Die Europäische Union hat einen weiteren Schritt zum Abschluss des Freihandelsabkommens mit Indien unternommen. Die EU-Kommission legte dem Rat der EU-Länder ihre "Vorschläge für die Unterzeichnung und den Abschluss des Handelsabkommens zwischen der EU und Indien" vor, wie sie am Freitag mitteilte. Es handle sich um "das größte Handelsabkommen, das je von beiden Seiten abgeschlossen wurde", sagte ein Kommissionssprecher.

Sobald das Abkommen in Kraft getreten sei, werde es "den Zugang zum indischen Markt verbessern, Zölle senken, unnötige Handelshemmnisse beseitigen". Zudem sorge das Abkommen "für verlässlichere Regeln im Handel und bei Investitionen", sagte der Sprecher.

Indien ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die EU will sich einen Zugang zu dem Exportmarkt sichern. Umgekehrt ist die Union bereits Indiens größter Handelspartner. Laut Kommission hat das Handelsvolumen zwischen der EU und Indien einen Wert von mehr als 180 Mrd. Euro pro Jahr.

Mit dem Abkommen werden demnach die Zölle auf 96 Prozent der EU-Warenausfuhren nach Indien abgeschafft oder gesenkt. Insgesamt werden durch die Zollsenkungen jährlich rund vier Mrd. Euro an Zöllen auf europäische Produkte eingespart, heißt es in der Mitteilung der Kommission.

Einigung heuer im Jänner

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi hatten sich heuer im Jänner auf das Abkommen geeinigt. Danach wurde es von der Kommission rechtlich geprüft und in alle offiziellen Sprachen der EU übersetzt.

Sobald der Rat dem jetzt vorgelegten Vorschlag der Kommission zugestimmt hat, können die EU und Indien das Abkommen unterzeichnen. Im Anschluss bedarf es noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments und eines Beschlusses des Rates über den Abschluss. Wenn Indien das Abkommen ebenfalls ratifiziert hat, kann es in Kraft treten.

EU-Mercosur-Pakt bereits in vorläufiger Anwendung

Angesichts von Handelsstreitigkeiten mit China und der unberechenbaren Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump bemüht die EU sich um alternative Handelspartner. Das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist seit Anfang Mai vorläufig in Kraft. Verhandlungen mit anderen Ländern laufen.

(APA)