++ THEMENBILD ++ Hotel Ananas wird 2028/29 saniert - Bezeichnung "Austria Trend" verschwindet © APA - Austria Presse Agentur
Der Tourismusriese Verkehrsbuero, zu dem neben 22 Hotels etwa auch die Ruefa-Reisebüros und das Café Central in Wien gehören, stellt seine Hotellerie neu auf. Dutzende Millionen Euro fließen in die Renovierung. "Wir befinden uns in einer Transformationsphase", sagte CEO Martin Winkler zur APA. Die Hotels laufen künftig unter Marken der internationalen Hotelgruppen Accor, Hilton und Marriott.
Als nächstes dran sind die Hotels Europa Salzburg, danach Europa Wien, das Lindner Hotel Wien Am Belvedere, das als Accor-Premiummarke Pullman Vienna weitermacht, sowie das Austria Trend Hotel Ananas. Auch das Hotel Schloss Wilhelminenberg ist in Planung.
Unter Markendach von Accor, Hilton und Marriott
"Wir haben die Ergänzung gefunden - österreichische Gastgeber mit internationalem Branding", erklärte der Konzernchef. Das Verkehrsbuero habe nach Jahren der Konsolidierung - nach Corona - die strategische Entscheidung getroffen, ins Franchise zu gehen. "Wir werden künftig nur mehr mit einer der drei Marken kooperieren."
Die Investitionen laufen auf Hochtouren. "Das Ziel ist natürlich, dass damit die Wertschöpfung eine ganz andere ist und dass wir auch in wirtschaftlich volatilen Zeiten die Durchschnittspreise halten können", so der Vorstandsvorsitzende. Die Häuser des Konzerns profitieren laut Winkler auch von den Bonusprogrammen der großen Hotelketten. Das sorgt für zusätzliche Auslastung.
Bezeichnung "Austria Trend Hotel" läuft aus
"Wir sind nach wie vor der Betreiber, die Mitarbeiter sind bei uns, aber unter internationaler Flagge", betonte der Verkehrsbuero-Chef. Es ändert sich den Angaben zufolge nur die Marke - die Bezeichnung "Austria Trend Hotel" wird jedenfalls verschwinden. Für die noch kommenden Umbauten werden 10 bis 20 Mio. Euro pro Jahr investiert. "Wir arbeiten das konstant ab", sagte der Manager.
"Für 2027 sind die beiden Hotel Europa - in Wien und in Salzburg - in Planung, wo der Markenwechsel erfolgen wird." Der weitere Weg danach ist ebenfalls bereits vorgezeichnet: "Das Hotel Ananas wird 2028/29 umfassend renoviert - auch da gibt es schon die Planungen dafür", berichtete Winkler. "Die Marke Austria Trend wird mit dem Hotel Ananas und dem Umbau auslaufen", hielt er fest. Das hat auch mit Preispolitik zu tun.
Stornos angesichts des Iran-Kriegs
"Die Nachfrage und auch die Ankünfte sind in diesem Jahr okay, wir sehen aber schon, dass die 'Middle East'-Gäste ausbleiben und ein gewisser Preisdruck da ist", räumte der CEO mit Blick auf den Nahost-Krieg ein. Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Pacht, Personal und Instandsetzung. In den Häusern, die unter der Marke Austria Trend laufen, sei es "deutlich schwieriger, die Preise weiter zu erhöhen".
In den amerikanisch gebrandeten Hotels ist die Nachfrage laut Winkler "konstant gut" - auch vom asiatischen Markt. Die Flugverbindungen, die unter der heurigen Beeinträchtigung der internationalen Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha infolge des Iran-Kriegs litten, seien jetzt wieder im Laufen. "Unmittelbar hat es wehgetan, wir mussten stornieren, aber wir sehen seit dem Sommer, dass das Pendel wieder zurückschlägt", sagte der Konzernchef.
