Die Straße von Hormuz wird vom Iran nach wie vor blockiert © APA - Austria Presse Agentur

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist am Mittwoch wieder über 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Grund sind weitere, gegenseitige Angriffe von den USA und dem Iran rund um den wichtigen Öl-Transportweg durch die Straße von Hormuz. Der Preis für Erdgas stieg an der Börse in Amsterdam auf 78,50 Euro pro Megawattstunde (MWh) und liegt damit nur noch knapp unter der 80-Euro-Marke, so hoch wie nie seit Beginn des Iran-Kriegs. Nur 2022 war der Gaspreis noch höher.

Steigt der Rohölpreis, wird tendenziell das Tanken und das Heizen mit Öl und Gas teurer. Ein hoher Ölpreis beeinflusst auch die Preisentwicklung insgesamt, weil der Rohstoff ein wichtiger Kostenfaktor für die gesamte Wirtschaft ist. Ähnliches gilt für Erdgas, durch den Einsatz von Gaskraftwerken steigen zusätzlich auch die Strompreise.

Ruf nach Erneuerbaren-Ausbau

Die Energie-Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Elisabeth Zehetner (ÖVP), sieht die Lösung unter anderem darin, den Erneuerbaren-Ausbau zu forcieren, um weniger abhängig vom Import fossiler Energieträger zu sein. "Wir können solche Krisen nicht verhindern, aber wir können Österreich weniger abhängig und weniger verwundbar machen. Genau deshalb ist der Ausbau heimischer Energie nicht nur Klima-, sondern knallharte Wirtschafts- und Sicherheitspolitik."

Der Gewerkschaftsbund ÖGB erneuerte seine Forderung nach einem Eingriff in die Margen. "Es darf nicht sein, dass steigende Rohölpreise sofort und vollständig an die Konsument:innen weitergegeben werden, während Mineralölkonzerne erneut hohe Zusatzgewinne erzielen", sagte Angela Pfister, Leiterin des volkswirtschaftlichen Referats im ÖGB. Die Freiheitliche Wirtschaft forderte eine "echte Entlastung an der Zapfsäule", konkret eine deutliche Senkung der Mineralölsteuer, ein Ende der zusätzlichen CO2-Belastung auf Treibstoffe und einen steuerbegünstigten Gewerbediesel.

USA greifen iranische Tanker an

Der Kampf zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle in der Straße von Hormuz war in der Nacht aufs Neue eskaliert. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriffe auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker und versenkte einen davon.

Irans Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben umgehend mit "schweren Raketenangriffen" auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee 20 ballistische Raketen ab. Zudem griffen die Revolutionsgarden nach eigenen Angaben erneut mehrere Schiffe in der Region der Straße von Hormuz an.

Jahreshoch bei 126 Dollar

Zuletzt war der Brent-Preis Mitte Juli kurzzeitig über 100 Dollar (86,10 Euro) gestiegen. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde. Damals hatte der Beginn des Iran-Krieges durch die USA und Israel den Preis stark nach oben getrieben.

Die Straße von Hormuz hat sich im Verlauf des jüngsten Iran-Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für den Transport von Öl, Flüssigerdgas und Dünger bedeutende Meerenge noch immer weitestgehend.

Umkämpfte Lebensader der Weltwirtschaft

Die Straße von Hormuz zwischen Iran und Oman gilt als Lebensader der Weltwirtschaft. Sie ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. An der engsten Stelle ist die Schifffahrtsstraße rund 50 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen messen rund drei Kilometer.

Am Golf von Persien liegen bedeutende Ölförderländer, neben dem Iran Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Vor dem Krieg war die Seestraße für den Schiffsverkehr offen. Ein Fünftel der weltweiten Öltransporte passierte sie täglich.