Der Gaspreis hat sich seit Jahresbeginn verdreifacht © APA - Austria Presse Agentur

Was die Versorgung mit Gas anbelangt, sind Österreich und Europa gut aufgestellt, die Preissituation ist derzeit allerdings beunruhigend. So lautet die Einschätzung von Alfons Haber, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, im Gespräch mit der APA. Die Preise für Gas hätten sich seit Jahresbeginn etwa verdreifacht. Sie lagen zuletzt bei rund 100 Euro je Megawattstunde (MWh) und damit so hoch wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr.

In Sachen Gaseinspeicherung sei Österreich sehr gut unterwegs, sagte Haber, auch wenn die Befüllung mit derzeit rund 66 Prozent unter dem Vergleichswert der Vorjahre liegt. Aufgrund der verhältnismäßig großen Speicherkapazitäten entspreche die aktuell gespeicherte Menge rund 84 Prozent des österreichischen Jahresverbrauchs. Etwas anders zeigt sich die Lage in Gesamt-Europa. Hier seien die Speicher zu rund 74 Prozent befüllt, was rund 24 Prozent des europäischen Jahresverbrauchs entspreche. Deutschland hat sein Einspeicher-Ziel für November kürzlich verfehlt, hier liegt der Speicherfüllstand aktuell bei rund 61 Prozent, was knapp 17 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs entspricht, zeigt auch die AGSI-Datenbank von Gas Infrastructure Europe (GIE).

Gaspreise im Aufwärtstrend

"Man sieht jetzt schon, dass Deutschland die Bestrebungen hat, seine Speicherfüllmengen zu erhöhen", sagte Haber. Das wirke sich aufgrund der höheren Nachfrage auch auf die Gaspreise aus. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass die Preise derzeit weltweit höher liegen, unter anderem aufgrund einer höheren Nachfrage aus Asien und der geopolitischen Lage.

Obwohl die Gaspreise seit 2022 nicht mehr so hoch waren, wie sie es aktuell sind, ist die Lage heute weniger angespannt als damals. "Das liegt auch an der Verfügbarkeit des Gases", sagte Haber. Demnach sei der Anteil von Pipeline-Gas aus Russland damals noch bei rund 40 Prozent gelegen. "Pipeline-Gas zu ersetzen ist nicht so leicht", so der E-Control-Vorstand. Seit 2022 wurden daher Terminals für Flüssiggas (LNG) in Europa massiv ausgebaut, gleichzeitig sei die Verfügbarkeit von LNG auf dem Weltmarkt gestiegen. Die Preissituation sei "natürlich trotzdem beunruhigend", aber die Verfügbarkeit und damit die Versorgungssicherheit habe sich seit 2022 wesentlich verbessert.

Wie sich die Gaspreise weiter entwickeln, hänge von der geopolitischen Lage ab. Zu Beginn des heurigen Jahres hatten sich die Preise trotz des höheren Anteils an teurerem LNG wieder auf einem stabilen Niveau von rund 30 Euro/MWh bewegt, vor dem russischen Angriff auf die Ukraine lagen die Preise bei etwa 20 Euro/MWh. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs befinden sich die Preise im Steigflug, zuletzt kostete die Megawattstunde rund 100 Euro. Aus derzeitiger Sicht dürften die Preise auch 2027 und 2028 noch auf einem höheren Niveau liegen.

Haushalte sollten Vertrag mit Preisgarantie abschließen

Für Haushaltskunden könnten die Preise laut Haber kommendes Jahr steigen. Auch hier seien die weiteren geopolitischen Entwicklungen ausschlaggebend und die konkrete Preisentwicklung daher schwer einschätzbar. Aktuell gebe es am Markt noch Anbieter mit verhältnismäßig günstigen Preisen. "Wenn man als Haushaltskunde einen Vertrag abschließen will, ist es sicherlich besser, das jetzt zu tun und nicht erst im Jänner oder Februar", sagte Haber. Der E-Control-Vorstand empfiehlt dabei, Preise zu vergleichen und sich eine Preisgarantie zu sichern.