Ardo will Werk in Groß-Enzersdorf 2027 schließen © APA - Austria Presse Agentur
Nach der Ankündigung von Ardo, sein Werk in Groß-Enzersdorf 2027 zu schließen, finden diese Woche Gespräche statt. "Die Gemüseproduktion im Marchfeld muss erhalten bleiben", erklärte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, am Montag: "Wir erwarten von der Ardo-Konzernleitung Kooperation statt Mauern." Ziel müsse sein, "die Verarbeitung von heimischem Tiefkühlgemüse auch künftig in Österreich zu ermöglichen", so ÖVP-Landesvize Stephan Pernkopf.
"Wer über Jahrzehnte Teil dieser Wertschöpfungskette war, trägt auch Verantwortung dafür, was danach kommt", teilte Mayr am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme mit. "Es darf nicht passieren, dass mit der Schließung Strukturen für Verarbeitung und Absatz verloren gehen, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden und für die Zukunft der Gemüseproduktion im Marchfeld notwendig sind." Nun müssten "alle Möglichkeiten auf den Tisch, um neue Perspektiven zu schaffen", hier sei auch Ardo gefordert, "konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten".
"Zentrale Frage der Versorgungssicherheit"
"Die angekündigte Werksschließung von Ardo gefährdet nicht nur 500 bäuerliche Betriebe, sondern auch die Versorgung mit heimischem Gemüse. Es braucht deshalb rasche Klarheit von Seiten des Konzerns, was geplant ist", erklärte Landeshauptfrau-Stellvertreter Pernkopf am Montag in einem schriftlichen Statement. "Niemand will, dass die heimische Gemüseproduktion zugesperrt wird und dafür verstärkt Gemüse aus dem Ausland nach Österreich importiert wird."
Markus Wieser, Präsident von Arbeiterkammer Niederösterreich und ÖGB Niederösterreich, forderte in einer Aussendung, dass alles getan werden müsse, um die Produktion fortzuführen: "Es geht hier um eine zentrale Frage der Versorgungssicherheit." Alle Beteiligten müssten nun "zielführende Optionen ausloten, um die Produktion fortzuführen".
Ardo "immer gesprächsbereit"
Die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) warnte erneut vor den Folgen der Schließung. "Mit Ardo verliert Österreich den größten heimischen Produzenten von Tiefkühlgemüse", betonte PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder. Neben dem Verlust von rund 240 Arbeitsplätzen sieht die Gewerkschaft die heimische Lebensmittelversorgung gefährdet. Die Politik müsse "alles daransetzen, Produktion, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung im Land zu halten", so Binder.
"Ardo ist immer gesprächsbereit", sagte ein Sprecher des Unternehmens auf APA-Anfrage. Termine "mit den relevanten Stakeholdern" werden seinen Angaben zufolge in dieser Woche stattfinden.
"Zweiter schwerer Schlag" für Bauern im Marchfeld
Das angekündigte Aus für das Ardo-Werk sei nach der Schließung der Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf "der zweite schwere Schlag für unsere Bauern im Marchfeld" und "ein Desaster" für Mitarbeiter und Landwirte, teilte FPÖ-Niederösterreich-Wirtschaftssprecher Dieter Dorner in einer Aussendung mit. Er übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS, die "katastrophale Standortbedingungen in Österreich" geschaffen habe.
Die belgische Ardo-Gruppe hatte am Donnerstag angekündigt, das Werk in Groß-Enzersdorf 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen für die Modernisierung von mehr als 100 Millionen Euro seien für einen "relativ kleinen heimischen Markt" zu hoch, wurden die Pläne begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden. Das Unternehmen hat 2025 in Niederösterreich seinen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.