Hitze dämpfte Stadthotellerie
Insgesamt liefen die Hotels, die bereits renoviert sind und unter internationaler Marke geführt werden, "gut". Die Hitzewellen im Sommer bremsten das Geschäft heuer freilich etwas. "Bei den Temperaturen ist die Nachfrage in der Stadthotellerie schwächer", so Winkler. "Was man natürlich sieht, ist, dass sie sich über das gesamte Jahr verteilt." Früher sei im ersten Quartal kaum etwas los gewesen, jetzt sei die Nachfrage auch da relativ gut.
Bereits vollzogen ist die Erneuerung des Hotel Astoria in der Wiener Innenstadt, das nun unter der Sub-Marke Curio Collection von Hilton läuft. In die Renovierung des Hauses flossen laut Winkler 16 Mio. Euro. Das alte Flair bleibt erhalten, wird gehegt und international vermarktet. "Das ist die Synergie."
In den nächsten Jahren wieder bei 35 Hotels
Parallel zu den Renovierungen steht eine kräftige Expansion mit weiterhin klarem Fokus auf die Stadthotellerie auf dem Programm. Bis 2030/31 will das Verkehrsbuero den Angaben zufolge "wieder in Richtung 35 Hotels hinkommen", also auf das Niveau früherer Jahre zurückkehren. Im Vordergrund stehe profitables Wachstum vor Geschwindigkeit und Anzahl der Häuser. "Wir halten die Augen offen für weitere Hotels in Kombination mit Franchise", sagte der Vorstandschef im Gespräch mit der APA.
Das Verkehrsbuero führt seine Hotels in der Regel mit 20 Jahre lang laufenden Pachtverträgen. Beim Ananas ist der Konzern selbst Eigentümer der Immobilie - und das soll laut Winkler auch so bleiben. Für zwei weitere Häuser - das Hotel Europa Graz und das Four Points Flex by Sheraton Vienna Mariahilf (vormals Hotel Anatol) gibt es Managementverträge. Die Beschäftigten sind bei dieser Variante beim Eigentümer angestellt, nicht beim Verkehrsbuero.
Pandemie bescherte Verluste
In der Verlustzone war der Tourismuskonzern laut Winkler nur während der Corona-Zeit. "Von einem Tag auf den anderen waren die Buchungen weg", erinnerte sich der CEO mit Unbehagen. "Wir haben uns da gut aufgestellt und durchgekämpft, aber wir haben Abgänge gehabt."
2025 erhöhte das Unternehmen mit rund 2.000 Beschäftigten seinen Umsatz nach den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen IFRS (International Financial Reporting Standards) gegenüber dem Jahr davor laut Eigenangaben um 3,1 Prozent auf 548,1 Mio. Euro. Davon seien rund 160 Mio. Euro auf die Hotellerie entfallen, die mit knapp 10 Prozent im Plus gewesen sei.
"Seit 2024 sind wir in einer Transformationsphase, die sicher noch drei bis vier Jahre andauern wird", schätzt der Chef des Verkehrsbuero, das 2027 das Jubiläum seines 110-jährigen Bestehens feiert.
Bank und Versicherung als historischer Hintergrund
Die Mehrheit an der Österreichisches Verkehrsbüro AG befindet sich in Händen der AVZ GmbH (Anteilsverwaltung Zentralsparkasse), die 60,98 Prozent der Anteile hält. Weitere Eigentümer sind die Wiener Städtische Versicherung AG mit 35,46 Prozent und die Donau Versicherung AG mit 1,12 Prozent - beide gehören zur börsennotierten Vienna Insurance Group.
2,44 Prozent der Verkehrsbüro-Anteile sind der Toth Privatstiftung des Eurotours-Gründers Hans-Dieter Toth zugeordnet. Der Reiseveranstalter ist eine 100-Prozent-Tochter des Verkehrsbüros.
(Das Gespräch führte Birgit Kremser/APA)