bilanz. Demnach ist die Umstellung weitgehend reibungslos gelungen. Zufrieden ist der Handel trotzdem nicht. "Es wäre wesentlich einfacher und administrativ effizienter gewesen, den Steuersatz auf alle bisher mit zehn Prozent besteuerten Lebensmittel einheitlich zu senken", so Branchen-Obmann Christian Prauchner.

Dass dieser Weg nicht gewählt wurde, dürfte vor allem dem dafür notwendigen budgetären Spielraum geschuldet sein, vermutet er. Und verteilt auch Lob für die Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium. Offene Abgrenzungs- und Umsetzungsfragen des Handels seien zügig behandelt und beantwortet worden. Prauchner betonte am Donnerstag in einer Aussendung auch den Einsatz der Beschäftigten.

Handel sieht "intensiven Wettbewerb"

Befürchtungen, dass der Handel die Steuersenkung nicht an den Kunden weiter gibt, seinen nicht berechtigt gewesen. "Der Lebensmittelhandel gibt die Umsatzsteuersenkung vollständig und ohne Wenn und Aber weiter. Die bisherigen Preiserhebungen bestätigen das eindeutig", betont Prauchner und ergänzte: "Mit Ausnahme weniger Monate, in denen außergewöhnliche Engpässe und Kostensteigerungen zu bewältigen waren, lag die Preisentwicklung im Lebensmittelhandel zuletzt stets unter der Gesamtinflation. Der intensive Wettbewerb zwischen den Handelsunternehmen hat damit wesentlich dazu beigetragen, den allgemeinen Preisauftrieb zu dämpfen."

In die Zukunft blickend schließt Prauchner Teuerungen für die Verbraucher nicht aus. "Wenn Ernten ausfallen, Energie, Dünger oder Verpackungen teurer werden oder internationale Lieferwege beeinträchtigt sind, schlägt sich das früher oder später auch in den Erzeuger- und Einstandspreisen nieder", so der Obmann des Lebensmittelhandels. Gleichzeitig beruhigt er: "Sollten die Erzeuger- und Einstandspreise in den kommenden Monaten wieder steigen, werde der intensive Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel weiterhin dafür sorgen, dass Kostensteigerungen nicht automatisch zu höheren Margen führen."

Anfang Juli, unmittelbar nach Einführung der Steuersenkung, hatte die AK stichprobenartig geprüft, ob der Handel die günstigeren Preise auch weiter gibt. Das Ergebnis damals: Er tut es. Zu einem ähnlichen Resultat kam auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) in einer Analyse. Der Handelsverband sieht sich dadurch bestätigt: "Wer dem Handel im Vorfeld pauschal unterstellt hat, die Entlastung würde nicht bei den Menschen ankommen, ist damit klar widerlegt", so Geschäftsführer Rainer Will am Donnerstag.