Bundeswirtschaftskammer auf der Wiener Wieden © APA - Austria Presse Agentur
Angesichts der Ankündigung der WKÖ-Präsidentin Martha Schultz vom Dienstag, im Zuge ihrer Sparvorhaben in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) 200 von 800 Jobs zu streichen, haben Freiheitliche, Grüne und auch Liberale (Unos) das Vorgehen goutiert, sehen aber nur einen ersten Schritt. Zudem müssten die Länderkammern dem Beispiel folgen. Unterdessen hieß es vom WKÖ-Betriebsrat, dass man den Rahmen für den angekündigten Sozialplan bisher gar nicht kennt.
Die Betriebsräte wurden am Montag informiert, am Dienstag ging die WKÖ an die Öffentlichkeit. Am heutigen Mittwochvormittag gab es eine Betriebsversammlung in der Bundeskammer auf der Wiener Wieden. Die Stimmung war "äußerst gedrückt", sagte der Obmann des Konzernbetriebsrats der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Andreas Taust, im Gespräch mit der APA. Schon im zweiten Halbjahr wird mit dem Stellenabbau begonnen. Versprochen wurde ein sozial verträgliches Vorgehen. Doch der Betriebsrat kennt bisher laut Taust allerdings keinen Sozialplan.
"Menschliche Katastrophe"
Von der WKÖ hatte es geheißen, sie wolle ihren Betriebsrat einbinden, um einen gemeinsamen Sozialplan zu erarbeiten. Zustimmen muss dieser in der Kammer laut APA-Informationen schlussendlich aber nicht. Der Stellenabbau soll im Sommer starten und Ende 2027 abgeschlossen sein. "In den Reformprozess sind wir nicht eingebunden", sagte Taust. Man suche das Gespräch mit der Kammerspitze, um eine sachliche und rechtliche Bewertung des Stellenabbauplans vorzunehmen, sagte Taust. Er hofft, dass dies nächste Woche möglich werde. "Wir sind bemüht, einen aktiven Beitrag zur Sozialverträglichkeit zu leisten."
Noch sei zudem "gar nicht einschätzbar, wer betroffen ist" vom Stellenabbau, sagte der Betriebsrat. "Es ist eine menschliche Katastrophe."
"Alternativlos"
WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger, wie Schultz vom ÖVP-Wirtschaftsbund, bezeichnete die Entscheidung gegenüber der APA als "alternativlos. Wir müssen schlanker, sparsamer und stärker werden", verwies er auf Schultz' Vorgaben. "Das gelingt nicht mit dem Drehen an ein paar kleinen Schrauben. Dafür braucht es eine gesamte Neuaufstellung durch strukturelle Veränderungen." Diese Veränderungen müssten sich an den Bedürfnissen der Betriebe orientieren.
"Auf jeden Fall angemessen"
Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer, sagte zu Ö1, dass der Mitarbeiterabbau auf "jeden Fall angemessen" sei. "Ohne dem geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen."
Die WKÖ hat österreichweit laut Grünen aktuellen Voranschlägen zufolge Gesamteinnahmen von über 1,3 Mrd. Euro, mehr als 1.000 Gremien, über 12.000 Funktionärinnen und Funktionäre sowie bisher mehr als 5.500 Mitarbeitende. Die Grüne Vorsitzende, Sabine Jungwirth, fordert unter anderen Punkten "eine massive Verschlankung durch das Zusammenführen der zehnfachen Strukturen bei den Fachorganisationen und Branchengremien". Man habe dabei ein Kostenreduktionspotenzial von 175 Mio. Euro identifiziert.
"Gesamte Organisation betrachten"
"Wer von einer schlankeren und effizienteren Wirtschaftskammer spricht, muss die gesamte Organisation betrachten", fordert der Bundessprecher der liberalen Unos (Neos) Michael Bernhard. "Gerade in den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre." Also seien nun die Landeskammern gefordert, "ebenfalls jeden vierten Arbeitsplatz sozial verträglich bis Ende 2027 einzusparen".
Länderkammern wollen ohne Kündigungen sparen
Doch aus den Länderkammern in Salzburg, Vorarlberg und Burgenland hieß es am Mittwoch, sie würden bereits sparen. Kündigungen seien keine vorgesehen. Nachbesetzungen würden genau geprüft.