Heimische Unternehmen investieren vor allem in Asien und Osteruropa © APA - Austria Presse Agentur
Der Wettbewerbsdruck für die österreichische Industrie macht Investitionen im Ausland wichtiger. Für die kommenden fünf Jahre planen große Industrieunternehmen nur ein knappes Fünftel (18 Prozent) ihrer Investitionsausgaben für Österreich ein, der Rest geht ins Ausland, geht aus einer Befragung des Managementberaters Horváth hervor. Vor allem in Osteuropa und Asien wird investiert, einen großen Investitionsschub in den USA wegen der US-Zollpolitik sehen die Berater nicht.
Mit 30 Prozent wird der größte Investitionsanteil für die kommenden fünf Jahre für Asien allokiert, für Osteuropa planen die Unternehmen 20 Prozent ihrer Investitionsausgaben (Capital Expenditure/CAPEX) ein. Gründe für eine Verschiebung von Ressourcen in diese Regionen sind laut der Analyse niedrigere Lohnkosten, weniger Bürokratie, lokale Förderungen oder eine generell freundlichere Einstellung gegenüber der Wirtschaft. In die USA sollen 15 Prozent der Investitionsausgaben fließen, weitere 13 Prozent nach West- und Südeuropa.
Der Berater hat im Zeitraum von März bis Mai 2025 im Rahmen einer internationalen Studie 89 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder großer österreichischer Unternehmen in qualitativen Interviews befragt. 80 Prozent der untersuchten Unternehmen erwirtschaften mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz, produzierende Betriebe machen die Mehrheit der befragten Firmen aus. Weltweit wurden über 1.000 Personen aus dem Management großer Unternehmen in 34 Ländern befragt.
Zolldrohungen ändern langfristige Firmenstrategien nicht
"Kurzfristige und unsichere Signale wie Zoll-Androhungen erschüttern die langfristigen Standortstrategien noch nicht", sagte Christoph Kopp, Industrie-Experte und Partner bei Horváth. Firmen, die in den USA aufbauen würden oder Investitionen dorthin verlagern würden, seien oft schon länger in den USA und hätten dies auch schon vorher getan. Die neuen US-Zölle bzw. deren Vermeidung seien kein ausschlaggebender Faktor gewesen. "Das generelle Marktpotenzial, eine stabile Lieferkette, der Inflation Reduction Act und deutlich weniger Bürokratie kombiniert mit einem wirtschaftsfreundlichen Umfeld waren und sind deutlich stärkere Anreize für die Industrie, in den USA eigene Standorte aufzubauen", so Kopp.
An sich habe die US-Zollpolitik aber wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung der Firmen. Umsatzrückgänge seien bisher allerdings gut abgefedert worden bzw. seien höhere Preise an Kunden weitergegeben worden - vor allem von Unternehmen, die weltweit aufgestellt sind bzw. Nischenpositionen füllen.
Streben nach geringeren Kosten
Innerhalb von Europa gebe es indessen die Tendenz heimischer Firmen, Produktionsschritte nach Ost- und Südeuropa zu verlagern, wo das Lohnniveau niedriger sei. "Aktuell sehen wir eine richtiggehende Renaissance von Produktionsverlagerungen und Shared Service Center Aktivitäten" sagte Kopp. Zudem sehen die Berater einen Trend hin zu einer Regionalisierung der Wertschöpfung, also die Waren in derselben Weltregion zu produzieren, wo man sie auch verkauft.
In der allgemeinen Unternehmensstrategie sei Optimierung der Kostenstruktur für die in Österreich befragten Top-Manager aktuell die oberste Priorität. Von großer strategischer Bedeutung seien auch Cybersicherheit, Forschung und Entwicklung sowie die digitale Transformation. Auch Nachhaltigkeit bleibe hierzulande wichtig, während der Faktor international an strategischer Bedeutung verliere.