Millionenschwere Synergien erhofft © APA - Austria Presse Agentur

Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa erhofft sich vom Einstieg bei der portugiesischen Airline TAP rasche Impulse und setzt auf eine vergleichsweise schnelle Genehmigung durch die EU-Wettbewerbshüter. "TAP passt perfekt zu uns", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in einem Investoren-Call. Gleich vom ersten Tag an werde Mehrwert geschaffen. Insgesamt verspreche man sich Synergien von rund 450 Millionen Euro, sagte Finanzchef Till Streichert.

Der mit der portugiesischen Regierung verhandelte Deal solle bald unterzeichnet werden. Komplett über die Bühne gehe die Transaktion wohl erst im ersten Halbjahr 2028. Spohr geht davon aus, dass die EU-Kommission allerdings schneller entscheiden dürfte als bei der Lufthansa-Übernahme der italienischen Airline ITA, weil es mit der TAP weniger Überlappungen im Flugbetrieb gebe. Zudem hätten die Politiker in Europa verstanden, dass es wichtig sei, größere Unternehmen zu bilden, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.

Zuschlag am Mittwoch

Portugals Regierung hatte der deutschen Airline am Mittwoch den Zuschlag gegeben, sich mit bis zu 49,9 Prozent an der verstaatlichten TAP zu beteiligen. In einem ersten Schritt erhält die Lufthansa 44,9 Prozent - für 1,025 Milliarden Euro. Dieser Anteil könnte auf bis zu 49,9 Prozent steigen - für dann bis zu 1,2 Milliarden Euro. Dies gilt für den Fall, dass die TAP-Belegschaft ihr Bezugsrecht für 5 Prozent am TAP-Kapital nicht ausübt. Im Bieterrennen setzte sich die Lufthansa damit gegen den Konkurrenten Air France-KLM durch.

Portugal will die in der Coronakrise 2020 verstaatlichte Fluggesellschaft wieder teilprivatisieren und hat den Prozess im Juli 2025 neu gestartet. Künftig soll es auch Gespräche geben über die 50,1 Prozent, die Portugal dann noch an der TAP hält. Wenn die deutsche Airline diesen Anteil wie geplant - etwa im Tausch von Lufthansa-Aktien - auch übernehme, könne der portugiesische Staat mit bis zu 5 Prozent Anteilseigner bei der Lufthansa werde, sagte Streichert.

Verbindungen nach Lateinamerika

Für die Lufthansa sind vor allem Verbindungen nach Lateinamerika interessant, insbesondere nach Brasilien, wie Spohr betonte. Lissabon soll als Drehkreuz gestärkt werden und die nationale Identität der Airline TAP wie bei anderen Töchtern der Gruppe gewahrt bleiben.

TAP gilt auch wegen ihrer Verbindungen in das portugiesischsprachige Afrika und in die USA als attraktiv. Die Lufthansa hat der Regierung in Lissabon versprochen, das Wachstum von TAP voranzutreiben. So soll die Flotte von zuletzt rund 100 Flugzeugen ausgebaut werden - auf 117 Maschinen bis 2035. Und danach auf 130, wenn der neue Airport in Lissabon in Betrieb ist.