MPS will "neuen nationalen Champion" aufbauen © APA - Austria Presse Agentur

Die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) startet eine milliardenschwere Übernahmeoffensive: Das Institut kündigte am Freitag zwei freiwillige öffentliche Tauschangebote für sämtliche Aktien von Banco BPM und Banca Generali an. Insgesamt bewertet MPS die beiden Transaktionen mit rund 34 Mrd. Euro.

Für Banco BPM bietet MPS den Aktionären 1,567 MPS-Aktien je Aktie des Mailänder Instituts. Das Angebot enthält keinen Aufschlag und wird mit rund 25,35 Mrd. Euro bewertet. Das zweite Angebot richtet sich an die Aktionäre von Banca Generali und hat einen Wert von rund 8,72 Mrd. Euro. Beide Transaktionen sollen vollständig über Aktien abgewickelt werden.

MPS will "neuen nationalen Champion" aufbauen

MPS bezeichnete die Vorhaben als Teil eines Plans zur Schaffung eines "neuen nationalen Champions" mit Kompetenzen unter anderem bei Beratung und Vermögensverwaltung. Die neue Gruppe soll Finanzanlagen von mehr als 810 Mrd. Euro verwalten und die Wettbewerbsfähigkeit des italienischen Finanzsektors stärken.

Der geplante Zusammenschluss von MPS, Banco BPM und Banca Generali würde nach Angaben von MPS-Chef Luigi Lovaglio eine Marktkapitalisierung von rund 80 Milliarden Euro erreichen. Damit würde der neue Konzern zu den zehn größten Banken Europas gehören und in Italien beim Kundengeschäft und der Zahl der Filialen den zweiten Platz einnehmen. Damit könne eine starke italienischen Bankengruppe mit europäischer Bedeutung. gegründet werden, erklärte Lovaglio.

MPS sei der "natürliche Partner für einen nicht feindlichen Zusammenschluss" mit Banco BPM und Banca Generali, sagteLovaglio. Das Geschäftsmodell der Bank schaffe Wert durch Integration und nicht durch eine Zerschlagung der Unternehmen. MPS verbinde eine landesweite Präsenz mit starken regionalen Wurzeln und könne dadurch eine Integration ermöglichen, ohne die Nähe zu Kunden und lokalen Gemeinschaften zu verlieren, sagte Lovaglio. Für Banco BPM und Banca Generali biete die Bank damit eine sichere Plattform für nachhaltiges langfristiges Wachstum.

MPS reagiert auf Übernahmeoffensive des Rivalen Intesa Sanpaolo

Mit den geplanten Transaktionen will MPS zugleich auf die Übernahmeoffensive des heimischen Rivalen Intesa Sanpaolo reagieren. Für die eigenen Aktionäre ist eine Ausschüttung von 4 Mrd. Euro vorgesehen - eine Mrd. Euro in bar und 3 Mrd. Euro in Generali-Aktien. Nach Angaben von MPS könnten die beiden Transaktionen jährliche Synergien vor Steuern von rund 2,6 Mrd. Euro bringen. Davon sollen rund 800 Mio. Euro aus der Integration von Mediobanca stammen.

Das älteste noch bestehende Geldhaus der Welt mit Sitz in Siena hatte bereits einen Zusammenschluss mit Banco BPM ausgelotet, die Gespräche jedoch am 31. Juli für beendet erklärt. Als Grund galt die Ablehnung des Plans durch den BPM-Hauptinvestor, die französische Crédit Agricole.

Die geplanten Übernahmeangebote von MPS für Banco BPM und Banca Generali haben an der Mailänder Börse zunächst nur wenig Bewegung ausgelöst. MPS legte am Freitag um 0,4 Prozent zu, während Banco BPM 0,3 Prozent und Banca Generali 1,9 Prozent verloren. Auch Generali notierten lediglich 0,4 Prozent höher.