Der Bau des Brennerbasistunnels ist bereits weit fortgeschritten © APA - Austria Presse Agentur
Ob der Zeitplan für das Mammutprojekt Brennerbasistunnel (BBT) erneut etwas nach hinten verschoben wird oder nicht, wird in nicht allzu ferner Zukunft feststehen. Man beabsichtige im Spätherbst des heurigen Jahres das angekündigte "aktualisierte Bauprogramm" vorzulegen, hieß es von der Basistunnelgesellschaft BBT SE am Donnerstag gegenüber der APA. Im Frühjahr war medial über eine Inbetriebnahme im Jahr 2034 spekuliert worden - statt wie bisher avisiert 2032.
Die Fertigstellung des Megaprojekts sollte indes nach den bisherigen Plänen im Jahr 2031 erfolgen. Gerüchte über ein Nach-hinten-Schieben waren zuletzt vor allem wegen der Abstimmungen in Bezug auf die bahntechnische Ausrüstung aufgekommen. Die BBT SE räumte im März ein, dass diese für "weniger zeitlichen Spielraum" sorgen. Dass eine Verzögerung de facto schon feststehe oder wahrscheinlich sei, bestätigte man jedoch nicht.
Man arbeite derzeit "intensiv an der weiteren Projektentwicklung und Optimierungen, vor allem im Bereich der Bahntechnik", hieß es am Donnerstag. Und die Projektverantwortlichen betonten den beträchtlichen Fortschritt bei dem Projekt: Mit 221 Kilometern seien bereits rund 96 Prozent des insgesamt etwa 230 Kilometer langen Tunnelsystems ausgebrochen worden. "Nächster großer Meilenstein" sei die Fertigstellung der zweiten Haupttunnelröhre. Die westliche Eisenbahntunnelröhre war bereits am 25. August auf ihrer gesamten Länge fertiggestellt worden. Auch die Oströhre werde voraussichtlich im Laufe des Herbstes durchgehend ausgebrochen sein. "Auf den rund 55 Kilometern fehlen derzeit nur noch knapp 1.000 Meter", verlautete man. Damit würden beide Haupttunnelröhren bis Ende des Jahres im Rohbau komplettiert sein.
Hanke wollte "klare Aussage"
Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) hatte sich unterdessen gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" (Donnerstagsausgabe) etwas ungeduldig gezeigt. Er höre auch ein "Flüstern" bezüglich einer möglichen Verzögerung, meinte Hanke. Es gebe aber keine definitiven Informationen. "Ich erwarte mir eine klare Aussage von Verantwortlichen in der Brennerbasistunnelgesellschaft", erklärte der Verkehrsminister. Dass man die Erfahrungen aus aktuellen Tunnelbauten wie dem Koralm- oder Gotthardtunnel berücksichtige, halte er indes "für richtig und notwendig."
Der seit 2007 im Bau befindliche Brennerbasistunnel ist ein reiner Zugtunnel mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern, der zwischen der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck und dem Südtiroler Franzensfeste in Italien - hier auf 55 Kilometern - verläuft. Er gilt als Kernelement der neuen Bahnverbindung von München nach Verona. Nach der Fertigstellung wird der für Güter- und Personenzüge vorgesehene Tunnel laut ÖBB die "längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt" sein. Güterzüge sollen mit bis zu 160 km/h und Personenzüge mit bis zu 250 km/h durch den Tunnel fahren können. Die Strecke soll somit in 25 statt 80 Minuten bewältigt werden können. Als Gesamtprojektkosten wurden 10,5 Mrd. Euro veranschlagt.