Indien will mit Steuererleichterungen mehr Kapital aus dem Ausland anziehen. Die Kapitalertragsteuer für Investoren in Staatsanleihen werde abgeschafft, berichtete die Zeitung "Economic Times" am Donnerstag. Demnach habe das Kabinett dem Plan zugestimmt. Wann die Neuregelung in Kraft tritt, war zunächst unklar. Auslandsinvestoren unterliegen bisher einer Kapitalertragsteuer von 12,5 Prozent auf börsennotierte Aktien und Anleihen, die länger als zwölf Monate gehalten werden.

Eine Quellensteuer von 20 Prozent, die sie auf Zinserträge aus Staatsanleihen zahlen, könnte nun ebenfalls entfallen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag von einer mit den Regierungsplänen vertrauten Person erfuhr. Indien gehöre zu den wenigen Ländern, die ausländische Kapitalflüsse in Schuldtitel besteuern. Bei der Besteuerung von Aktien wird hingegen weitgehend den globalen Standards gefolgt. Eine Stellungnahme des Finanzministeriums lag zunächst nicht vor.

Nur geringer Effekt prognostiziert

Experten zufolge dürfte das Vorhaben vorerst keinen großen Einfluss haben. Eine solche Steuererleichterung werde die Kapitalflüsse nur geringfügig steigern, sagte die Chefvolkswirtin von Emkay Global Financial Services, Madhavi Arora. "Es wird derzeit kein Allheilmittel sein", betonte sie. Auf mittlere Sicht könne sich der Schritt jedoch auszahlen. Die indische Landeswährung Rupie hat seit Jahresbeginn mehr als fünf Prozent an Wert verloren. Belastet wird sie durch höhere Ölpreise und Kapitalabflüsse aus dem Aktienmarkt. Während ausländische Investoren in diesem Jahr netto fast 28 Milliarden Dollar aus indischen Aktien abzogen, flossen netto 1,4 Milliarden Dollar in Staatsanleihen des Landes.

In den vergangenen Jahren hatte Indien bereits die Anlagegrenzen für eine Reihe von Wertpapieren abgeschafft. Dies verhalf dem bevölkerungsreichsten Land der Welt zur Aufnahme in wichtige globale Anleiheindizes wie beispielsweise die von JP Morgan.

(APA)