Bei einer Gansl-Keule interessiert die Herkunft oft besonders © APA - Austria Presse Agentur

Die intensive Debatte über verpflichtende Herkunftsangaben in der Gastronomie ist wieder eröffnet. Nachdem der ÖVP-Bauernbund und die Landwirtschaftskammer (LKÖ) ihren Ruf danach bekräftigen, erneuert die Hoteliervereinigung (ÖHV) ihr Nein: Die Forderung werde durch ständiges Wiederholen nicht besser, hieß es in Richtung Agrarier am Mittwoch. Regionalität und hochqualitative heimische Produkte seien die besten Verkaufsargumente, damit verdienten Bauern auch sehr gut.

Zuvor hatte der Bauernbund gefordert: "Konsumenten müssen auch außer Haus klar und einfach erkennen können, woher Fleisch, Milch, Eier und weitere sensible Produkte stammen." Die Herkunft müsse "auf den ersten Blick erkennbar sein, damit die Menschen am Wirtshaustisch genauso Bescheid wissen wie beim Einkauf im Supermarkt". Das sei ein Wunsch der Bevölkerung, so Bauernbund-Direktorin Corinna Weisel. Viele Agrarier sind derzeit auch wegen des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens in Sorge, durch das mehr Fleisch zollfrei nach Europa gelangen kann.

ÖHV: "Planwirtschaftsfantasie" des Bauernbundes

"Fordert der Bauernbund als nächstes ein Bananen-Verbot?", fragte hingegen ÖHV-Präsident Walter Veit am Mittwoch. Müssten Restaurants und Hotels zusätzlich zu den Allergenen bei jeder Mahlzeit auch noch anführen, woher jede Zutat komme, führe das bei wechselnden Lieferanten und saisonalen Verfügbarkeiten nur zu mehr Bürokratie, so der Hotelier. "Laufend die Speisekarte umzuschreiben ist unzumutbar. Wir sind für die Gäste da, nicht zum Ausfüllen von Herkunftslisten." Daneben führe etwaige Mehrarbeit zu Mehrkosten und höheren Preisen für die Gäste, so Veit zur "Planwirtschaftsfantasie" der agrarischen ÖVP-Teilorganisation. Im Sinne von "mehr Klarheit" könnte sich der Bauernbund auch für höhere Tierwohl-Kriterien einsetzen, meinte Veit.

LKÖ äußert Verständnis für Bürokratie-Aversion, aber nicht in der Sache

"Wir haben Verständnis für das Ziel und den Wunsch der Gastronomie, dass die Herkunftskennzeichnung nicht zu einer weiteren Bürokratiebelastung führen darf", so Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger gegenüber der APA in Richtung ÖHV. "Viele einheimische und ausländische Gäste schätzen Österreich jedoch wegen der von den Bäuerinnen und Bauern geschaffenen, einzigartigen Landschaft und Lebensmittelvielfalt. Sie erwarten sich Klarheit, woher die Produkte auf ihren Tellern tatsächlich kommen. Wir sind jederzeit bereit für lösungsorientierte Gespräche mit Gastronomie und Hotellerie, um über einfache, praxistaugliche Kennzeichnungssysteme zu reden - vor allem bei tierischen Primärprodukten."

Grüne sehen Kennzeichnung als "dringend notwendig" an

Die Grünen thematisierten eine Kluft innerhalb von Wirtschafts- und Agrarvertreterinnen und -vertretern in der Volkspartei. "Seit Jahren scheitert die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie am Wirtschaftsbund und der Wirtschaftskammer und gleichzeitig simulieren die Bauernbündler Aktionismus", so Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer. Jedenfalls hätten sich die Bäuerinnen und Bauern Transparenz in Speisekarten verdient, sind die Grünen für eine Kennzeichnungspflicht. Diese sei "dringend notwendig". Sie erinnerten zudem, dass Agrarminister Norbert Totschnig (ÖVP) eine solche EU-weit fordere.