++ ARCHIVBILD ++ Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Weiterbildung © APA - Austria Presse Agentur
Die Möglichkeit einer Weiterbildung fördert bei den Beschäftigten in Österreich die Arbeitszufriedenheit. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich, der am Donnerstag in Wien präsentiert wurde. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten (56 Prozent) ist mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden. Davon herrscht laut Sonderauswertung zum Thema Weiterbildung bei 89 Prozent dann auch Zufriedenheit bei ihrer beruflichen Tätigkeit.
Aus Sicht des Sozialforschers Martin Oppenauer vom IFES-Institut ist die Bereitschaft der unselbstständigen Beschäftigten in Österreich für Weiterbildungen "auf einem recht hohen Niveau". Weiterbildungen und Qualifizierungen seinen "nicht nur unerlässlich für gute Arbeitsmarktchancen", sie seien auch "ein integraler Bestandteil für die Berufszufriedenheit", sagte er. "Umso wichtiger wäre es möglichst vielen Beschäftigten diese Chancen zu eröffnen." Aus Sicht der Arbeitsklimaindex-Daten zeigten sich "strukturell besondere Herausforderungen, bei älteren Beschäftigten, bei jenen mit niedrigerer formaler Bildung und bei Teilzeitbeschäftigten".
Laut Mikrozensus-Daten der Statistik Austria endet für 20 Prozent der Personen in Österreich (ab 15 Jahren) die formale Ausbildung mit der Pflichtschule. Ein Drittel macht eine Lehre. Zwölf Prozent verfügen über einen Abschluss an einer berufsbildenden mittleren Schule und 17 Prozent über eine Matura. 18 Prozent haben einen Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule. 40 Prozent der Männer schließt eine Lehre ab, bei den Frauen sind es 24 Prozent. Dagegen sind Frauen sowohl am unteren (Pflichtschulabschluss) als auch am oberen Ende der Bildungsskala (Hochschulabschluss) stärker vertreten als Männer. Zudem wies Oppenauer darauf hin, dass bei den Uni/FH-Absolventinnen viel mehr jüngere Frauen vorzufinden seien, und bei den weiblichen Personen mit Pflichtschulabschluss viel mehr Frauen, die 45 oder älter seien.
Weiterbildung spielt große Rolle bei Zufriedenheit
Foresight habe sich den Zusammenhang der Weiterbildung mit der Berufszufriedenheit genauer angesehen. Dabei spielt es laut Oppenauer für die Berufszufriedenheit "eine sehr, sehr große Rolle, welche Weiterbildungsmöglichkeiten sich Beschäftigten eröffnen." Beschäftigte, die mit ihren Möglichkeiten zur Weiterbildung (eher) nicht zufrieden sind, weisen auch eine schlechtere Berufszufriedenheit auf (57 Prozent).
Drei Viertel der Beschäftigten (73 Prozent) glauben, dass ihre jetzige Ausbildung reicht, um die Anforderungen ihres Berufs auch in fünf Jahren noch bewältigen zu können. Besonders deutlich zeigt sich das bei Personen mit Lehrabschluss (77 Prozent), Facharbeiterinnen und Facharbeiter (79 Prozent) und Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte im Bauwesen (81 Prozent). Weniger zuversichtlich sind Beschäftigte im Tourismus (64 Prozent), Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (58 Prozent) und Hilfsarbeiterinnen und -arbeiter (57 Prozent).
Neun Prozent unterbrechen Berufsleben für Ausbildung
Neun Prozent der Beschäftigten unterbrechen ihr Berufsleben für eine Ausbildung oder ein Studium. Im Jahr 2010 waren es nur 5 Prozent. In jüngerer Vergangenheit haben 42 Prozent der Beschäftigten Kurse, Seminare oder Schulungen zur beruflichen Weiterbildung besucht. Kürzungen von Förderungen im Bildungsbereich lassen in den nächsten Jahren aber wieder mit einem Rückgang der Weiterbildungen rechnen, hieß es dazu.
Dem Großteil der heimischen Betriebe ist die Wichtigkeit einer guten Aus- und Weiterbildung bewusst. So sagen 65 Prozent der Befragten, dass ihre Weiterbildung vom Arbeitgeber finanziert und auch die Zeit dafür zur Verfügung gestellt wurde. Allerdings trifft das vermehrt auf Vollzeitbeschäftigte zu (70 Prozent), während das nur 56 Prozent der Teilzeitkräfte angeben. Diese müssen auch häufiger die Kosten für die Fortbildungen selbst übernehmen (15 Prozent), als das Vollzeitbeschäftigte tun müssen (fünf Prozent). Für 45 Prozent der Beschäftigten, die länger keine Weiterbildung besucht haben, ist eine Fortbildung nur vorstellbar, wenn die Kosten vom Betrieb übernommen werden.
AKOÖ-Chef Stangl mit vier Forderungen
Die AK Oberösterreich forderte angesichts der Ergebnisse der Sonderauswertung kostenlose Angebote für das Nachholen von Bildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg. Für AKOÖ-Präsident Andreas Stangl stellen die erwarteten Kosten - etwa Prüfungsgebühren - ein Hindernis dar, um eine Weiterbildung zu machen. Zudem forderte er eine bundesweite Anerkennung beruflich erworbener Fähigkeiten für den Erwerb des Lehrabschlusses. Dabei verwies er auf einen möglichen Berufsschutz etwa bei einer späteren gesundheitlichen Beeinträchtigung. Weiters pochte Stangl auf einen Rechtsanspruch auf ein existenzsicherndes Qualifizierungsgeld für berufliche Neu- und Umorientierung. Dabei denke er etwa an die 500 Mitarbeitende bei KTM, die "vielfach dazu gezwungen" seien, sich neu zu orientieren.
Speziell für Oberösterreich sah die AK die Rücknahme der Kürzungen beim Bildungskonto und den Ausbau von Bildungsförderungen als notwendig an. Aus Sicht von Stangl handelt hier das Land konträr zu den von der Bundesregierung angekündigten Industrie- und Fachkräftestrategien. Für den Arbeitsklimaindex werden jährlich mehr als 4.000 Personen in Österreich befragt. Er soll Aufschluss über die Arbeitszufriedenheit, aber auch über die Belastungen und Sorgen der heimischen Beschäftigten geben. Für die Sonderauswertung zum Thema Weiterbildung wurden 8.800 Interviews in den Jahren 2024 und 2025 mit unselbstständig Beschäftigten durchgeführt.