Die Versorgung ist hierzlande laut Totschnig gesichert © APA - Austria Presse Agentur
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) plant trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Iran-Krieg aktuell keinen Aufbau einer strategischen Lebensmittelreserve. Hierzulande gebe es momentan ausreichend Lagerbestände, womit die Versorgung auch im Krisenfall gesichert sei, so der Politiker am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Bestätigt sah er sich durch eine aktuelle Studie, derzufolge kein akuter Bedarf für eine zusätzliche Reserve besteht.
In Österreich lagern momentan rund 885.000 Tonnen Getreide, auf die der Staat im Krisenfall zugreifen könnte. Für eine Bevorratung sehe er daher zum jetzigen Zeitpunkt "keine Veranlassung", so der Minister. Wichtig sei allerdings, die Lage von staatlicher Seite zu beobachten und die Zusammenarbeit mit Unternehmen bzw. Getreideproduzenten, die über größere Vorräte verfügen, weiter zu verstärken. Zu diesem Zweck wird laut Totschnig auf Basis des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes auch ein Lenkungsausschuss einberufen, der über das weitere Vorgehen beraten soll.
Importeinschränkung fossiler Energieträger keine Gefahr für Versorgung
Besagtes Gesetz war unlängst einer Novelle unterzogen worden, die es dem Minister ermöglicht, per Verordnung eine strategische Lebensmittelreserve anzulegen. Folgt man den Ergebnissen des KIRAS-Projekts "Nationale Reserve", sind Probleme mit der Versorgungssicherheit und damit die Notwendigkeit einer weiteren Bevorratung in einem mit der jetzigen Lage vergleichbaren Szenario allerdings eher unwahrscheinlich. Demnach würde ein Mangel an fossilen Energieträgern bzw. eine sechsmonatige Einschränkung des Imports von Rohöl (minus 70 Prozent) und Erdgas (minus 50 Prozent) nur zu einer geringfügigen Verringerung (um höchstens 5 Prozent) der Produktion führen.
Zu den von den Forschern ebenso als eher wahrscheinlich eingeschätzten Krisenszenarien zählen ein 72-stündiger "Blackout" sowie ein Ausfall von ausländischen Arbeitskräften wie Erntehelfern. Auch hier wären die Auswirkungen eher gering: Bei einem Stromausfall wäre zwar möglicherweise die Eier- oder Fleischproduktion eingeschränkt, die Getreideproduktion aber so gut wie gar nicht. Beim Ausfall von Arbeitskräften wiederum wäre mit leichten Einschränkungen in der Gemüseproduktion zu rechnen, ansonsten wären die Auswirkungen gering.
Lang anhaltende Dürre wäre Problem für die Versorgung
Wesentlich dramatischer würde sich die Lage bei einer längeren Dürre in Europa gestalten: Hier rechnen die Forscher damit, dass bei einer Trockenheit, die ein Jahr dauert, rund 15 bis 25 Prozent der heimischen Getreideproduktion ausfallen würden, bei zwei Jahren wären es gar 40 bis 70 Prozent, wie Studienautorin Angelika Tisch erklärte. Bei Letzterem handle es sich aber um ein "sehr extremes Szenario", das sich in der Vergangenheit kaum ereignet habe. Eine Empfehlung, aufgrund dieser Bedrohung einen strategischen Vorrat anzulegen, gebe sie daher nicht. Sie rät jedoch zu einem noch engmaschigeren Monitoring bestehender Getreidebestände sowie eine stärkere Einbeziehung von Handelsunternehmen in die Krisenvorsorge, damit diese im Krisenfall adäquat reagieren können.