Beschäftigtenzahl schwächer als erwartet gestiegen, Arbeitslosigkeit bei 4,2 Prozent © APA - Austria Presse Agentur
In den USA hat sich die Lage am Arbeitsmarkt im September schlechter entwickelt als erwartet. So ist die Beschäftigtenzahl deutlich geringer als erwartet gestiegen. Außerhalb der Landwirtschaft legte sie um 29.000 zu, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit 90.000 zusätzlichen Stellen gerechnet. Der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde zudem um insgesamt 60.000 Stellen nach unten revidiert.
Die Arbeitslosigkeit hat sich im September gleichzeitig etwas erhöht. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent von zuvor 4,1 Prozent, wie aus dem monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung hervorgeht. Volkswirte hatten im Schnitt einen unveränderten Wert erwartet.
Die Löhne sind in den USA im September kaum gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat legten sie um 0,1 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium weiter mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Lohnwachstum um 0,3 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte das Lohnplus bei 0,3 Prozent gelegen. Im Jahresvergleich stiegen die Löhne im September um 3,0 Prozent. Hier war ein Anstieg um 3,1 Prozent erwartet worden.
Analysten erwarten nach schwachen Daten nur moderaten Zinserhöhungskurs der Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) soll für Vollbeschäftigung und stabile Preise sorgen und achtet somit genau auf die Jobdaten. Sie hat den Leitzins zuletzt auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben. Sie stemmte sich damit gegen den Inflationsschub - eine Folge des Iran-Krieges und der damit stark gestiegenen Ölpreise.
Ein schwacher Arbeitsmarkt könnte die Fed aber zu einem vorsichtigeren Vorgehen bei ihren Zinsschritten bewegen. Analysten erwarten in ersten Reaktionen auf den Arbeitsmarktbericht zwar weiter Zinserhöhungen, aber vorerst nur mehr in moderatem Tempo.
"Wir gehen zwar davon aus, dass die US-Notenbank im laufenden Jahr noch einmal an der Zinsschraube drehen wird, Markterwartungen von drei bis vier Leitzinserhöhungen bis zum Sommer des kommenden Jahres erachten wir indes als übertrieben", schreibt Dirk Clench von der deutschen Landesbank LBBW. Dafür spreche auch die moderate Entwicklung der Stundenlöhne. Abgesehen von den hohen Energiepreisen bleibe der Preisdruck damit auch moderat.
Auch der VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel erwartet nach den Daten nur behutsame Zinserhöhungen. "Der Arbeitsmarktbericht wird die Fed in ihrem Ausblick moderater Zinsanhebungen bestätigen. Die Projektionen der Notenbankmitglieder zeigten eine weitere Zinsanhebung im laufenden Jahr an. Die Notwendigkeit für aggressive Zinsanhebungen lässt sich jedenfalls aus dem heute veröffentlichten Wasserstandsbericht des US-Jobmarktes nicht ableiten", so der Experte.
Ähnlich fällt die Einschätzung der Helaba-Experten aus: "Der Arbeitsmarktbericht enttäuscht angesichts der positiven Indikationen, die es vonseiten der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, des ADP-Reports oder des ISM-Beschäftigungsindexes gegeben hatte. Die Zinserwartungen dürften etwas gedämpft werden", so die Analysten. Noch werde ein weiterer Schritt der US-Notenbank Fed bis zum Ende des Jahres eingepreist, und ein zusätzlicher zum Ende des ersten Quartals 2027.