Eurogruppen-Chef sieht dunkle Wolken über Europas Wirtschaft © APA - Austria Presse Agentur
Der Eurogruppenpräsident Kyriakos Pierrakakis warnt vor einer Verschärfung der Wirtschaftskrise in Europa, je länger der Iran-Krieg andauert und die Straße von Hormuz geschlossen bleibt. Man sei sich sehr bewusst, dass "Juni schlimmer sein wird als der Mai, Juli schlimmer als Juni", sagte Pierrakakis am Rande eines Treffens mit den Finanzministern in Eurogruppe in Zyperns Hauptstadt Nikosia. "Wir beobachten die Situation genau."
Man haben gesehen, was an den Anleihemärkten geschieht und welche Instabilität dort herrscht, so Pierrakakis weiter. "Wir versuchen dabei, ein Gleichgewicht zu finden: Einerseits müssen wir unsere Bürgerinnen und Bürger, unsere Gesellschaften und insbesondere die Schwächsten unterstützen. Andererseits dürfen wir nicht zulassen, dass sich diese Energiekrise zu einer Fiskalkrise ausweitet."
Marterbauer verweist für Lösung im Nahostkonflikt auf die USA
Die Unsicherheit sei sehr hoch aufgrund der internationalen Energiekrise, erklärte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) vor dem Treffen. "Wir hoffen noch immer, dass das Problem im Mittleren Osten rasch gelöst werden kann", sagte er, aber das liege an den USA und den handelnden Personen, nicht an Europa. "Die Schlussfolgerung ist, dass Europa stärker werden muss, dass wir unabhängiger werden müssen von fossilen Energiequellen, so rasch wie möglich, und uns auf Europa konzentrieren müssen", forderte er. Gerade für ein kleines Land wie Österreich seientscheidend: "Je besser es Europa geht, je stärker Europa ist, desto besser für uns."
"Stagflationärer Druck"
Seit die für den Welthandel wichtige Straße von Hormuz faktisch gesperrt ist, sind die Rohölpreise nach oben geschnellt. Hohe Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher. Es gebe einen stagflationären Druck, aber Europa sei widerstandsfähig und habe bereits begonnen, auf die Krise zu reagieren, sagte Pierrakakis. Mit Stagflation wird eine Wirtschaftsflaute bei zugleich deutlich steigenden Preisen bezeichnet.
In ihrer am Donnerstag vorgestellten Konjunkturprognose senkte die EU-Kommission ihre Wachstumserwartungen von 1,4 Prozent auf 1,1 Prozent. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde sie auf 0,9 Prozent reduziert, Österreich und Deutschland traut sie nur noch ein Mini-Wachstum zu: Die Brüsseler Behörde rechnet für beide Länder mit lediglich 0,6 Prozent Plus im laufenden Jahr.
Die Prognose bestätige, dass "die durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöste Energiekrise einen stagflationären Schock für die europäischen Volkswirtschaften auslöst. Wir sehen uns also mit einem langsameren Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig höherer Inflation konfrontiert", so auch EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis. Die Wirtschaft der EU und der Eurozone erweise sich aber gegenüber diesem Schock als "widerstandsfähig", und zwar "zu einem großen Teil dank der vielen Maßnahmen, die bereits seit der letzten Energiekrise im Jahr 2022 ergriffen wurden", wie eine diversifizierte Energieversorgung.