Der Börsechef monierte einmal mehr den mangelnden Kapitalmarktausbau © APA - Austria Presse Agentur
Die Wiener Börse hat 2025 sowohl Umsatz als auch Gewinn erneut gesteigert. Die Konzern-Umsatzerlöse kletterten von 81,8 Mio. Euro auf 90,1 Mio. Euro nach oben, das Ergebnis vor Steuern stieg von 50,1 Mio. auf 53,4 Mio. Euro an. Getrieben vom internationalen Umfeld gab es auch bei den Aktienumsätzen eine klare Steigerung von 74 auf 84 Mrd. Euro. Börsenchef Christoph Boschan monierte dennoch einmal mehr fehlende Maßnahmen für den Ausbau des heimischen Kapitalmarkts.
"Es braucht große nationale Kapitalsammelstellen", so Boschan am Montag bei einer Pressekonferenz. Während es in vielen anderen Ländern Europas große Staatsfonds oder andere Maßnahmen gebe, um mehr privates Kapital in den Markt zu bringen, herrsche in Österreich weiterhin großteils Stillstand. In Bezug auf den Ausbau der zweiten, betrieblichen Pensionssäule habe die Politik zwar einen ersten Schritt gesetzt, es brauche aber ein "Auto-Enrollment", also eine automatische Anmeldung, für die betriebliche Vorsorge. Das sei auch in anderen Ländern üblich und für den Erfolg des Modells entscheidend. Als Vorbilder bei der Kapitalmarktaktivierung für das Pensionssystem sieht Boschan vor allem nordische Länder wie Schweden, Norwegen oder Dänemark an.
Darüber hinaus müsse die private Vorsorge mit einer Befreiung von Wertpapiererträgen von der Kapitalertragsteuer (KESt) bei gleichzeitiger Behaltefrist stärker unterstützt werden. Die Zahl der Wertpapierbesitzer in Österreich steige zwar - laut Aktienbarometer 2026 hielten 31 Prozent der 2.000 Befragten in Österreich Wertpapiere - die Zahl alleine sage aber nichts über die Höhe des Kapitals aus, das angelegt werde. Es zeige lediglich ein steigendes Interesse der Menschen am Aktienmarkt, so Boschan.
Aufholpotenzial bei Marktkapitalisierung
Dass es der Wiener Börse an Kapital mangle und sie hier Nachholbedarf habe, zeige sich auch an der Marktkapitalisierung am Aktienmarkt im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). In Österreich lag die Marktkapitalisierung laut Daten der Weltbank 2024 bei 23,2 Prozent, in den USA oder in der Schweiz sind es dagegen über 200 Prozent, Deutschland liegt bei 43,9 Prozent.
Dem Unternehmen Wiener Börse gehe es indessen gut. Nach den Steigerungen im Vorjahr rechnet der Börsenchef für heuer mit einer Fortsetzung des Wachstumspfads. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Gestützt werde das Unternehmen jedenfalls durch seine Diversifikation. Die Wiener Börse ist mit rund 31.500 Primärlistings vor allem im Anleihen-Bereich stark. Neben dem Geschäft mit Handel und Listing (Umsatzanteil: 40,2 Prozent) ist die Wiener Börse unter anderem auch im Verkauf von Marktdaten (22 Prozent) und im Verwahrgeschäft in Tschechien (29,5 Prozent) tätig. IT-Services machen 7,4 Prozent der Erträge aus. Alle Bereiche haben laut Boschan zum Umsatzwachstum im Vorjahr beigetragen.