Polens Wirtschaft boomt © APA - Austria Presse Agentur

Die Wirtschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa zeigt sich vom jüngsten Energiepreisschub infolge des Iran-Kriegs weitgehend unbeeindruckt. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hält in seiner am Mittwoch veröffentlichten Herbstprognose an einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 2,2 Prozent 2026 für die EU-Länder der Region fest. Damit liegen sie weiterhin deutlich vor der Eurozone, für die lediglich ein Plus von 0,9 Prozent erwartet wird.

Allerdings weisen die Wirtschaftsforscher auf eine "länderspezifische" Entwicklung hin: Während etwa Rumänien oder die Slowakei unter hohen Budgetdefiziten und der Schwäche der deutschen Autoindustrie leiden, boomt beispielsweise Polen. Als Grund für den Aufwärtstrend nennt das Institut einen grundlegenden Wandel des Wachstumsmodells weg von der "verlängerten Werkbank" für westliche Industriekonzerne. "Länder, die auf Technologie und mehr Produktivität setzen, etwa durch Automatisierung und Digitalisierung, haben auch weiterhin gute Chancen, wirtschaftlich zu reüssieren", erklärt der stellvertretende wiiw-Direktor Richard Grieveson.

Region stärkt Österreichs Exportwirtschaft

Für das kommende Jahr erwartet das Institut ein Wirtschaftswachstum der östlichen EU-Mitglieder von 2,5 Prozent - damit wächst die Region voraussichtlich auch 2027 doppelt so stark wie die Eurozone mit 1,0 Prozent. Von der guten Konjunktur in der Region könnte auch Österreich profitieren: "Der Beitrag zum österreichischen BIP-Wachstum, der über Exporte in die Region entsteht, dürfte von rund 0,12 Prozentpunkten heuer auf 0,16 Prozentpunkte im Jahr 2028 steigen", kommt das wiiw zum Schluss.

Auch die sechs Staaten des Westbalkans - Albanien, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina und das Kosovo - geben mit einem prognostizierten Wachstum von durchschnittlich 3,2 Prozent heuer und 3,3 Prozent im kommenden Jahr ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Eine besonders starke Dynamik dürfte auch die Türkei mit 2,9 bzw. 3,5 Prozent an den Tag legen.

Kaum Wachstum in Ukraine und Russland

Anders stellt sich die Lage in der Ukraine und in Russland dar. Die beiden Kriegsgegner verzeichnen nur noch ein geringes Wirtschaftswachstum, so die Wirtschaftsforscher. "Russlands massive Luftangriffe und die damit verbundenen Zerstörungen von Energieanlagen, kritischer Infrastruktur und Verladeeinrichtungen am Schwarzen Meer sowie die Blockade der Häfen treffen die Wirtschaft immer härter", erklärt wiiw-Expertin Olga Pindyuk zur Ukraine. Deshalb senkte das Institut seine Wachstumsprognose heuer für die Ukraine auf 0,6 Prozent. Für 2027 rechnen die Ökonomen noch mit einem Wachstum von 2,1 Prozent - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Ukraine weiter Unterstützung aus dem Ausland bekommt.

Auch Russland kämpft den Wirtschaftsforschern zufolge zunehmend mit den Folgen des Ukraine-Kriegs und kommt "wirtschaftlich kaum vom Fleck". Für 2026 prognostiziert das wiiw dem Land ein minimales Wachstum von 0,6 Prozent, das 2027 leicht auf 1,3 Prozent anziehen dürfte. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien hätten zu einer "veritablen Treibstoffkrise im ganzen Land" geführt und für einen Anstieg der Inflation um 1,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesorgt, heißt es. Die westlichen Sanktionen würden ebenso das langfristige Wachstumspotenzial untergraben.