Nicht lizenzierte Anbieter buhlen um Liberalisierung des Marktes © APA - Austria Presse Agentur

Während die Koalitionspartner derzeit um ein neues Glücksspielgesetz ringen, bringen sich nach den Casinos Austria auch jene Glücksspielanbieter in Stellung, die zwar in Österreich nicht lizenziert sind, aber Steuern zahlen. Verwies der Monopolist in der Vorwoche auf den mangelnden Spielerschutz bei einer Liberalisierung des Marktes, sieht der Branchenverband Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) gerade durch das Monopol den Spielerschutz gefährdet.

Die Casinos Austria erreichen mit den Lotterien laut dem Branchenverband in etwa 35 Prozent der Spieler. Rund 65 Prozent der Spieler nutzen also nicht lizenzierte Anbieter. Mit einer Liberalisierung des Marktes könnten legale Anbieter eine deutlich höhere Kanalisationsrate - also höheren Anteil am gesamten Glücksspiel - erzielen, sagte OVWG-Generalsekretär Thomas Forstner im Gespräch mit der APA. Damit könnte das Online-Glücksspiel besser kontrolliert werden. Die Anzahl der Lizenzen sollte nicht begrenzt werden, viel mehr sollten qualitative Kriterien entscheiden, ob ein Anbieter eine österreichische Lizenz erhält.

Kritik von Casinos Austria

"Falsche Zahlen werden nicht richtiger, nur weil man sie immer wieder wiederholt: Der Marktanteil von win2day, dem einzigen legalen Anbieter in Österreich beträgt rund 60 Prozent", sagte Casinos-Austria-Sprecher Patrick Minar zur APA. Bei Berücksichtigung der bereits liberalisierten Sportwette komme man "auf eine Kanalisierungsrate in Richtung 80 Prozent, was wiederum im internationalen Vergleich" liege. Aus Sicht der Casinos Austria bedeuten mehr Online-Anbieter weniger Spielerschutz. "Wie eine hier geforderte unbeschränkte Marktöffnung angesichts einer fehlenden Aufsichtsbehörde überhaupt funktionieren sollte, bleibt auch unbeantwortet", so der Casinos-Austria-Sprecher.

Branchenverband sieht Dänemark als Erfolgsbeispiel

Als Erfolgsmodell verweist der OVWG auf das Beispiel Dänemark: Dort stieg der Anteil der Spieler, die lizenzierte Plattformen nutzten, von 39 Prozent im Jahr 2010 auf 90 Prozent bis 2020. Und am Schwarzmarkt wird mit höheren Einsätzen gespielt. Zudem fehle es an Spielerschutzregeln und Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung.

Mit der Liberalisierung würden auch die Steuereinnahmen steigen, verweist der OVWG auf entsprechende Berechnungen. Während die Zielvorgaben der Regierung zusätzliche Einnahmen von heuer 129 Mio. Euro bis 240 Mio. Euro im Jahr 2031 vorsehen, sei mit einem Anstieg der jährlichen Mehreinnahmen von 67 Mio. Euro auf 79 Mio. Euro zu rechnen. Eine Liberalisierung würde hingegen die Mehreinnahmen bis 2031 von derzeit 108 Mio. Euro auf 529 Mio. Euro ansteigen lassen.

Während die SPÖ bisher eher für eine Beibehaltung des Monopols eintrat, sprachen sich die NEOS für eine Liberalisierung des Marktes aus. Aber auch bei der ÖVP soll man einer Liberalisierung nicht abgeneigt sein - auch wenn die ÖBAG als Gesellschafterin der Casinos Austria und damit der Lotterien dem Ressort von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zugeordnet ist.

Reges Interesse

Das Interesse seitens der Anbieter dürfte jedenfalls gegeben sein. Anbieter wie der US-Konzern Brightstar oder die Izi Group aus Malta bereiten sich bereits auf einen Markteintritt vor. So bemühte sich Brightstar um die österreichische Post als Vertriebspartner. Aber der teilstaatliche Konzern machte dann einen Rückzieher - um nicht den Casinos Austria in die Quere zu kommen. Allerdings könnte sich Brightstar um andere Vertriebspartner kümmern, etwa Supermarktketten. Und die Izi Group hat sich für die Österreich-Tochter mit Mario Pulker den früheren WKÖ-Obmann des Fachverbandes Gastronomie als Teilhaber geangelt.

Bei einem attraktiven Angebot lizenzierter Plattformen sinke der Anteil völlig unregulierter Anbieter aus Russland oder der Karibik, ist man beim Branchenverband überzeugt. "Wenn ein Spieler auf völlig unregulierten Seiten spielt, wird das Geld oft nicht ausbezahlt", sagt Forstner. "Dafür werden immer weitere Unterlagen verlangt, die Spielerin oder der Spieler laufend vertröstet", verweist Forstner auf die Erfahrungen von "Gewinnern" auf dubiosen Websites.

Kreative Lösungen

Mit lizenzierten Anbietern könnte man zudem eine Anbieter-übergreifende Sperrdatei einrichten. Die im Gesetzesentwurf vorgesehene Sperre nicht lizenzierter Anbieter durch IP- und Payment-Blocking, also die Sperre der Website oder der Einzahlung für Spieler aus Österreich, hält Forstner hingegen nicht für sinnvoll: "Auf der (Glücksspiel-, Anm.) Messe ICE in Barcelona gab es einige Unternehmen mit entsprechenden Angeboten", verwies der OVWG-Generalsekretär auf kreative Lösungen diverser Anbieter.