Vor 100 Jahren wurde die Zugspitzbahn in Betrieb genommen © APA - Austria Presse Agentur

Es war der 5. Juli 1926, als mit der Zugspitzbahn im Außerfern die erste Seilbahn Tirols hoch über den Köpfen der Menschen schwebte. Seither machte die Branche große Veränderungen durch. Die aktuell größte Herausforderung sei wohl der Klimawandel, sagte Reinhard Klier, Fachgruppenobmann der Seilbahnen in der Tiroler Wirtschaftskammer, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Tirol sei jedoch mittlerweile mit einer "fast flächendeckenden Beschneiung" gut aufgestellt.

Nur so könne in trockenen Wintern - wie heuer - "eine gute Wintersaison" ermöglicht werden, räumte der Seilbahner ein. Bei den Beschneiungsanlagen befinde sich Tirol zudem "auf höchstem technischen Niveau". Die Erzeugung von Kunstschnee sei im Bundesland jedoch nicht überall möglich: "Für die Bürgermeisterlifte wird es wegen dem Klimawandel schwieriger", sprach Klier dorfnahe und von den Gemeinden selbst betriebene, kleine Liftanlagen an.

Insgesamt verfüge Tirol aber über "eine gesunde Seilbahnstruktur", bemerkte der Wirtschaftskammer-Funktionär. Auch wenn Skigebiete vereinzelt - wie etwa am Sattelberg - schließen mussten, sei die Zahl der Skigebiete seit Ende der 1990er-Jahren nahezu stabil.

Klier: Seilbahnen oftmals "plakative Projektionsfläche"

Er sei oftmals überrascht, wie "zugespitzt" die Diskussion über den Ausbau der Skigebiete geführt werde: "Wir haben nicht die großen Zuwachszahlen", hielt Klier fest. Veränderungen würden sich im Ein-Prozent-Bereich bewegen. Die Seilbahnen würden in öffentlichen Diskussionen oft "unsachlich" als "plakative Projektionsfläche" herangezogen, sah er seine Branche offenbar ins falsche Licht gerückt und "immer im Zentrum der Wahrnehmung". Dem wolle er mit einer offenen Diskussion begegnen.

Ein Thema, das oftmals in der Kritik stehe, sei der Preis. "Wir müssen die Preiserhöhungen aber weitergeben", meinte Franz Dengg, Geschäftsführer der Zugspitzbahn. Eine Fahrt mit einer Seilbahn sei noch nie billig gewesen. Bei der Eröffnung der Zugspitzbahn vor 100 Jahren habe eine Berg- und Talfahrt so viel gekostet wie eine Übernachtung in einem Vier-Sterne-Hotel, nannte Dengg ein Beispiel.

Die Zugspitzbahn werde auch heute noch vorwiegend für den Sommertourismus genützt. "Über 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir im Sommer", nannte der Geschäftsführer eine konkrete Zahl. Für die Branche insgesamt ist laut Klier jedoch der Winter ausschlaggebend, obwohl dies zu Beginn der Seilbahn-Geschichte vor 100 Jahren anders gewesen sei.

"Sommerfrischler" bevölkerten Seilbahnen

Damals seien die ersten Seilbahnen für die "klassischen Sommerfrischler" gebaut worden, blickte Fachgruppenobmann zurück. Skifahren sei damals noch "etwas Ausgefallenes" gewesen und man ging zu Fuß auf den Berg, um anschließend mit den Brettern ins Tal zu fahren. Im Jahr 1947 wurde in der Wildschönau im Tiroler Unterland schließlich der erste Sessellift eröffnet und "erste Versuche" mit Skifahrern gewagt.

In den 1960er- und 1970er-Jahren folgte dann eine regelrechte "Erschließungswelle des Tiroler Wintertourismus". Auch die Olympischen Winterspiele in Innsbruck in den Jahren 1964 und 1976 bezeichnete Klier als "große Ereignisse in der Entwicklung". Der Wintertourismus habe aber erst in den 1990er-Jahren den Sommertourismus "überholt". Heutzutage nehmen die Seilbahnen klimawandelbedingt wieder den Sommer vermehrt in den Fokus. Auch die Zwischensaisonen Herbst und Frühling werden wichtiger.

Seilbahnen mit 6,3 Mrd. Euro Umsatz als Wirtschaftsfaktor

In Tirol - insbesondere in den Tälern - stellen die Seilbahnen jedenfalls einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar. Rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden beschäftigt, der Bruttoumsatz durch die Seilbahnnutzerinnen und -nutzer liegt jährlich bei 6,3 Mrd. Euro. Ein Tagesgast lässt immerhin im Schnitt 228 Euro liegen, ein Nächtigungsgast sogar 304 Euro pro Tag, hieß es auf APA-Nachfrage. Die erwirtschaftete direkte Bruttowertschöpfung bei Seilbahnen lag zuletzt bei 585,5 Mio. Euro. Insgesamt mache der Tourismus 25 Prozent der gesamten regionalen Wertschöpfung aus, wurde betont.

Für die heurige Wintersaison gab man sich optimistisch. Auch wenn sie ob der aktuellen Trockenheit "durchwachsen" sei, erwarte Klier eine Saison auf "Vorjahresniveau". "Die Saison ist ja noch lang", meinte Tirols oberster Seilbahn-Vertreter abschließend.