"Österreich-Tarif" steigt ab dem zweiten Jahr kräftig © APA - Austria Presse Agentur
Der Verbund hebt die Strompreise für Neukunden an. Für den "Österreich-Tarif" verlangt der Konzern im ersten Vertragsjahr statt bisher netto 9,5 Cent ab sofort 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ab dem zweiten Vertragsjahr klettert der Preis dann von 12,5 auf 15 Cent pro kWh. Für Bestandskunden bleibt der Tarif unverändert, kündigte das teilstaatliche Unternehmen am Donnerstag an. Bei EVN, der Energie AG Oberösterreich und Energie Steiermark gibt es vorerst keine Erhöhungen.
Begründet wird der Schritt beim Verbund mit schwierigen Marktbedingungen. "Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen - insbesondere der Konflikt im Nahen Osten - und ihre Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte machen Preiserhöhungen notwendig", hieß es in einer Aussendung.
Verbund-CEO Michael Strugl hatte im Jänner den "Österreich-Tarif" für unter 10 Cent netto pro kWh angekündigt, was von Kanzler Christian Stocker (ÖVP) als "großer Schritt" hin zu "günstigen Energiepreisen" gesehen wurde. Auch andere Regierungsmitglieder begrüßten die damalige Ankündigung. Eingeführt wurde der "Österreich-Tarif" (V-Strom Österreich) dann im Februar mit Gültigkeit ab 1. März. Es handelt sich um ein Fixpreis-Angebot mit einem rabattierten Arbeitspreis (ab sofort 10 Cent pro Kilowattstunde netto bzw. 12 Cent inklusive Umsatzsteuer) im ersten Jahr und einem monatlichen Grundpreis von nunmehr 4,20 Euro ohne Steuern. Im zweiten Jahr bleibt der Grundpreis im neuen Tarif unverändert.
Vorerst keine Erhöhungen bei weiteren Energieversorgern
Vom niederösterreichischen Energieversorger EVN kamen am Donnerstag keine Signale in Richtung einer Preiserhöhung. "Unser Optima Garant Sonne bleibt unverändert", teilte Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der EVN KG, auf APA-Anfrage mit. Der Tarif wird seit 1. April angeboten und liegt im Durchschnitt bei rund 10 Cent netto pro Kilowattstunde.
Auch die Energie AG Oberösterreich plant derzeit keine Preiserhöhungen. Man beobachte die Märkte genau und sehe, dass die Beschaffungspreise nach oben gehen, vorerst bleibe bei den Tarifen aber alles gleich, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Unternehmen.
Die Energie Steiermark hat erst im Juni den Strompreis um rund 17 Prozent gesenkt und auch eine Garantie für diesen Preis für die Dauer eines Jahres abgegeben. Daher wolle der steirische Landesenergieversorger trotz der gestiegenen Bezugskosten am Markt auch an dieser Garantie bis zumindest Mai 2027 festhalten, so das Unternehmen gegenüber der APA.
Netto-Strompreis rund ein Drittel der Gesamtrechnung
Der Netto-Strompreis macht rund ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus und kann vom Kunden selbst gewählt - und durch Preisvergleiche gesenkt - werden. Die restlichen zwei Drittel entfallen auf Netzkosten und Steuern und Abgaben und hängen vom jeweiligen Netzgebiet und Wohnort ab.
2022 hatte die Gaskrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auch auf den Strommarkt durchgeschlagen. Kostete Strom in Österreich davor während der Corona-Pandemie oft nur fünf bis sieben Cent netto pro Kilowattstunde, stiegen die Preise am Höhepunkt der Energiekrise auf teils über 30 Cent und für Neukunden sogar auf über 40 Cent. Der Verbund senkte für Bestandskunden Mitte 2023 von 23,9 auf 19,7 Cent und Mitte 2024 weiter auf 15,6 Cent.