Nach einem jahrelangen Streit zwischen dem Tech-Milliardär Elon Musk und dem ChatGPT-Entwickler OpenAI beginnt am Montag ein Prozess, der die Zukunft der KI-Branche beeinflussen könnte. Im kalifornischen Oakland soll die Auswahl der Geschworenen beginnen. Sollte sich Musk durchsetzen, könnten die von OpenAI geplanten Investitionen zum Ausbau der KI-Infrastruktur von hunderten Milliarden Dollar erschweren. Auch der Weg zu einem erwarteten Börsengang würde viel schwieriger.
ChatGPT ist der Chatbot, der den aktuellen Hype um Künstliche Intelligenz lostrat. Er kommt nach Angaben von OpenAI auf rund 900 Millionen Nutzerinnen und Nutzer pro Woche. OpenAI konkurriert mit Rivalen wie aktuell vor allem Anthropic und Google.
Einstiger OpenAI-Mitgründer
Musk war 2015 unter den Gründern von OpenAI, schied jedoch 2018 nach einem Richtungsstreit aus. In der 2024 eingereichten Klage wirft er der heutigen Führung um Mitgründer und Chef Sam Altman vor, sie hätten den ursprünglichen Gedanken einer KI-Entwicklung im Interesse der Menschheit verraten, als sie eine Finanzierung von Microsoft annahmen und die Umwandlung in eine auf Profit ausgerichtete Firma anpeilten.
Musk betreibt mit der KI-Firma xAI, die den Chatbot Grok entwickelt, einen Rivalen von OpenAI. Die ChatGPT-Macher kontern deswegen, der Tech-Milliardär wolle mit seinen Vorwürfen einfach einen Konkurrenten ausbremsen. Musk habe einst die volle Kontrolle über OpenAI angestrebt und eine Fusion mit dem von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla vorgeschlagen. Dann habe er OpenAI abrupt verlassen, nachdem er nicht seinen Willen bekommen habe.
Musk fordert andere Struktur für OpenAI
OpenAI hat nach einem inzwischen vollzogenen Umbau eine gemeinnützige Kernorganisation, die eine auf Profit ausgerichtete Firma unter ihrer Kontrolle hat. Musk fordert unter anderem, dass OpenAI komplett in eine Non-Profit-Forschungsorganisation umgewandelt wird und Altman sowie der fürs operative Geschäft zuständige Top-Manager Greg Brockman von ihren Posten enthoben werden. Auch verlangt er eine Wiedergutmachung von mehr als 100 Mrd. Dollar (85 Mrd. Euro) - die aber nicht an ihn, sondern an den gemeinnützigen Arm von OpenAI gehen solle.
Den Betrugsvorwurf aus seiner ursprünglichen Klage ließ Musk wenige Tage vor Prozessbeginn fallen. Die Geschworenen werden sich nun mit zwei Vorwürfen auseinandersetzen müssen. Zum einen ist es unrechtmäßige Bereicherung. Zum anderen macht Musk geltend, dass er Mittel für den Aufbau einer Non-Profit-Organisation zur Entwicklung von Open-Source-Software gespendet habe - diese aber am Ende für eine auf Profit ausgerichtete Firma mit nicht quelloffener Technologie verwendet worden seien.
Der Prozess soll in zwei Phasen aufgeteilt werden. In der ersten sollen die Geschworenen eine Empfehlung an Richterin Yvonne Gonzalez Rogers abgeben, die dann entscheidet, ob Musk seine Vorwürfe belegen konnte. In der zweiten Phase soll sie sich dann mit Musks Forderungen beschäftigen und auch dazu eine Entscheidung treffen.
(APA)