++ ARCHIVBILD ++ Stark gestiegener Ölpreis unterbrach konjunkturelle Erholung © APA - Austria Presse Agentur

Die heimische Wirtschaftsleistung stagnierte im zweiten Quartal. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Schnellschätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). Der durch den Iran-Krieg deutlich gestiegene Erdölpreis habe die österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal belastet und dadurch die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Die Konjunkturprognose für 2026 bleibt laut den Wirtschaftsforschern aber aufrecht.

Ersten Berechnungen des Wifo zufolge lag das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) real im zweiten Quartal in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges sei die Industriekonjunktur im Quartal schwach verlaufen. Die Bauwirtschaft verzeichnete laut Wifo erneut einen Rückgang der Wertschöpfung. Im Bereich Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie habe es einen leichten Zuwachs gegeben. In der Eurozone hat das BIP im zweiten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt, wie Eurostat am Donnerstag laut einer ersten Schätzung mitteilte.

Wifo-Experte: Kein Grund, Konjunkturprognose zu ändern

Wifo-Konjunkturforscher Marcus Scheiblecker zeigte sich von den Ergebnissen der Schnellschätzung für Österreich nicht überrascht. Man habe aufgrund des Iran-Kriegs und des Ölpreisanstiegs mit einem schwachen zweiten Quartal gerechnet. Für das Gesamtjahr erwartet das Wifo weiterhin ein Wirtschaftswachstum in Österreich von 0,9 Prozent. "Wir sehen derzeit keinen Grund, unsere Prognose zu ändern", sagte Scheiblecker zur APA. Im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 wuchs Österreichs Wirtschaftsleistung um jeweils real 0,2 Prozent gegenüber der Vorperiode.

Auch die Nationalbank (OeNB) hat mit der aktuellen BIP-Entwicklung gerechnet. "Die Wifo-Schnellschätzung bestätigt die OeNB-Prognose vom Juni", hieß es von OeNB-Chefökonom Wolf Heinrich Reuter in einer Aussendung. Eine genauere Beurteilung der Konjunkturentwicklung für Österreich im ersten Halbjahr sei aber erst mit den vollständigen Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) Anfang September möglich, so der OeNB-Chefökonom.

Angesichts der neuen BIP-Schätzung kritisierte FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm die Wirtschaftspolitik der Regierung. Kolm forderte "eine Entlastung statt immer neuer Belastungen für Betriebe".