Die wirtschaftliche Stagnation drückte 2025 auf die Konsumlaune © APA - Austria Presse Agentur
Der heimische Einzelhandel hofft im laufenden Jahr auf ausgabenfreudigere Konsumenten und wirksame Regierungsmaßnahmen im Bereich Energie, Bürokratieabbau und Paketabgaben für Drittstaatenlieferungen. "Die jüngsten Ankündigungen aus der Regierungsklausur zeigen, dass der Umsetzungswille vorhanden ist", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will am Donnerstag bei der Neujahrs-Pressekonferenz der Interessensvertretung. Man hoffe "auf weitere große politische Würfe".
Der Wirtschaftsabschwung in den Jahren 2023 und 2024 und die Konsumzurückhaltung der Konsumenten ließ den inflationsbereinigten Umsatz im österreichischen Handel merkbar zurückgehen. Der Handel verzeichnete in den vergangenen drei Jahren im Branchenvergleich die höchste Zahl an Firmeninsolvenzen. Für das Jahr 2025 prognostiziert das Wifo im Dezember einen Einzelhandelsumsatz von 79,8 Mrd. Euro. Das wäre ein nominelles Erlösplus von 3,2 Prozent gegenüber 2024 und ein reales Plus von 1,0 Prozent.
Prognose soll halten: Umsatzplus gegenüber Weihnachtsgeschäft 2024
Handelsverband-Geschäftsführer Will rechnet damit, dass die Handelsumsatz-Prognose des Wifo für 2025 halten wird. Der weihnachtsbedingte Mehrumsatz soll wie erwartet rund 1,2 Mrd. Euro betragen. Das ist ein Umsatzplus von 2 Prozent gegenüber dem vorjährigen Weihnachtsgeschäft.
Für das laufende Jahr sind die Händler laut einer Handelsverband-Umfrage etwas zuversichtlicher. 45 Prozent der befragten Einzelhändler erwarten heuer einen Gewinn zu erwirtschaften, Anfang 2025 rechneten nur 26 Prozent damit, einen Profit zu erwirtschaften. Heuer gehen 35 Prozent der Händler von einem ausgeglichenen Ergebnis aus und 20 Prozent von einem Verlust. "Es bleibt ein Kampf um jeden Euro", kommentierte der Handelsverband-Geschäftsführer die wirtschaftliche Lage der Händler.
Otto-Österreich-Chef: "Unser Standort ist in Gefahr, die Hütte brennt"
Bei der Pressekonferenz waren auch weitere Handelsvertreter anwesend, die auch Funktionen im Handelsverband innehaben. Einen Appell für eine ambitioniertere Wirtschaftspolitik richtete Otto-Austria-Geschäftsführer Harald Gutschi an die Regierung. "Unser Standort ist in Gefahr, die Hütte brennt." Der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit durch mehr Auflagen und Bürokratie sowie höhere Steuern sei "ein schleichender Prozess über die vergangenen 15 Jahre".
Der heimische Online-Handel ist preislich vor allem durch chinesische Plattformen wie AliExpress, Shein und Temu, aber auch Amazon oder Zalando unter Druck. Österreichische Online-Händler verzeichneten in den ersten drei Quartalen 2025 ein Umsatzplus von 2 Prozent. Die Ausgaben der Österreicherinnen und Österreicher im Onlinehandel sind 2025 laut Schätzungen um 14 Prozent gestiegen. Das Paketvolumen in Österreich ist im Vorjahr um 8 Prozent gestiegen. 80 Prozent der Pakete würden aus dem Ausland kommen und 100 Millionen Pakete aus China, schätzt der Otto-Österreich-Chef. Die EU und Österreich müssen schneller mit höheren Paketabgaben und schärferen Zollkontrollen auf die "Paketlawine" aus China reagieren.
Eingetrübte Konsumlaune traf Buch- und Sporthandel im Vorjahr
Die Konsumzurückhaltung der heimischen Verbraucher hat 2025 auch den Buch- und Sporthandel sowie Drogeriemärkte getroffen. Die Drogeriemärkte erzielten im Vorjahr von Jänner bis November ein nominelles Umsatzplus von 0,9 Prozent, inflationsbereinigt also ein Rückgang. Dm-Österreich-Managerin Andrea Hiotu forderte bei der Pressekonferenz "eine substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten in Etappen bis 2035". Die Sporthändler verzeichneten in den ersten drei Quartalen 2025 ein nominelles Umsatzplus von 0,4 Prozent. Durch die Schneefälle sei das Geschäft im Dezember und Jänner deutlich besser gelaufen, sagte die Sport-2000-Österreich-Chefin Irina Andorfer. Der Buchhandel verzeichnete im Vorjahr nur ein nominelles Umsatzplus von 0,1 Prozent. Durch inflationsbedingte höhere Ausgaben für Miete und Energie würden die Konsumenten weniger Geld für Buchausgaben übrig haben, sagte die Thalia-Östereich-Chefin Andrea Heumann.