Die österreichischen Banken haben im Jahr 2025 mit insgesamt 11,8 Mrd. Euro erneut sehr hohe Gewinne erzielt. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wies am Mittwoch bei der Präsentation ihres Finanzstabilitätsberichts auf eine gute Kapitalisierung hin, warnte aber vor steigenden Risiken. Während das Wirtschaftswachstum schwach bleibt, verschlechtert sich die Kreditqualität bei Gewerbeimmobilien stark.
Die makroökonomische Ausgangslage bleibt schwierig. Laut OeNB-Gouverneur Martin Kocher bleibt das Basisszenario der Nationalbank vom März mit einem Wachstum von 0,5 Prozent "weitgehend aufrecht". Er sieht jedoch "ein etwas höheres Inflationsrisiko" aufgrund steigender Ölpreise und des anhaltenden Iran-Krieges. Auf die abschließende Frage nach möglichen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche betonte Kocher: "Wir werden bis zur Sitzung und möglicherweise auch noch während der Sitzung nächste Woche die Datenlage genau beobachten." Eine Zinsentscheidung werde erst "auf Basis der Datenlage Mitte nächster Woche getroffen."
Bankensektor verdiente 11,8 Mrd. Euro
Das abgelaufene Jahr bescherte den heimischen Banken deutlich höhere Gewinne. "Der Bankensektor hat 11,8 Milliarden Euro Gewinn geschrieben im vergangenen Jahr", erklärte OeNB-Direktor Thomas Steiner. Rund 80 Prozent davon wurden im Sektor einbehalten, was die harte Kernkapitalquote auf einen Rekordwert von 19,0 Prozent steigen ließ. "Diese Einbehaltung der Gewinne erhöht natürlich die Resilienz", so Steiner. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck zu. Hauptabteilungsdirektorin Regina Fuchs verwies auf gestiegene Betriebsaufwände, die zu einem "verschlechterten Kosten-Ertrags-Verhältnis" führten. Ein wesentlicher Ertragspfeiler bleibt das Ausland: "Die Bedeutung von Zentral- und Osteuropa wird auch künftig aufgrund der Zukäufe in Polen und Rumänien zunehmen", sagte Fuchs.
Ausfälle bei Gewerbeimmobilien verzehnfacht
Sorgen bereitet der OeNB der Gewerbeimmobilien-Sektor. Im Bereich des gewerblichen Wohnbaus stieg der Anteil notleidender Kredite (NPL) mittlerweile auf über 14 Prozent. "Wir sprechen jetzt von einer Verzehnfachung der Ausfälle in diesem Bereich über die letzten drei Jahre", warnte Hauptabteilungsdirektor Markus Schwaiger. Bei der Abdeckung dieser Kreditausfälle durch Risikovorsorgen sei Österreich "im europäischen Vergleich nach wie vor auffällig", weshalb "hier noch Aufholbedarf besteht und man hier sehr proaktiv an die Sache herangehen muss", mahnte Schwaiger. Das Finanzmarktstabilitätsgremium empfiehlt daher, den sektoralen Systemrisikopuffer (sSyRP) für Gewerbeimmobilien in zwei Schritten bis Mitte 2027 auf 3,5 Prozent anzuheben.
Zu politischen Forderungen nach einer höheren Bankenabgabe ("Stabilitätsabgabe") angesichts der Rekorderträge zeigte sich Kocher skeptisch. Er wolle dem Finanzminister diesbezüglich zwar "überhaupt nichts mitteilen", hielt aber fest: "Aus einer finanzwissenschaftlichen Sicht ist das Argument, dass genug da ist, keine sehr gute Begründung für eine Besteuerung."
ÖGB für höhere Bankenabgabe, GPA für Inflationsausgleich bei Finance-KV
Die Gewerkschaft drängt bei den derzeit laufenden Verhandlungen für das Doppelbudget 2027/2028 die Bankenabgabe nicht nur zu verlängern, sondern "deutlich anzuheben". "Wir spüren immer noch die budgetären Folgen von Covid- und Teuerungskrise und die nächste Energiekrise steht vor der Tür. Währenddessen feierten die Banken einen Rekord nach dem anderen, ohne nennenswert zur Budgetkonsolidierung beizutragen - das muss sich ändern", so ÖGB-Vertreterin Angela Pfister in einer Aussendung. Angesichts der starken Ertragskraft der heimischen Banken fordert die Gewerkschaft GPA einen Inflationsausgleich für die rund 68.000 Beschäftigten des Finanzsektors. Bei den aktuell laufenden Kollektivvertragsverhandlungen sei eine Abgeltung der Teuerung seitens der Arbeitgeber "bisher vehement abgelehnt" worden.
(APA)