Verbund-Chef Strugl hatte den neuen Tarif im Jänner angekündigt © APA - Austria Presse Agentur

Österreichs größter Stromkonzern, der Verbund, ändert mit 1. März die Tarifstruktur für seine Haushaltskunden. Das Unternehmen verlangt pro Kilowattstunde (kWh) künftig 12,50 Cent netto und gewährt im ersten Vertragsjahr einen Rabatt von 3 Cent, wodurch der Preis auf 9,50 Cent vor Steuern sinkt, wie aus am Montag veröffentlichten Informationen hervorgeht. Zuletzt kostete eine kWh beim Verbund 15,70 Cent, die im ersten Jahr dank "5 Monate Gratisstrom" auf 9,16 Cent sank.

Der neue Verbund-Tarif orientiert sich damit inklusive des Rabatts an den günstigsten Angeboten ohne Rabatt, die laut Tarifkalkulator der E-Control seit geraumer Zeit bei 9 bis 10 Cent netto beginnen. Inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer beträgt der neue Verbund-Strompreis im ersten Jahr 11,40 Cent. Das teilstaatliche Unternehmen gibt für die neuen Tarife eine Preisgarantie für 12 Monate ab.

Neuer Tarif auch für Bestandskunden

Auch Bestandskunden können, wie Verbund-Pressesprecherin Ingun Metelko erläuterte, in die neue Tarifstruktur wechseln und erhalten die nächsten 12 Monate ebenfalls den Rabatt von 3 Cent pro kWh. Kundinnen und Kunden, die in den vergangenen 12 Monaten zum Verbund gewechselt sind und derzeit von der Aktion "5 Monate Gratisstrom" profitieren, können nach Ablauf der 12-monatigen Mindestvertragslaufzeit ebenfalls auf den neuen Tarif wechseln.

Verbund-Chef Michael Strugl hatte im Jänner einen neuen "Österreich-Tarif" für unter 10 Cent netto pro kWh angekündigt, was von Kanzler Christian Stocker (ÖVP) als "großer Schritt" hin zu "günstigen Energiepreisen" gesehen wurde. Auch andere Regierungsmitglieder begrüßten die damalige Ankündigung.

FPÖ-Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl sprachen am Montag vom "nächsten Marketingschmäh der Bundesregierung", der nun aufgeflogen sei. "Versprochen wurde ein 'Österreich Tarif' zum Sensationspreis, gekommen ist ein Einmalrabatt im ersten Vertragsjahr und ein durchschnittlicher Energiepreis, wie ihn ohnehin viele andere Versorger anbieten", kritisierten die beiden in einer Aussendung.

Der Netto-Strompreis macht rund ein Drittel auf der endgültigen Stromrechnung aus und kann vom Kunden selbst gewählt - und durch Preisvergleiche gesenkt - werden. Die restlichen zwei Drittel entfallen auf Netzkosten und Steuern und Abgaben und hängen vom jeweiligen Netzgebiet und Wohnort ab.

Vor der Gaskrise kostete Strom fünf bis sieben Cent netto

2022 hatte die Gaskrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auch auf den Strommarkt durchgeschlagen. Kostete Strom in Österreich davor während der Corona-Pandemie oft nur fünf bis sieben Cent netto pro Kilowattstunde, stiegen die Preise am Höhepunkt der Energiekrise auf teils über 30 Cent und für Neukunden sogar auf über 40 Cent. Der Verbund senkte für Bestandskunden Mitte 2023 von 23,9 auf 19,70 Cent und Mitte 2024 weiter auf 15,60 Cent.