Bau sollte aus Rezession kommen - Gesamtwachstum bleibt aber gering © APA - Austria Presse Agentur
Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat am Donnerstag seine neueste Mittelfristprognose bis ins Jahr 2030 präsentiert. Per anno ist demnach lediglich mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich einem Prozent zu rechnen. Die Prognose ist wegen der volatilen Weltlage zudem mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Immerhin dürfte der Bau die Rezession hinter sich lassen und auch die Exporte sollten nach Rückgängen wieder anziehen. Die Inflation dürfte auch sinken.
Für heuer rechnet das IHS aber noch mit einer Teuerung von 3 Prozent. Ab 2028 sollte dann hierzulande das EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent erreicht werden. Im Durchschnitt bis 2030 rechnet das Institut mit einer Zunahme der Verbraucherpreise von 2,3 Prozent pro Jahr.
Weiterhin schwächt die demografische Entwicklung das Arbeitskräfteangebot - Stichwort: Fachkräftemangel. Gepaart mit einem moderaten Beschäftigungswachstum sollte die Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent heuer bis 2030 auf 6,4 Prozent zurückgehen. Die Beschäftigung dürfte um 0,6 Prozent pro Jahr zulegen.
Das IHS geht davon aus, dass Verwerfungen des Iran-Kriegs rasch überwindbar seien, baut in der Prognose aber auf keine weitere Eskalation, die sich aufgrund der Entwicklung der vergangenen Tage allerdings zumindest befürchten lässt. Das erwartete Wirtschaftswachstum von durchschnittlich je einem Prozent pro Jahr bis 2030 ist trotzdem deutlich niedriger als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von 1,9 Prozent.
Bonin: "Wirtschaft mit angezogener Handbremse unterwegs"
"Die Wirtschaft ist auf absehbare Zeit mit angezogener Handbremse unterwegs", sagte IHS-Chef Holger Bonin bei der Präsentation der Prognose vor Journalistinnen und Journalisten in Wien. Er griff in diesem Zusammenhang auch zum Begriff "mickrig". Um die Handbremse zu lösen, müsse unter anderen Punkten das Arbeitskräftepotenzial etwa durch mehr Kinderbetreuung gesteigert werden. In diesem Zusammenhang gebe es auch bei der Weiterbildung großes Potenzial, das gelte vor allem für den digitalen Bereich. Es brauche hier aber einen Plan, der für Arbeitnehmende genauso wie für die Arbeitgebenden anzuwenden sei.
Zur Unsicherheit in Nahost und dem neuerlich gesteigerten Iran-Krieg der USA sagte Bonin weiters, dass sich gezeigt habe, dass die Wirtschaft auch gelernt habe, mit solchen Energiepreisschocks umzugehen. Entscheidend sei aber auch, wie lange solche Schocks anhielten. Denn je länger sie andauerten, desto tiefer fressen sie sich in andere Wirtschaftsbereiche hinein.
Konkrete Wachstumsausblicke bis 2030: plus 1,2 Prozent 2028 Höchstwert
Konkret geht das Institut von einem Wachstum heuer von 0,8 Prozent aus. 2027 rechnet es mit 1,0 Prozent. Für den Zeitraum von 2028 bis 2030 werden Zuwächse der Austro-Wirtschaftsleistung von 1,2 Prozent, 1,1 Prozent und 1,0 Prozent prognostiziert. Damit expandiert die österreichische Wirtschaft im Prognosezeitraum annähernd so stark wie der Euroraum.
Auf die Frage, was denn die Lichtblicke in der österreichischen Ökonomie seien, die für Wachstumsimpulse sorgen können, sagte Bonin, dass man die heimische "Wettbewerbsfähigkeit nicht kleinreden" brauche. Auch in schwächelnden Bereichen gebe es einzelne Firmen, die erfolgreich seien. Das gelte etwa für die Autozulieferbranche. Insgesamt gebe es mehrere Sektoren, in denen Österreich international Marktanteile gewinne. Dazu zählen Holz- und Kraftwerkstechnologien oder die Eisenbahnindustrie. Auch die direkte Konkurrenz von China strahle auf Österreich weniger stark aus als auf andere Volkswirtschaften wie jener Deutschlands.
Internationale Prognosen und Austro-Exporte
Das Wachstum wichtiger Volkswirtschaften übersteigt jenes Österreichs, auch die Eurozone dürfte mit 1,1 Prozent minimal stärker wachsen. Die Weltwirtschaft dürfte um durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr wachsen. Ausgangsbasis ist aber auch hier, dass der Iran-Krieg nicht eskaliert und sich so die Situation bei den Energiepreisen entspannt. Die Wirtschaft der größten Volkswirtschaft der Erde, der USA, soll bis 2030 dann durchschnittlich um 1,8 Prozent wachsen, jene des Verfolgers China um 3,9 Prozent.
Die heimischen Exporte verzeichneten in den beiden vergangenen Jahren wegen kräftig gestiegener Energie- und Lohnstückkosten deutliche Marktanteilsverluste. "Mit produktivitätsorientierten Lohnabschlüssen in der Industrie dürfte sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte jedoch nicht weiter verschlechtern", so Bonin. Die Warenexporte werden laut Prognose um 1,9 Prozent pro Jahr zulegen. Bei den Gesamtexporten von Waren und Dienstleistungen wird der Zuwachs voraussichtlich 2 Prozent betragen. Mit 1,9 Prozent pro Jahr dürften die Gesamtimporte nur geringfügig langsamer als die Exporte expandieren, sodass von der Außenwirtschaft insgesamt ein annähernd neutraler Wachstumsbeitrag ausgeht.
Stimmen aus der Wirtschaftskammer
"Was es jetzt braucht, sind gezielte Impulse aus wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die den Unternehmen Sicherheit geben und so die Investitionsbereitschaft steigern", forderte Claudia Huber, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ), in einer Aussendung. "Auf die gerade erfolgte Lohnnebenkostensenkung müssen dringend weitere Entlastungsschritte folgen. Neben niedrigen Arbeits- und Energiekosten steht der konsequente Abbau bürokratischer Belastungen im Fokus", so WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger.