RLB NÖ-Wien soll künftig die Beteiligungen halten © APA - Austria Presse Agentur

Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien (RH NÖ-Wien) plant eine umfassende Umstrukturierung. Die Geschäftsleitung und die Aufsichtsgremien haben am Montag beschlossen, fast den gesamten Betrieb inklusive der Industriebeteiligungen über eine "Down-stream Abspaltung" an die 100-Prozent-Tochter Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) abzugeben. Die Holding will dann ihre Bankkonzession zurückzulegen.

"Der gesamte operative Betrieb der Holding wird in die RLB übergehen", sagte RLB-NÖ-Wien-Generaldirektor Martin Hauer am Montag vor Journalisten. Durch diesen Schritt werden künftig sowohl das Bankgeschäft als auch das Management der weitreichenden Industriebeteiligungen direkt in der RLB NÖ-Wien zentral gebündelt, teilte die RLB NÖ-Wien am Montagnachmittag mit. In der Holding verbleibt nach der Umstrukturierung noch die Beteiligung an der RLB und einige Liegenschaften - darunter das Loos Haus.

Hintergrund der Umstrukturierung sei eine Empfehlung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) gewesen, die Struktur der RLB zu überdenken, so RLB-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder am Montag vor Journalisten. Die RLB NÖ-Wien ist seit Anfang 2025 unter der Aufsicht der EZB.

Strabag, NÖM, Leipnik-Lundenburger und Agrana

Zum weitreichenden Portfolio der Raiffeisen-Holding gehören unter anderem Anteile am Baukonzern Strabag, der Molkerei NÖM, dem Agrarkonzern Leipnik-Lundenburger Invest (LLI), dem Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana sowie Medienbeteiligungen wie dem "Kurier". An den bestehenden Beteiligungsverhältnissen an der RH NÖ-Wien sowie an der RLB NÖ-Wien ändert sich durch die Transaktion nichts. Die Holding steht mehrheitlich im Eigentum der Niederösterreichischen Raiffeisenbanken (80 Prozent), weitere 8 Prozent werden von den Niederösterreichischen Lagerhäusern gehalten. Die übrigen 12 Prozent verteilen sich auf "Sonstige Eigentümer".

"Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ändert sich nichts", so Hauer weiter. Es sei auch kein Abbau vorgesehen. Der Aufsichtsrat der RLB wird indessen um mehrere Vertreter aus der Holding erweitert.

Ziel ist Vereinfachung der Konzernstruktur

Ziel der Zusammenlegung ist den Angaben zufolge eine Vereinfachung der historisch gewachsenen Konzernstruktur. Beispielsweise reduziert sich laut Hameseder durch die Neustrukturierung die Zahl der Steuergremien von fünf auf drei. Die Steuerung der Beteiligungen soll dadurch in Zukunft effizienter gestaltet werden. Zudem erwartet man sich von der Bündelung der operativen Geschäftsaktivitäten eine weitere Stärkung der Positionierung der RLB NÖ-Wien am Kapitalmarkt.

Für die Umsetzung der geplanten Abspaltung sind noch mehrere formale Schritte notwendig. Dem nun gefassten Grundsatzbeschluss muss noch die Generalversammlung der RH NÖ-Wien zustimmen, die für September 2026 angedacht ist. Außerdem sind noch behördliche und aufsichtsrechtliche Genehmigungen notwendig, wozu insbesondere die Genehmigung der Spaltung durch die Europäische Zentralbank (EZB) zählt.

Nach der Umsetzung erfolgt die Übertragung der Beteiligungen an die RLB rückwirkend ab dem 1.1.2026.