Das neue System kam bereits zur Anwendung © APA - Austria Presse Agentur
Wer in Wien in den Gemeindebau einziehen möchte oder sich für eine geförderte Wohnung bewirbt, wird künftig bei der Vergabe mit einem Bonuspunktesystem konfrontiert. Dieses soll verstärkt auf individuelle Lebenslagen Rücksicht nehmen. Je dringender der Bedarf ist, desto rascher erhält man eine Wohnung. Die Testphase für das neue Modell wurde nun beendet, der Beschluss im Landtag soll im Juni erfolgen, teilte Wohnstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) am Freitag mit.
Der neue Modus sieht vor, dass je nach persönlicher Lage Punkte vergeben werden, die die Reihung bei der Wohnungsvergabe bestimmen. So erhalten etwa alleinerziehende oder schwangere Personen Bonuspunkte, ebenso Menschen, die sich in einer Aus- und Weiterbildung befinden. Eine Scheidung, Überbelag in der bisherigen Unterkunft, drohender Wohnungsverlust, häusliche Gewalt oder auch Pflegebedarf sind ebenfalls Kriterien.
Wien-Bonus bleibt
Weiterhin gilt, dass Personen bevorzugt werden, die seit längerem in Wien wohnen. Der sogenannte Wien-Bonus bleibt also Teil des Vergabeverfahrens. Negativpunkte sind im Modell nicht aufgeführt. Allerdings kommen Personen, die etwa wegen unleidlichem Verhalten bereits einmal eine Gemeindewohnung verloren haben, wegen fehlender Voraussetzungen erst gar nicht ins System, wie im Büro der Stadträtin betont wurde.
Im März und April wurde das neue Vergabesystem laut der Ressortchefin unter realen Bedingungen erprobt. Es habe sich gezeigt, dass die Methode wie vorgesehen funktioniere und auch von den Nutzerinnen und Nutzern positiv angenommen werde, berichtete sie. 39 Gemeindewohnungen seien erfolgreich zugewiesen worden, auch im Bereich der geförderten Wohnungen seien bereits acht fix vergeben worden.
Beschluss im Landtag
Ein zentrales Element der Reform ist die Zusammenführung der Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen. Zukünftig genügt ein einziges "Wohn-Ticket", um sich für eine dieser Wohnformen vormerken zu lassen. Mit dem Abschluss der Testphase folgen nun die Maßnahmen auf gesetzlicher Ebene: Die Novellierung des Wiener Wohnungsvergabegesetzes (WrWVG) erfolgt Ende Juni im Landtag.
Ab 14. Juli wird die Vorab-Registrierung im neuen System möglich sein, am 22. September startet die "Wohnungsvergabe NEU" dann offiziell. Für Bewerberinnen und Bewerber, die bereits jetzt im System sind, gibt es eine Übergangsfrist. Personen, die bereits ein Wohn-Ticket besitzen, müssen sich jedoch im System erneut registrieren.
"Dieser zentrale Reformschritt sorgt für mehr Fairness und soziale Treffsicherheit bei der Vergabe von leistbarem Wohnraum", zeigte sich Hanel-Torsch überzeugt. Bewährte Grundsätze würden bestehen bleiben, bekräftigte sie. So werde es etwa weiterhin unbefristete Mietverträge geben. Auch NEOS-Klubchefin Selma Arapovic betonte: "Fairness ist das oberste Gebot im Gemeindebau und im geförderten Wohnbau. Deshalb haben wir die Standards weiterentwickelt und die Vergabe noch transparenter und treffsicherer gemacht."