Felbermayr: Umlageverfahren "radikal nicht diversifiziertes" Modell © APA - Austria Presse Agentur

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr plädiert dafür, das Kapitaldeckungsverfahren bei der Pensionsvorsorge auszubauen. Österreich habe mit dem Umlageverfahren "ein radikal nicht diversifiziertes" Modell, das von der Wirtschaftsentwicklung Österreichs sowie der Geburtenrate und Nettozuwanderung abhänge, sagte Felbermayr am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Je nach Wirtschaftslage schwanken die eingezahlten Pensionsversicherungspflichtbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Einzahlungen der Pensionsversicherten am Kapitalmarkt angelegt. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) hat sich im Auftrag des Verbands der Versicherungsunternehmen Österreichs die volkswirtschaftlichen Auswirkungen "eines ausgewogenen Drei-Säulen-Modells in der Altersvorsorge" angesehen.

Wifo: Schrittweise Ergänzung des Umlageverfahrens mit Kapitaldeckung

Pensionssysteme verfolgen Versicherungs- und Umverteilungsziele und sollen eine "Konsumglättung" zwischen Erwerbstätigkeit und Ruhestand erreichen. "Eine ausgewogene Kombination von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren ermöglicht eine Erreichung dieses Zielbündels mit geringen Nebenwirkungen auf Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkten", heißt es in der Wifo-Studie. Die Höhe des optimalen Anteils der Kapitaldeckung bei der Altersvorsorge werde in der wissenschaftlichen Literatur mit 50 bis 70 Prozent angegeben, sagte Wifo-Studienautor Thomas Url. Bei einer schrittweisen Ergänzung des Umlageverfahrens mit einer verpflichtenden Kapitaldeckung könne "eine Wohlfahrtsteigerung" erzielt werden.

Das Vermögen der österreichischen Haushalte ist oftmals am Girokonto, Sparbuch oder in Immobilien geparkt. "Die Österreicherinnen und Österreicher sind wahnsinnig risikoavers", sagte der Wifo-Chef. Viele seien "überinvestiert in Immobilien", auf den Kapitalmärkten sei langfristig eine deutlich höhere Rendite erzielbar. Laut Wifo-Studie war in Österreich zwischen 1958 und 2025 die Rendite auf Veranlagungen am Aktienmarkt höher als die implizite Rendite des Umlageverfahrens. Für Felbermayr ist das schwedische Pensionsmodell ein Vorbild für Österreich. Dort wird die gesetzliche Pension mit kapitalgedeckten Elementen und einer automatischen Anpassung an die Lebenserwartung verbunden.

Die drei Säulen der Altersvorsorge teilten sich im Jahr 2024 wie folgt auf: Die Gesamteinnahmen im öffentlichen Pensionssystem inklusive staatlicher Zuschüsse betrugen rund 76,8 Mrd. Euro und der öffentliche Pensionsaufwand belief sich auf 76,2 Mrd. Euro. Bei der betrieblichen Altersvorsorge lagen die Beiträge bei 1,8 Mrd. Euro und die ausgezahlten Leistungen bei 3 Mrd. Euro. Bei der privaten Lebensversicherung wurden 4 Mrd. Euro eingezahlt und 4 Mrd. Euro ausbezahlt.

Versicherungsverband für Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge

"Unsere staatlichen Pensionen finanzieren wir wesentlich auf Basis der heimischen Wirtschaftskraft", sagte der Generalsekretär des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO), Christian Eltner, bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wifo. Mit kapitalgedeckter Vorsorge könne man "zusätzlich ausländische Wertschöpfung ins Inland bringen und die Altersvorsorge damit auf eine breitere wirtschaftliche Basis stellen". Die langfristige Sicherung der Altersvorsorge beschäftigt auch die aktuelle ÖVP/SPÖ/NEOS-Regierung. "Unser Ziel sollte es sein, möglichst vielen Menschen einen frühzeitigen Einstieg in die private und betriebliche Vorsorge zu ermöglichen", so VVO-Präsident Gregor Pilgram.

AK und ÖGB für Stärkung des staatlichen Pensionssystems

Die Arbeiterkammer ist gegen "eine stärkere Verlagerung der Altersvorsorge auf die Finanzmärkte". Erfahrungen aus Deutschland und Schweden würden zeigen, dass kapitalgedeckte Modelle weder "höhere noch sicherere Pensionen" garantieren, so die Arbeitnehmervertreter am Dienstag in einer Aussendung. Die Gewerkschaft wies auf die finanzielle Lage vieler Arbeitnehmer hin. "Wer eine stärkere private Altersvorsorge fordert, verschweigt oft, dass sich viele Beschäftigte das schlicht nicht leisten können", so die Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen, Monika Kemperle.