Shalev Hulio und Sebstian Kurz bei einer "Dream"-Präsentation © APA - Austria Presse Agentur
Die KI- und Cybersicherheitsfirma für Staaten und kritische Infrastruktur "Dream", an der Ex-Kanzler Sebastian Kurz beteiligt ist, hat sich von Investoren 260 Mio. Dollar geholt. Die Bewertung liege nun bei drei Milliarden Dollar, teilte die Firma mit Sitz in Tel Aviv mit. Sie wurde von Kurz mitbegründet. Der Ex-Politiker soll 15 Prozent halten und bezeichnete seine Beteiligung zuletzt als "hochprofitabel". In der KI-Thematik gibt es aber auch kritische Fragen.
"Dream" werde zu einem der "weltweit führenden" KI-Unternehmen für Staaten und kritische Infrastruktur, schreibt die Firma. Man biete den Einsatz Künstlicher Intelligenz "in den sensitivsten Bereichen von Staaten und kritischer Infrastruktur". Mit dem zusätzlichen Investment treibe man die globale Expansion weiter voran. Staaten müssten aufgrund der neuesten Entwicklungen "sowohl ihre Daten als auch die gesamte KI-Infrastruktur besitzen, betreiben und kontrollieren". Und in dem Bereich macht "Dream" sein Geld.
Kritische Fragen
Bei der Präsentation agiert die Firma recht offensiv, aber gibt sich bei konkreteren Nachfragen mitunter auch zugeknöpft, wie mehrere Medienrecherchen zuletzt zeigten. Bei einer Pressekonferenz zum "Monitor Journalismusfreiheit" hatte etwa Investigativjournalist Alexander Fanta ("Follow the Money") von einer Einschüchterungsklage im Zuge von Recherchen über "Dream" berichtet. Statt Antworten auf gestellte Fragen an die Firma kam ein Anwaltsbrief mit Klagsdrohung.
Kritische Fragen gibt es rund um Datenschutz bei KI prinzipiell, neben allen Chancen bieten sich viele Gefahren bis hin zum Überwachungs-Alptraum. Aber beispielsweise auch, weil "Dream"-Mitgründer und CEO Shalev Hulio ebenso die NSO Group mitgegründet hatte, die die umstrittene Pegasus-Spyware zum Ausspähen von iOS- und Android-Geräten entwickelte. Dort ist Hulio seit 2022 aber nicht mehr operativ tätig.
2023 gründete Hulio mit Kurz "Dream". Kurz wird in der "Dream"-Aussendung zur neuen Finanzierung als Mitgründer und "President" bezeichnet. Weiterer Mitgründer der Firma ist KI-Experte Gil Dolev.
Hulio und Kurz: Staaten müssen KI besitzen, betreiben, kontrollieren
"Wer die Kontrolle über seine KI verliert, verliert langfristig auch einen Teil seiner staatlichen Souveränität", so Hulio in der "Dream"-Aussendung. "So wie es undenkbar wäre, die Kontrolle über Verteidigung, kritische Infrastruktur oder die Innere Sicherheit aus der Hand zu geben, wird es künftig undenkbar sein, keine vollständige Kontrolle über die eigenen KI-Systeme zu haben."
"Wir sind noch ein junges Unternehmen, aber wir sind sehr dankbar, dass sich alles in die richtige Richtung entwickelt und wir schnell wachsen", wird Kurz zum wirtschaftlichen Fortkommen zitiert, an dessen Weiterentwicklung man auch weiter hart arbeite. Zur Thematik heißt es vom Ex-Kanzler: "Die entscheidende Frage für Staaten ist nicht mehr, ob sie Künstliche Intelligenz einsetzen werden, sondern ob sie diese auch besitzen, betreiben und vollständig kontrollieren." Andernfalls würden sie sich in eine kritische Abhängigkeit von anderen Staaten, wie beispielsweise China oder den USA begeben.
"Traum-Lösungen"
Aktiv ist "Dream" laut seinen Angaben in Europa, dem Nahen Osten und Südostasien. Eine der "Lösungen" namens "Atlas" verbinde hoch sensible Daten, strukturiere Informationen und erlaube es so in "souveräner und sicherer Umgebung" kritische Entscheidungen zu treffen. Ein Angebot namens "Sphere" spanne durch Zusammenführung aller Daten und Signale einen umfassenden Cyber Abwehr Schirm, der auch hochkomplexe Angriffe verhindern könne. "Hero" wiederum decke unbekannte Schwachstellen auf, bevor sie von Angreifern ausgenutzt werden könnten.
Ex-Kanzler Kurz
Der bald 40 Jahre alte Kurz war zweimal Bundeskanzler der Republik Österreich - von Dezember 2017 bis Mai 2019 und von Jänner 2020 bis Oktober 2021. Noch etwas längere Zeit war er Chef der Volkspartei (ÖVP). Auf Basis einer Parteikarriere wurde er zum Spitzenpolitiker, jetzt ist er Unternehmer und Berater. Medien spekulieren immer wieder über politische Rückkehrgedanken, die Kurz offiziell stets dementiert.