Der "Lange Ernst" des früheren Werks wurde 2025 gesprengt © APA - Austria Presse Agentur

Siemens Mobility wird am ehemaligen Gelände der RHI-Magnesitwerke im obersteirischen Trieben ein Rail Service Center für die Wartung von Schienenfahrzeugen errichten. Zu den zukünftigen möglichen Kunden zählen demnach Eisenbahnunternehmen aus Österreich sowie aus den angrenzenden Ländern. Die zentrale Lage von Trieben sei günstig für den Standort. Erste Wartungsarbeiten sollen schon zu Beginn des Jahres 2027 durchgeführt werden, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Über den Kauf hatte es bereits seit Monaten Gerüchte gegeben, nun ist die Übernahme laut Siemens rechtsgültig. Über den Kaufpreis wurde mit der Zöchling Unternehmensgruppe Stillschweigen vereinbart, aber es ist davon auszugehen, dass sich die Summe im unteren einstelligen Mllionen-Euro-Bereich bewegt. Die zentrale Lage von Trieben ermögliche es Bahnbetreibern, ihre Züge einfach, zeit- und kostensparend, wenn nötig auch nur für eine kurze Dauer, für Arbeiten in das Service Center zu fahren. Der Fahrgastbetrieb könne danach wieder rasch aufgenommen werden, so Siemens.

Zunächst werde eine Leichtbauhalle für Triebfahrzeuge errichtet: "Sie schafft witterungsunabhängige Bedingungen für die Instandhaltung sowohl von Siemens- als auch von Fremdfahrzeugen sowie neue Arbeitsplätze für die Region." Die Bauarbeiten für die Halle haben bereits begonnen, die Fertigstellung und Inbetriebnahme soll zu Beginn des Jahres 2027 erfolgen, abhängig von den Witterungsbedingungen und deren Einfluss auf den Baufortschritt. Zunächst dürften erst um die 10 bis 20 neue Jobs entstehen, doch das Potenzial für deutlich mehr Arbeitsplätze ist bei starker Nachfrage vorhanden, hieß es aus dem Umfeld von Siemens.

Zweite, größere Wartungshalle geplant

In einer weiteren Ausbauphase plant Siemens Mobility jedenfalls den Bau einer größeren Wartungshalle: "Damit entsteht die Möglichkeit, schwere Instandhaltungstätigkeiten bis hin zu Unfallreparaturen von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart abzuwickeln." Die zukünftige Entwicklung des Rail Service Centers werde sich "entlang der Nachfrage der Kunden aus Österreich und den angrenzenden Ländern entwickeln".

Mit Trieben entstehe die bereits dritte Betriebsstätte von Siemens Mobility in der Steiermark: Am Standort in Graz mit seinem hohen Exportanteil von mehr als 90 Prozent arbeiten etwa 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich wurden erst vor wenigen Monaten rund 40 Mio. Euro in einen Fertigungs-, Service- und Logistikhub in Fürstenfeld investiert. Dort arbeiten rund 150 Beschäftigte. In ganz Österreich beschäftigt Siemens Mobility laut eigenen Angaben mehr als 4.500 Mitarbeiter, etwa 300 Lehrlinge werden ausgebildet.

Ende eines Industriedenkmals

Am nun von Siemens erworbenen Gelände wurde lange Zeit Magnesit verarbeitet, das zum Teil aus dem nahen Bergwerk in Hohentauern westlich von Trieben, dem sogenannten Sunk, kam. Die Mine wurde Anfang der 1990er-Jahre stillgelegt. Das Werk in Trieben war - erst im Eigentum der Veitscher Magnesitwerke, dann Veitsch-Radex und schließlich der RHI bzw. RHI Magnesita - einer der größten Arbeitgeber in der Region mit rund 1.000 Beschäftigten in der sogenannten Feuerfestindustrie. Am Ende waren es im Juli 2020 nur noch 20. Weithin sichtbar war jahrzehntelang der "Lange Ernst", der rund 145 Meter hohe Industrieschlot, einst eines der höchsten Bauwerke in der Steiermark. Das Industriedenkmal wurde 2025 kontrolliert gesprengt.